752 III. frage. © Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 objectlyer fragen find: wer ill da? wen liebll du? wie iit das zugegangen? wann hall du ihn geleben? Sub- jectiver: iit er da? lieblt du mich? wiJJli du mit? ill er allein? Diele unterfcheidung nach dein inhalt der frage be ­ rührt lieh mit dem vorausgefchickten formellen unter- fchied. Objeclive fragen werden in der regel durch den anlaut, fubjective durch ein lüffix ausgedrückt. Infofern der fragende nicht voraus weiß, welche antwort erfolgt, lind alle fragen ihrer natur nach zwei ­ felnd. In höherem grade zweifelnd ill aber die lüb- jective frage. Der objectiv fragende will berichtet fein und kann auf das vielfältiglle berichtet werden. Die ungewisheit des fubjeclivfragenden ill aber nur auf eine von zwei möglichen antworten gefpannt, auf ja oder nein. Jedweder lübjecdven frage darf demnach ein oder nicht? zugefügt, mit andern worlen, lie kann beides, poiiliv oder negativ gelallt werden. Statt jenes: iit er da? lieblt du mich? wäre es in vielen fällen*) gleichgültig zu fragen: ill er nicht da? liebft du mich nicht? Hieraus folgt fchon im allgemeinen ein gewif- fer zufainmenhang der fubiecliven frage mit der negalion, den auch die formen der tragwörter beitätigen. Endlich gefchehen alle fragen entweder direct oder indirect; die vorhin gegebnen beifpiele objectiver und fubjeedver fragen waren lauter directe. Indirecte wären z. b. ich weiß nicht, wer es fei? ich weiß nicht, ob er komme? Auf diefe indirecte frage braucht nicht gerade geantwortet zu werden. Nunmehr bemerke ich: i. das princip objectiver frage erfcheint bei bildung des Interrogativpronomens und der daraus abgeleiteten partikeln. Dielen Wörtern allen klebt die frage we- l'entlich an, während andern das interrogalivfuffix oder praeüx nur zufällig angehängt wird. Ich habe f. 1-3 aus ­ geführt, daß in unterer fprache die confonantenllY denfrag- anlaut begründen, daß lie aber an die Helle des kräftigeren KV urverwandter fprachen getreten lind. Diefes ge- fchwächte IlV behauptete licli nicht einmal lange zeit, *) das feinere gefiihl wird fich freilich in der auweudung für die poQtive oder negative faßung entfeheiden, je nachdem die erwartung des fragenden auf ein nein oder ja gerichtet ifi denn man fragt: magft du? wenn man nein, maglt du nicht? wenn man ja hören will*