© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 738 111. negation. Verstärkungen. Mehr gewicht lege ich auf eine befondere eigenthüm- lichkeit der fchwäbifchen volksfprache, welche llatt un- feres heutigen nichts oder halt des nit, net anderer oberdeulieber mundarten, überall it oder et gebraucht. Der landttrich, auf welchen diefer idiotifinus befchränkt iß, verdiente naher beftiinint zu werden. Ich begegne ihm nicht in der mehr alemannifchen (weßfchwäbifchen) gegend, wohl aber in der fudöftlichen *); es zieht lieh aus der markgraflchaft Burgau nach dem Frickthal hinun ­ ter**), nicht bis in die eigentliche Schweiz; wie weit es oftwärts nach Baiern hin reiche, weiß ich nicht, Schmeller hat es 1,127 aufgenommen, doch der eigent ­ lich bairifchen, Ößreich. mundart icheint nur die form net gemäß. Beifpiele: dear ifch et gar grauß (der ilt nicht gar groß); et emol (nicht einmal); ihr lind it gfclieid (ihr feid nicht gefcheicl); noi it a fo (nein nicht fo); des ka it fei (das kann nicht fein) u. f. w. Diefes et, it läßt lieh nun auf doj3peIte weife erklären, ent ­ weder durch aphaerelis des n aus net, nit, wobei jedoch auffällt, daß diefe nicht in den übrigen Verbindungen der negation fiattfindet, inan lagt noi, nui (nein), noits y nuits (nichts), niea (nie), keineswegs oi, oits, iea. Oder das et, it ~ iht, wilit müße in der weife des altn. veetr und des fufligierten -at feine eigne, von der einfachen negation unabhängigere verneinende kraft entwickelt und behauptet haben? 21. Weder die altn. einfache negation, noch vaetr, noch das iüffix -at find auf die fpätere profa, gefchweige auf die fchwed. und dän. fprache insgemein übergegan ­ gen. Alle diefe verneinen dafür mit einer andern, ein ­ fach ausfehenden, aber wiederum durch verfchmelzung eines fuffixes entfprungenen parlikel, welche anfänglich bloße verltärkung der eriien negationsform war. Das dän. il'ke, fchwed. icke, altn. ecki find das neutrum des f. 34* 35 näher erklärten fufligierten pronomens eingi und liehen für eithi, eitgi; die gleichbedeutige neben- form dän. fchwed. ej y altn. eigi iß wahrfcheinlich aus *) nicht bei Hebel, noch im Elfaß; allein überall bei Seb. Sailer (herausg. von Bach mann, Buchau 1819)» in Otmar Schön- huths lierzog Ulrich (Reutl. 1830), in Weitzmanns bauerncon- grefs (Ulm 1823) «. f. w.; Wagners fchriften kennen et und net, im (alten) Würtenberg muß alfo die grenze beider laufen. **) Stalder dialect, p.333.