686 RECHT UND LINK © Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 desniza üblicher als praviza, Südslaven hängen also dem alten aus- druck an, wie Italiener dem destro destra, Spanier dem diestro diestra *. Unter den ausdrücken unsrer spräche für link ist der älteste das goth. lileiduma und die linke hand oder seite (föra) heiszt hleidumei. ein ahd. hlitumo hlitamo ist unerhört, doch ich ahne Zusammenhang 989 mit dem ahd. hlitä, mhd. lite, bair. leite, clivus, abhang, weil das ab ­ schüssige zugleich das krumme ist und dem aufrechten, geraden ent ­ gegen steht, es musz ein hieinan hlain hlinum recuhare gegeben ha ­ ben, wovon goth. hlains collis und ahd. hlinen recumbere, gr. xh'veiv, lat. reclinare, der recumbens und reclinans ist gegensatz vom aufrech ­ ten, und wir gelangen immer zur Vorstellung des obliquen und ge ­ krümmten, die sich mit der des linken berührt, vielleicht darf das bair. hinterleitig in betracht kommen, das von einem nach norden oder im mittagschatten eines waldes liegenden feldstück gilt (Schm. 2, 520.) da auch das altn. hlid latus montis, devexitas bedeutet und D behauptet, so mag ich das schwed. lätta sinistra manus, gotländi- sehe leta (Molbechs hist, tidsskr. 4, 215. Almqvist s. 438) nicht ver ­ gleichen, deren T sich vielmehr zum bair. Schweiz, letz perversus obli- quus (Schm. 2, 530 Stald. 2, 167 Tobl. 296) halten läszt, welches schon im ahd. lezi lezi leizi (Graff 2, 316) erscheint. Nah aber dem hleiduma liegen ir. gal. clith, welsches cledd link, armor. kleiz und klei. Ungleich ausgebreiteter ist das ahd. alts. winistar und von der hand gebraucht winistrü, ags. vinstra, fern, vinstre, fries. winistere, altn. vinstri, schwed. vänster, dän. venster. dieser ausdruck herscht noch mhd. vor: winister Anno 821. winster Karajans denkm. 36, 10. En. 5212. Maria 163, 16. 194, 38. 208, 31. Er. 6704. Iw. 599. Parz. 9, 25. 295, 24. 304, 21. MS. 1, 157 a . Diut. 1, 228. Wi- gal. 2545. 6257 (var.) Helmbr. 61. 628. und im Barl., nicht bei Walter, Conrad noch im Renner, s. 306 nahm ich unmittelbare be- rührung zwischen winistar und lat. sinister, durch bloszen Wechsel des V und S an, auf jeden fall tragen beide die auch in aQiortQog vor ­ brechende Superlativ- und comparativbildung ST und R zur schau. Da nun altn. vsenn pulcher, vaenstr pulcherrimus mit vinstri gemeinschaft haben können, wobei auch das superlativische alts. wänamo oder wa- namo (s. 653)? pulchre, wänami claritas, splendor anzuschlagen wäre; so ergäbe sich Verwandtschaft mit dem skr. väma, das zugleich sini ­ ster und pulcher bedeutet, letzteres in Zusammensetzung mit Wörtern, 990die ein glied des leibs ausdrücken (Bopps gloss. p. 316 a .) M er ­ schiene in N geschwächt, die bedeutung aber wäre der schönen hand, welche wir vorhin für die rechte geltend machten. Lenkä laeva, sinistra (manus) bieten schon sehr alle ahd. glos- sen dar (Graff 2, 231), doch lange zeit überwog winisträ. mit der * für dexter haben die Finnen oikia, die Esten öige, die Lappen in Nor ­ wegen olgisli, in Schweden älkes.