© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 XXXVIII. SCHWACHE NOMINA. 939 Au ich vor langen jahren einen ins äuge fallenden unterschied deutscher conjugation wie declination zum erstenmal benannte, schweb ­ ten mir noch nicht alle gründe vor, welche die wähl desselben aus- drucks für beide falle rechtfertigen und rathsam erscheinen lassen, aber es ist in der natur unsrer spräche tief enthalten, dasz sie einer ursprünglichen und inneren form der flexion im verfolg der zeit noch eine andere, äuszerliche hinzufüge, die jene vertreten und ersetzen helfe (s. 877.) Wie zu dem ablautenden praet. ein mit consonanten gebildetes sich gesellte haben wir wahrgenommen; nicht anders kommt zu der alten declination eine neue, durch einschaltung von N erzeugte, heidemal wird die alte einfache aber mächtige flexion stark, die jün ­ gere , auf äuszerem hebel beruhende schwach heiszen dürfen, beide ­ mal kann zuletzt das kennzeichen schwacher form dort bloszes D oder T, hier bloszes N sein, und wenn sogar jenes D in der mnl. mund- art ausficl (s. 891), erblicken wir in allen unsern sprachen beim nom. sg. jedes geschlechts, in fries. und altn. aber für sämtliche casus das N schwacher declination wegfallend; dann ist von der schwachen form nichts mehr übrig als der durch das unterdrückte D und N bedingt gewesene auslaulende vocal. die verkürzte gestalt des nom. sg. schwacher deck gegenüber dem vollständigen pl. hat unverkennbare 940 analogie zum gothischen sg. schwacher praet. gegenüber dem pl. Noch entscheidender tritt aber diese analogie darin hervor, dasz im hintergrund der schwachen flexion jedesmal eine starke liegt, und wie das angehängte -da auf das starke praet. dada zurückgeht, ebenso dem eingeschalteten N ursprünglich die starken flexionen beigefügt wurden. Das in der schwachen conjugation enthaltne verbum c thun* hatten auch, wie nachgewiesen wurde, die urverwandten sprachen, und es wird sich nachher ausweisen, dasz ihnen das characteristische N unsrer schwachen declination ebensowenig gebracb; allein die deut ­ sche Sprache, ihrer ganzen art und weise nach, entfaltete aus beiden ein durchgreifendes gesetz, und eben diese gemeinschaftliche anwendung