© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 634 DECLINATIONSVOCALE declination, d. h. was sich in jeder reihe auf der grundlage des A I U entfaltet. Im substantiv laufen den drei männlichen declinalionen drei weib ­ liche dergestalt parallel, dasz die zweite und dritte, organischerweise, für beide geschlechter ganz zusammenrinnen, in der ersten aber zwi ­ schen den geschlechtern zwar analogie, doch bestimmte Verschieden ­ heit obwaltet. Ein paradigma der vollen und ursprünglichen flexion soll voran ­ gehn, dann das der wirklichen folgen. sg. dagas gastis sunus giba dßdis handus dagis gastais sunaus gib ös dödais handaus dagi gastai sunau gibö dödai handau dagan gastin sunun giba dödin handun pl. dagßs gasteis sunius gibös dedeis handius dage gastijß sunivß gibö dödijö handive dagam gastim sunum giböm dßdim handum dagans gaslins sununs gibös dfidins handuns die wirklich bestehende goth. flexion lautet aber sg. dags gasts sunus giba dfif)S handus dagis gastis sunaus gibös dödais handaus daga gasta sunau gibai dedai handau dag gast sunu giba död handu pl. dagös gasteis sunjus gibös dedeis handjus dagö gastß sunive gibö dedß handive dagam gas tim sunum giböm dödim handum dagans gastins sununs gibös dedins handuns 913 Was nun an dem früheren vocalstand allmälich geändert wurde und zu gründe gieng, musz die analogie der ablaute ermitteln; sie hat theoretisch die alte, verdunkelte bahn der declinalionen herzustellen. Vorerst leuchtet ein, dasz die plurale besser erhalten sind und das vocalverhältnis reiner gewahren lassen, wie gastim sunum, gastins sununs zu dagam dagans stehn, fordert auch sunus ein gastis dagas. Dann aber kann nicht bezweifelt werden, dasz die dritte decli ­ nation in beiden geschlechtern, die zweite im weiblichen unversehrt geblieben ist, anders ausgedrückt, dasz die reihen U und I in ihrem ablaut fast ungestört schalten, gerade wie es in vierter und fünfter reihe der conjugation zu bemerken war. Offenbar ist in der dritten declination nur eine und zwar ganz geringe änderung des reinen ablauts eingetreten, der nom. pl. sunjus und handjus musz aus älterem diphthongischem sunius handius hervor ­ gegangen sein, weil diesem IU das EI der zweiten declinalionen gleich läuft, consonantierungen des im diphlhong anlautenden I sind auch sonst aufzuweisen, gerade so musz im persönlichen pronomen jus für ius stehn (wie El in veis bezeugt) und nhd. je ensprang aus mhd. ie. die parallele handaus handau : dedais dödai begehrt auch im masc. ein gastais gastai = sunaus sunau, wofür sich späterhin gastis gasta aus erster deck einschlich.