630 VERSCHOBNES PRAETERITUM © Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 Haben diese infinitive den ablaut des praet., so wäre der gedanke natürlich, dasz auch das characteristische U der flexion des praet. in sie eingienge, und z. b. ein inf. vitun neben jenem veilan stünde, wie lat. scivisse neben scire; praesensbedeutung könnte dem vitun ver ­ bleiben, wie dem lat. esse oder unserm sein, welchen beiden, ihrer form nach, eigenheit des praesens zusteht, wirklich zeigt die altn. spräche die inf. skulu und munu = meminisse, obschon die übrigen kunna unna fmrfa mega knega vita eiga vilja lauten. Noch vortheil- hafter wäre ein solcher inf. praet. für die nicht anomalen, starken 908 wie schwachen verba, um giban dare von gebun dedisse, teihan dicere von talhun dixisse, salbön ungere von salbödedun unxisse zu unter ­ scheiden; nur käme die gestalt allzusehr mit der III pl. überein, wie uns nhd. geben dant und geben dare zusammen fallen. Nicht genug, dasz mehrere dieser anomalen verba heute ausge ­ storben sind, beiylj£ andern haben auch die abstracten begriffe gewech ­ selt; zu den verschobnen formen gesellen sich Verschiebungen der bedeutung, diese verba sind die abstractesten der spräche, ihre auxi ­ liäre Vorstellung musz oft in einander übergehn, kann ist uns nicht mehr novi sondern possum, darf nicht mehr egeo sondern licet, soll zwar noch debeo, aber auch volo, mag nicht mehr possum sondern volo lubet, musz nicht mehr capio sondern debeo. in bedarf und vermag dauert aber der alte sinn von darf und mag. der Engländer umschreibt sein futurum erster person durch I shall, we shall, zweiter und dritter person aber durch thou will, he will, ye will, they will (grarnm. 4, 182 — 184); es ist höflich, dasz der redende von sich sollen, von andern wollen gebraucht. Noch heute ist diese Umschrei ­ bung in Deutschland verschieden nach der gegend: am Rhein sagt man: C ich will kommen’, in Berlin C ich werde kommen. 3 Die eigenheit der anomalie bewährt sich auch in richtungen der syntax. von ihnen abhängig ist z. b. eine gothische ausdrucksweise des passivums (grannn. 4, 58. 59) oder die construction des reinen infmitivs (4, 92) oder die ellipse des infmitivs (4, 132), des auxiliären haben bei Umschreibung des inf. praet. (4, 174.) dahin darf man ferner das praefix ge- vor infmitiven nach können und mögen rechnen (2, 847), die fügung des part. praet. nach sollen, wollen, taugen (4, 128) endlich die ihrer eignen part. praet. (4, 167. 168.) Die abweichende form dieser anomalen verba gestattet und bedingt zugleich auszerordentliche constructionen. Begegnen sich in solchen auxiliären, die gelenke der rede her ­ gebenden Wörtern urverwandte sprachen, was könnte ein stärkeres zeugnis ihres hohen alterthums sein? am allernächsten tritt die grie- 909 chische in ihrem ytyova fitfiova oiöa l'/io fragoto) unserm kann man vait äih dars, und für mag ög daug dürfen wenigstens ange ­ schlagen werden fA.iywf.it loxeavog d-vyärrjQ, von dreizehn in der spräche waltenden wurzeln sind fünf entschieden gemeinschaftlich, dasz skr. vßda in form und praesensbedeutung dem vait gleichstehe, ist schon oft angeführt worden; skr. drs ist gadaursan. aus