© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 XXIX. GERMANEN UND DEUTSCHE. Nachdem wir namen, silz und Verwandtschaft aller einzelnen 773 stamme erwogen haben, ist es gelegen zuletzt noch eine bis hierher aufgesparte Untersuchung über die ihnen gemeinschaftlich zuslehende benennung zu verbreiten. Ich musz aber zuvor in die natur der volksnamen überhaupt mehr einzudringen suchen. Schon s. 153 wurde von dem grundsatz aus ­ gegangen , dasz ein volk seinen namen sich nicht selbst ertheilt, son ­ dern dasz er ihm von den umwohnenden nachharn gegeben wird, zwi ­ schen welchen es auftrilt. wie das neugeborne kind benannt sein musz, lang ehe es sich auf die nolhwendigkeit einen namen zu führen besinnen könnte; so empfängt auch der neue volkslamm, da wo er sich bildet, durch die früher bestehenden älteren stamme, die mit ihm in verkehr treten, eine benennung, die er hernach ebensowenig able- gen kann als der täufling die seinige; blosz ausnahmsweise mag sie genauer bestimmt oder verändert werden. Die nachbarn, von denen der name ausgeht, sind aber sowol stammverwandte einheimische als fremde, und je gröszer und wichtiger die völkerverhällnisse waren, je zusammenfassender ihre merkmale, desto leichter wird ein aus fremder zunge herrührender name um sich greifen. Zuweilen kann auch ge- schehn, dasz ein volk, wenn es an die stelle eines fremden weggezog ­ nen oder verdrängten einrückt, dessen namen mit überkommt, und 774 gleich den eingeprägten bennennungen der flösse, berge und Wälder auch die der bewohner haften bleiben. Betrachtet man nun den grund der namen, so ergeben sich drei arten, indem sie sich entweder auf einen Stammherrn oder auf eine vorstechende eigenschafl des volks selbst oder endlich auf die gegend beziehen, in der es wohnt. Die palronymische bezeichnung scheint dem geist unseres alter- thums die allerangemessensle. wie es liefgewurzelte sitte war, und bis auf heute, nur in beschränktem umfang, unter fürsten und edeln noch ist, die im gcschlecht hergebrachten eigennamen festzuhallen und