_l ~ ■ L*> 462 ANGELSACHSEN ärisan und risan, fries. und altn. risa bedeuten surgere, das ahd. risan, mhd. risen umgekehrt cadere, welches der ursprüngliche sinn scheint, so dasz der von surgere erst durch die im goth. und ags. nicht feh ­ lende partikel ur und ä bewirkt wurde, dann aber auch nach deren abfall im alts. fries. altn. beharrte. * dem goth. lukan und altn. liika wohnt blosz die bedeutung claudere bei, dem ags. lüean, fries. lüka, mhd. liechen auszerdem die scheinbar ganz ferne von vellere avellere, raufen, rupfen; ohne zweifei galt sie auch im niedersächsischen dialect, da sich z. b. in den Bremer stat. s. 187 lök vellebat findet, mhd. belege stehn Diut. 2, 119. MS. 2, 101 a . hier wiederum zeigt erst das goth. uslukan den sinn von tXxtiv, onuod'cu, vellere, extrahere, 665 ebenso das ahd.. arliochan, üzliochan zaliochan, d. h. erschlieszen, aufschlieszen, Öfnen (weil das eingeschlossenc versteckt, das erschlos ­ sene hervorgezogen wird), allmälich blieb aber die den sinn um ­ drehende partikel weg, dennoch die von ihr abhängige bedeutung haftend, das ags. risan und lücan müssen ursprünglich cadere und claudere ausgedrückt haben, von ihnen wurden ärisan surgere, älücan vellere gebildet und zuletzt auch nach abgeschliffener partikel den scheinbar einfachen risan und lilcan diese bedeutungen gelassen, was GralF 2, 138 von einem formellen unterschied zwischen lfichan clau ­ dere und liuchan (soll heiszen liochan) aufstellt ist grundlos. Bisher ist blosz die berschende sächsische oder westsächsische mundart abgehandelt worden, der anglischen oder nordenglischen, northumbrischen sollten eigne forschungen gewidmet werden und dabei die heutigen volksdialecte nicht unberücksichtigt bleiben. Von Caedmons erstem lied gibt es eine schwach gefärbte anglische recension (in (Thorpes vorrede s. XXII.) mehr northumbrischen dialect liefern das rituale ecclesiae dunelmensis London 1839 und das sogenannte Dur- hambook, dessen ausgabe noch unvollendet ist (ich besitze nur Matth. 1 bis 14, 3.) Auszer den schon gramrn. 1, 377. 378 angemerkten vocalverhältnissen hebe ich hier folgende eigenheiten hervor. Dem infinitiv, pl. praes. conj., so wie der schwachen declination gebricht das anlautende N, wol aber behaupten es die praeterila pl. und die participia praeteriti. es heiszt also vosa für vesan, habba f. häbban, doa f. dön, foa f. fön, nioma f. neman, lufa f. lufian, boensa suppli- care f. bünsian u. s. w. habba habeamus, gifoela sentiamus, sie si- mus; dagegen die praeterita lauten voeron eramus und essemus, rioson surreximus und surgeremus, und die part. praes. -ende, die gerundia -anne behaupten: tö fleanne ad fugiendum, ich finde selbst das geni- tivische boensendes supplicandi im ritual s. 41. einigemal zeigt die prima praes. sg. M: biom ero, sium video, döm faciam. für ags. -ad häufig schon -as. * Bopp bat angemerkt, dasz aucli die sanskritwurzel pat cadere (gr. nimeiv redupl. für nireiv praet. 7TS7trcoy.a, slav. pasti, padati) ausdrücke, durch Zutritt der praep. ut in utpat auffliegen also surgere bezeichne, das ahd. arfallan, ags, äfeallan behalten aber den sinn von fallan feallan.