448 SACHSEN dig die Thüringe zurückleiten; 3) am dasein der Angrivarier, die wie vorher bestandtheil der Cherusken nachher der Sachsen waren; 4) an der Unwahrscheinlichkeit, dasz die Sachsen von einem vvinkel der lialb- insel ausgegangen sich erobernd zugleich in das ganze cheruskische gebiet, ans litus saxonicum und nach Britannien ergossen haben soll ­ ten, welche ausgedehnten sitze begreiflicher werden, so bald man, wie es schon Bedas stelle fordert, Altsachsen mit auf dem breiten boden von Westfalen, Engern und Ostfalen hausen läszt; 5) an der innern Unzulässigkeit der sage selbst: die Sachsen sollen mit einer flotte im lande Hadeln gelandet sein, dem sic längst benachbart lagen; aus dem eingang der kimbrischen halbinsel, wo sie Plolemaeus kennt, hätten sie blosz die Elbe zu überschreiten brauchen, um nach Hadeln zu gelangen. Überhaupt ist es rathsam, völkerstämmc, so lange es nur thunlich und nicht bestimmten nachrichten entgegen scheint, an der stelle, die sie einnehmen, auch mit unverändertem namen fortwohnen zu lassen. Die niederdeutschen Stämme, wie sie immer heiszen, haben sich vom ersten jh. bis ins mittelalter in ihren sitzen auf der halbin ­ sel und zwischen Elbe und Weser beinahe unverriiekt behauptet, nur ein wenig, nach dem auszug der Franken, von der Weser gegen den Rhein vorgeschoben. Was nun Widukinds sage angeht, so hallt in ihr entweder uralte Überlieferung von ankunft der Sachsen auf der Ostsee an die küste der halbinsel nach, die allmälich auf andere Örter und Stämme ange ­ wandt wurde, oder sie verkehrt den meerzug nach Britannien in einen aus Britannien nach dem festen land*, was durch Rudolfs Vorstellung in der translatio Alexandri (Pertz 2, 674) bestätigt wird, wo es ge ­ radezu heiszt: Saxonum gens, sicut tradit antiquitas, ab Anglis Bri- 645tanniae incolis egressa per oceanum navigans Germaniac litoribus Stu ­ dio et necessilate quaerendarum sedium appulsa est in loco qui voca- lur Haduloha eo tempore quo Thiolricus rex Francorum contra Irmin- fridum generum suum ducem Thuringorum dimicans terram eorura crudeliter ferro vastavit et igni; hier ist die landung gleich mit der des thüringischen kriegs zusammengerückt, während bei Widukind zwi ­ schen beiden längere zeit angesetzt werden musz. Noch deutlicher wird der sage mythischer gehalt durch die dem Gotfried von Viterbo vorgelegne Überlieferung, welche die meerfart der Sachsen weiter aus ­ holt und an der Weser, statt an der Elbe enden läszt: Nunc bene procedo, dum tempora Saxonis edo, Saxo, velut eredo, patria fuit ante Macedo. regis Alexandri miles ubique fuit. Rege diem functo tulit a Babylone meatum, Circuit Italiam ratibus, veniens Arelatum Siciliaeque pliarum, transit in oceanum; inde per oceanum britannica litora transit, Flandria pertimuit, sed nec sine clade remansil, Guisara saxonica terminus ejus erat. * wie schon Niebuhr röm. geseb. 1, 46 (dritter ausg.) mutmaszt.