I © Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 XIV. DIE LIQUATION. Den namen der liquiden verdienen L R M N, weil sie noch 309 etwas von der natur des vocals an sich tragen und zwischen den stum ­ men consonanlen üieszen, daher auch häufig die stelle wechseln. R und L heiszen im sanskrit halbvocale und werden den Spiranten J und V an die seite gesetzt, auch in unsern europäischen sprachen geht L über in I und U, es wird gleichsam in den vocallaut geschmolzen; R aber entspringt in der mitte von vocalen. M entfaltet sich vor labia ­ len, N vor gutturalen und lingualen wiederum aus vocalen. im sanskrit gehören hierher anusvära und visarga, NG und II. einzelne sprachen, wie die chinesische, meiden den harten laut des R durchaus, umge ­ kehrt die armenische und zendische das L. Auch das ist ein Zeichen der flüssigen natur des R, dasz die Spi ­ rans S zu R wird, der sausende laut zu einem summenden surrenden, wie die Engländer sagen, buzzing sound. unsre spräche scheint den allmälichen eintritt dieser Wandlung gut zu zeigen, im gothischen hat sie noch gar nicht statt, bereitet sich aber dadurch vor, dasz S inlau ­ tend bei zutretenden flexionen oder anhängen Schwächung in Z erfährt, das nicht gleich dem ahd. Z, sondern als blöderes, dickeres schwir ­ rendes S auszusprechen ist*. Niemals kann der anlaut S gefährdet werden. Am seltensten erscheint dies Z nach A, auszer wo noch ein 310 consonant vorhergeht: ans anza, Jians jianzei, marzja, oder folgt: gazds, razda, Azdiggs, auch wenn langer vocal drückt: usana uzön, azfits; nicht aber würde für basi kasa geschrieben werden bazi kaza. häufiger ist es nach I U, vor langen vocalen und consonanten: is izös izai izö, {iis [>izei, im -iza der comparative, riqis riqiza, izvis, mizdö, barizeins, visan vizön, [jus Jjuzei, jus juzei, us uzuh, tus tuzvörjan, * in der sanskritgrammatik (Bopp §. 31) heiszt freilich S ein dumpfer, R, folglich goth. Z, ein tönender laut, vgl. Pott 2, 17. mir tönen und flieszen Z und R, aber summend, schwirrend, S saust rein und hell. Z bindet sich mit media (razda), S mit tenuis (ist, lustus.)