© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 28 Was gezähmt zur weide getrieben wird heiszt vieh, im gegen- satz zu dem wilden ungebändigten thier. beide ausdrtlcke erstrecken sich durch die sprachen: golh. faihu, ahd. fihu, alts. fehu, ags. feoh, altn. fö, schwed. fä, nnl. vee, nhd. vieh, lat. pecu, preusz. pecku, gr. möv fiir 7ioxv ntxv, zend und skr. pasu. litth. ist übrig piemü, dem gr. 7ioi[.irjv entsprechend, den begrif pecus drückt aber galwijas aus von galwa caput, wie capitale, engl, cattle und unser bestehaupt, ßoiou YMQr\va. pecunia, faihu fihu feoh, des hirten vornehmste habe, peculium, YTijvog, bezeichnen zugleich das älteste tauschmittel, geld. das sl. wort für vieh lautet skot und scheint entweder umgekehrt aus goth. skatts, altn. skattr, ags. sceat, ahd. scaz, nhd. schätz entsprun ­ gen, welche bereits gehl bedeuten, oder es bewahrt den sinnlichen begrif, den jene deutschen Wörter fahren lieszen; doch auch fries. sket drückt vieh und geld aus, und mhd. werden C scaz und vihe 5 verbun ­ den Diut. 3, 87. man erwäge lat. opes und ovis, wobei opilio für ovilio vermittelt und hernach beim pferd maijuns und mädm. Unser thier, goth. dius, ags. deor, engl, deer, altn. dyr, nnl. dier, ahd. tior, mhd. tier ist sichtbar das gr. &riQ, \H]qiov, aeol. (ptjQ, lat. fera (vgl. ferus wild), sl. zvjer, böhm. zwer zwjre, poln. zwierz, litth. £weris, lett. swehrs, pr. swiris; fiir den Übergang des 0 in ZV ver- 29 gleiche man skr. dhvan sonare, ags. ftunor, ahd. donar, sl. zvon, litth. zwanas sonus sonitus und das S dieser lat. Wörter neben tonitru. das. thier ist der jäger vieh, das vieh der hirten thier. Vieh weiden hiesz goth. haldan, ahd. lialtan (0. V. 20, 32. k. 12, 1) mhd. halten (Griesh. pred. 1, 10. fundgr. 2, 90. Helbl. 8, 524) tenere, custodire, in gewahrsam halten, und ganz ähnlich ent ­ springt gr. vt/iieiy weiden aus der bedeutung habere, lenere, sortiri = goth. niman, ahd. neman capere, tenere; vo^ir; ist weide, Weide ­ platz wie captura praeda und mlat. locus praedae = ahd. bifang, lat. nemus wähl und weide, alts. nimid (mythol. s. 614.) golh. vinja vojxr n ahd. winön pascere, mhd. wünne paseuum, eigentlich gaudium, volup- tas, aus der wonne des weidens, den lachenden wiesen zu deu-