arburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 VORREDE ZÜR ERSTEN AUFLAGE. öo hat es mich denn betroffen, wie Adelung (dem ich fast nie nacheiferte) gegen seines lehens ende eine' geschichte der deutschen spräche abfaszte, dasz auch ich meine grammatik feiern lassend vor dem beginn des angekündigten Wörterbuchs ein solches werk, freilich in an- derm sinn aufgenommen und ausgeführt an das licht gebe. Als ich in unsrer academie über den hei neueren Schriftstellern ohne hinreichenden grund verworfnen namen Jornandes zu lesen unternahm und mir fast alle blätter dieses geschichtschreibers seine ansicht von Gothen und Geten vor das äuge führten, lag es nahe einmal darauf einzugehn. Es gibt alte durch die historische critik in acht und bann gethane Klei ­ dungen, deren untilgbarer grund sich immer wieder luft macht, wie man sagt dasz versunkne schätze nachblühen und von zeit zu zeit im schosz der erde aufwärts rücken, damit sie endlich noch gehoben wer ­ den. seine band davon ab lasse wer der lösenden worte unkundig ist. Mir begann einzuleuchten, wenn die namens form Jornandes durch sich selbst, dem beglaubigten Jordanes der handschriften zum trotz haltbar bleibe, müsse noch vielmehr die innere Wahrscheinlichkeit des geleugneten Zusammenhangs unserer Gothen mit älteren Geten über lähmende zweifei siegen und gegen den sie uns eine weile lang verlei ­ denden machtspruch aufrecht bestehn. Bald aber regte sich lust in mir die flüchtig niedergeschriebne und schon lebhaft angefochtne ab- handlung (obgleich sie noch nicht einmal ausgegeben, vorläufig nur an freunde und bekannte verlheilt ist) zu einem bedächtigen buch umzu ­ arbeiten, in welchem die geschichte aller deutschen Völker, nicht blosz der Gothen, tiefer als es bisher geschah getränkt werden sollte aus dem quell unsrer spräche, den zwar die historiker als ausstatlung ihres gartens gellen lassen, dem sie doch kaum zutreten um die lippe da ­ ran zu netzen.