Einleitung nur bei einer Foliohandschriftöz wissen wir genau, daß sie von dem Herrenbrei- tunger Geistlichen stammt. Hier besteht Klärungsbedarf. Kupfermann war kein Schwärmer, seine chemischen Rezepte sind frei von jeder Spekulation. Dennoch ist es eine reizvolle Vorstellung: Ein Abt in seinem Klosterlabor, das Feuer schü- rend und die Gußkelle schwingend, dabei unterstützt von einem Laien aus der Henneberger Gesellschaft - das paßt so recht ins Bild, das man sich von einem Al- chemisten macht. Johannes Eckel (gest. 1622), stammte wie sein Freund Conrad Schüler aus Wolf- hagen bei Kassel.63 Er war Kammerdiener und Vertrauter des Landgrafen, Labo- rant, später auch eine Art Gesandter in Sachen Alchemie und oberster Garten- meister, der übrigens ein Büchlein Schülers aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte,64 allzeit seßhaft und seinem Herrn treu ergeben. Guter Lateiner, der er war, kopierte er fehlerfrei deutsche und lateinische Traktate und Rezepte, und er ließ sich solchermaßen als Schreiber in 21 Handschriften ermitteln. Eckel be- saß mindestens vier dieser Handschriften sowie 40 Ms. med. 6; eventuell vorhan- dene Drucke sind 1941 verbrannt. Wenn man so will, gibt es sogar die Andeutung einer Abbildung von ihm: Giovanni Eccelio in gondola titelt Landgraf Moritz sei- ne flüchtige Federzeichnung von einer Person im Kahn, die Fulda überquerend.65 Humor hatte Eckel auch, das läßt ein Scherz-Bicinium seines Kollegen, des Kam- mer-Secretarius Caspar Meusch, vermuten, das ersterer eigenhändig in einen Mancinus-Drucköö notierte: Damit Hanß Eckel wird bericht, wie mich Herr Hen- rich abgericht . .. Schüler jedoch, um zu ihm zurückzukehren, führte im Gegensatz zum braven Ek- kel ein abenteuerlicher Weg über den Stuttgarter Hof und das dortige Gefängnis hart am Galgen vorbei. Erst 1610 trat er in die Dienste des Landgrafen Moritz: Dieser ernannte ihn zum Amtmann des hessischen Teils der Burg Eppstein am Taunus. Hier setzte er seine auch im Kerker nicht unterbrochene alchemische Schreibtätigkeit fort. Seine Werke sind - z.T. in Abschrift - im Kasseler Bestand vorhanden. Der Landgraf selbst, der Kammerherr Eckbrecht von der Malsburg, die (z.T. no- minellen) Leibärzte Ludwig Combach, Joseph Duchesne (Quercetanus), Johan- nes Hartmann, Michael Maier, Jacobus Mosanus, Johannes Rhenanus und Her- mann Wolf, der Marburger Theologieprofessor und Erzalchemist Raphael Egli, 62 63 64 65 66 20 Ms. chem. 13. MoRAN, The Alchemical World, S. 154-170; Hans Georg HOFACKER, ... esonderlich hohe Künste und vortreffliche Geheimnisa. Alchemie am Hof Herzog Friedrichs I. von Württemberg 1593- 1608, Stuttgart 1993, S.37-41. Konrad SCHÜLER, Ordentlicher kurtzer Begriff der chimischen Kunst von dem lapide philosophoa rum ..., Kassel: Wessel 1611. BROSZINSKI, Klösterliche Alchemie, S. 827. 40 Mus. 73. XXII