Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte 13 Staates ein Museum zu schaffen, in dem die Erinnerungsstücke aller Art an die ruhmreichen kurhessischen Truppenteile in Kriegs- und Friedenszeiten gesammelt und aufbewahrt werden sollten. Ihrer zähen, ja fanatischen Arbeit gelang es, daß im Sommer 1935 die Sammlungen bereits eine übersichtliche Ab ­ rundung erfahren hatten und im Roten Schloß am Friedrichs ­ platz als „Kurhessisches Heeresmuseum" dem öffentlichen Be ­ such übergeben werden konnten. Das Museum gibt in seiner reichhaltigen Uniformsammlung einen Überblick über die Be ­ kleidung und Ausrüstung althessischer Truppenteile wie auch fast vollzählig der Porkriegs- und Kriegsformationen des ehe ­ maligen XI. Armeekorps kurhessischer Standorte, bezw. kur ­ hessischer Tradition. Fast vollzählig sind auch die Sammlung der Handfeuerwaffen, angefangen beim Steinschloßgewchr des siebenjährigen Krieges bis zum modernen Mehrlader, und die der blanken Waffen. Aus der Fülle der Schaustücke sei weiter ­ hin genannt: Wertvollste militärische Urkunden aller Zeiten, die Sammlung der Beutestücke aus dem Weltkrieg, die Ordens ­ sammlung, die zahlreichen Originalgranaten und optisches Heeresgerät. Einzig in ihrer Art ist die im Kellergeschoß untergebrachte Schützengrabenanlage in natürlichen Maßen. Sie vermittelt ein eindrucksvolles Bild aus dem größten aller Kriege. Von Beobachtungsstellen sieht man in von Künstler ­ hand geschaffenen Halbrundbildern die Darstellung einzelner Gefechtshandlungen unserer tapferen kurhess. Regimenter. Das Kurhessische Heeresmuseum wendet sich insbesondere an die Jugend, die sich hier an den Leistungen und den Er ­ innerungsstücken ihrer Väter aufrichten kann, und» ist dem hohen Lied vom deutschen Soldatentum geweiht. c) Städtisches Naturkunde-Museum, Steinweg 2 j_< Raths. [352 11]. Bis 1. 4. 1928 staatlich, im Jahre 1929 von der Stadt übernommen, umgebaut und neu geordnet. Dezernent: Stadtrat Dr. Heilig Das 1696 unter Landgraf Earl an Stelle des hier 1606 er ­ richteten ersten deutschen festen Theaters erbaute Kunsthaus am Steinweg vereinigt heute als Naturkundemuseum zoolo ­ gische, botanische, geologische und mineralogische Sammlungen. Es findet sich historisch interessantes Material an Präparaten des 17. und 18. Jahrhunderts vor. Hervorzuheben sind eine wertvolle Vogelsammlung, eine neugeordnete Schmetterlings- sammlung, die umfangreichen mineralogischen und technolo ­ gischen Abteilungen sowie die botanische Sammlung mit einem der ältesten deutschen Herbarien von Ratzenberger aus dem Jahre 1560 und 1592. Zu den Beständen gehört der Elefanten ­ schädel, an dem Goethe seine grundlegenden Untersuchungen, die ihn zur Entdeckung des Zwischenkiefers beim Menschen führten, machte. Auch andere Säugerschädel aus jener Zeit zeugen von den anatomischen Untersuchungen des großen Dichters. In der mineralogischen Abteilung befindet sich die Leon- hard'sche Sammlung, die Goethe ebenfalls eifrig benutzte. Die Stücke tragen die Originalbezeichnungen. Im Dachgeschoß befindet sich die sog. Anatomie, in der Goethe 1783 mit Sömmering Versuche an einem Luftballon anstellte. Besichtigungszeiten des Naturkunde-Museums: Im Sommer an Wochentagen 9—13 Uhr (ausschl. Montag), 15—18 Uhr (ausschl. Montag und Sonnabend); im Winter: Dienstag bis Freitag 9—15 Uhr, Sonnabend 9—13 Uhr. Sonntags: Sommer wie Winter 10—13 Uhr. Eintritt frei. Führungen nur nach vorheriger Anmeldung. «l) A r ch i t e k t u r - M u s e u m im M a r st a I l g c b ä u d e. Das Marstallgebäude, 1591 durch Landgraf Wilhelm IV. an Stelle des aus dem Jahre 1510 stammenden von Boyneburg- schen Hofes begonnen und 1592—93 unter Landgraf Moritz vollendet, beherbergte neben Ställen und Reithalle, Rüst-, Sattel- und Waffenkammern eine Kunstkammer, die alte Münze, eine Kalendariensammlung, Gemälde, wertvolle Möbel, eine Erfindungskammer und die Bibliothek. — Heute sind in den dreiteiligen gewölbten Säulenhallen im Erdgeschoß des um einen rechteckigen geschlossenen Hof gruppierten zweigeschossigen Vierflügelbaues (mit seinen charakteristischen Giebeln) in übersichtlicher Anordnung künstlerische hochwertige Grabdenkmäler aufgestellt, vornehm ­ lich Arbeiten hessischer Künstler und Handwerker aus den Zei ­ ten der Renaissance und des Barock, darunter Arbeiten von Rahl und du Ry. Reben Leihgaben aus staatlichen Samm- langen handelt es sich in der Hauptsache um die steinernen Zeugen vergangener Zeiten, die seit Jahrhunderten auf dem Friedhof der Lutherkirche gestanden haben. Die im Werden begriffene Sammlung soll zu einem echten Heimat- Museum heranwachsen, das die Vergangenheit und das Werden der Stadt, die Tätigkeit und die besten Werke Kasseler Handwerker unb Künstler zeigt. Leider zwingt die Finanzlage, diese Pläne, wie z. B. die Einrichtung der Zunftstuben, der Künstlerzimmcr, des Denkmäler-Archivs, vorerst zurückzustellen. e) D e u t s ch e s T a p e t e n m u s e u m im ehemaligen Schloß am Friedrichsplatz. Das Deutsche Tapetenmuseum ist ge- gründet von der deutschen Tapetenindustrie unter Führung von Geheim rat Iven und steht unter Leitung von Direktor Heinrich A p c l l. Dasselbe befindet sich in 30 Räumen des Residenzschlosses und zeigt die Entwicklungs- geschichte der Tapete von 1650—1900. Es birgt in seinen Räumen handgearbeitete Ledertapeten des 17. u. 18. Jahr- Hunderts aus der Moritzburg bei Dresden, Schloß Heydau bei Kassel und aus verschiedenen süddeutschen Schlössern und Festsälen, Wachstuchtapeten aus Schloß Wilhelmstal und alten Patrizierhäusern, teils mit Scenerien der griechischen Mytho ­ logie, große Handdruck-Papiertapcten, ebenfalls mit Scenerien der griechischen Mythologie und Moliöres Lustspielen, figür- lichen Darstellungen und mit Landschaften, unter anderen solche von W. Sattler, Schweinfurt, dem Erfinder des Schwein- furter Grün. Große Dcckenroscttcn bis 5 Meter Durchmesser und architektonische Stücke aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, sowie Friese und Handdruck-Supraporte im antiken Stil. Besonderes Interesse erregen die asiatischen Abteilungen mit ihren Kakemonos, Makimonos, Aquarell ­ malereien und den Bastfasertapcten der Eüdsee-Insulancr (Fidschi Samoa, Tonga, Reu-Guinea). Eine Orginal-Hand- druckkammer und eine Tapetendruckmaschine ermöglichen, den Besuchern beide Drucke zu veranschaulichen. Das Deutsche Tapetenmuseum ist das einzige der Welt. Besichtigungszeiten: Montag Freitag von 9—16, Sonn ­ abend von 9—13, Sonntag von 10—13 Uhr. j-< 1485 [214 85]. Kunstverein zu Kassel E. V. Wechselnde Ausstellung von Werken zeitgenössischer Kunst im Städt. Kunsthaus, Ständeplatz 16J$. Besuchszeiten: Im Sommer: werktags 9—1 und 3—5 Uhr, Sonnabends 9—1, Sonntags 11—1 Uhr; im Winter: werktags 9—3, Sonnabends 9—1, Sonntags 11—1 Uhr. Mollenhauer-Sammlung. Ausstellung alter sowie neuzeitlicher Musikinstrumente. Wilhelmshöher Allee 87 Seitengebäude I. Täglich von 8—18 Uhr geöffnet. Die Besuche sind kostenlos. Bibliotheken a) Landesbibliothek, Friedrichsplatz 18 (ehemals Mu ­ seum Fridericianum). Direktor: Dr. Hopf. Bibliotheksräte: Dr. Israel, Dr. Grothe. — Geöffnet (Lesesaal [rund 350 Zeit- schriften], Bücherausgabe und Katalogzimmer) werktäglich 9—13 Uhr und (außer Sonnabend) 16—19 Uhr. Ausleihezeit: 4 Wochen. — Besichtigung der Ausstellung seltener Handschriften u n d D r u ck e : Montag u. Donnerstag 11—12)4 Uhr unentgeltlich: sonst gegen Eintrittsgeld b) Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, Weinbergstraße 6. öffentliche wissenschaftliche Bibliothek. Öffnungszeit wochentäglich: 9—13 und 16—19 Uhr. Sonn ­ abend nachmittag geschlossen. Direktor: Dr. Haarmann. c) Kupferstichkabinett und Kunstbibliothek Adolf-Hitler-Platz 6 !-« 340 51. Direktor: Prof. Dr. Kurt Luthmer. Kunstbibliothek und Kupferstichkabinett wurden 1930 zur Erinnerung an das 350jährige Bestehen der Kasseler Kunst- sammlungen durch Zusammenlegung mehrerer kleinerer Büchereien und Blattsommlungen öffentlicher Kunstinstitute gegründet und in dem vom preußischen Staatsministeriuin hierfür zur Verfügung gestellten monumentalen Wilhelms- höher Torbau vor dem Landesmuseum untergebracht. Die Bibliothek umfaßt etwa 20 000 Bände, etwa ebensoviel Kupferstiche und Handzeichnungen, viele Tausend Blatt Photographien und Vorlagen. Im gleichen Bau ist die Ge- werbehalle untergebracht mit einer der wenigen vollständigen Sammlungen von Patentschriften (rund 700 000 Stück). — Öffnungszeiten: Im Winter: Mittwoch u. Sonnabend 11—13 und 16—21, Sonntags 11—13 Uhr; im Sommer: Wochentags von 11—13, Mittwoch und Sonnabend nachm, von 16—21, Sonntags 11—13 Uhr.