12 Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte 1. Teil Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte Gemälde-Galerie an der Schönen Aussicht gehört ihrem Wert nach zu den bedeutensten Sammlungen Europas. Geöffnet im Sommer: Sonntags von 11—13 Uhr, Montags bis Freitags von 9—13 und 15—17 Uhr, Sonnabends von 9—13 Uhr. Im Winter: Sonntags von 11—13 Uhr, Montag bis einschließlich Freitag von 9—15 Uhr, Sonnabends von 9—13 Uhr. Außer- dem zugänglich durch den Kastellan. Erbaut 1871—77. Direktor: Prof. 1)r. Luthmer 340 52. Der kostbarste Schatz Kassels, die Gemäldegalerie, ist eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Wenn auch schon Landgraf Karl 1730 eine beträchtliche Sammlung von Gemälden hinter- ließ, so wurde die jetzige Galerie doch im wesentlichen durch Landgraf Wilhelm VIll. (f- 1760) geschaffen. Dieser kunst ­ liebende Fürst, der sich als Gouverneur von Breda und Maastricht zu einem tüchtigen Kenner der niederländischen Malerei ausgebildet hatte, kaufte in wenigen Jahren fast alle Meisterstücke der jetzigen Galerie an. Einen äußerst empfind ­ lichen Verlust erlitt die Galerie, als im Jahre 1806 ihre besten Stücke als Kriegsbeute nach Paris entführt wurden. Wenn sie auch neun Jahre später zum größten Teil wieder zurückkamen, so blieben doch überaus wertvolle Gemälde für immer verloren. Nach der Einnahme von Kassel hatte General Lagrange 1806 einen Teil der kostbarsten Bilder der Kaiserin Iosephine für Schloß Malmaison geschenkt, und später verkaufte sie die Familie Beauharnais an den Kaiser von Rußland. Seit 1877 ist die Galerie in einem aus den Steinen der unvollendet gebliebenen Kattcnburg errichteten Bau untergebracht. Ihren Wert verdankt die Kasseler Galerie vor allem den Bildern holländischer und vlämischer Maler, ihren Weltruf in erster Linie den etwa 20 Rembrandts, darunter der Segen Iukobs, die Saskia, der Federschneider, die Holzhackerfamilie, Nikolas Bruyningh und mehrere Selbstbildnisse und Land ­ schaften. Franz Hals ist mit 7 Stücken vertreten, darunter dem Mann mit dem Schlapphut und den musizierenden Knaben. Von Rubens, dem Haupt der vlämischen Schule, sehen wir 12 Bilder, unter ihnen den Orientalen, den Triumph des Siegers und die Flucht nach Ägypten. Unter den 12 Stücken Antonius v. Dycks befindet sich eine ganze Reihe be ­ deutender Porträts, so das Doppelbildnis des Malers Snyders und seiner Frau. Gleichfalls 12 Bilder besitzt die Galerie von Jakob Iordaens, der selten gut vertreten ist. Der niederländischen Schule gehören weiter an Teniers (Zechende und kartenspielende Bauern), Adriaen Brouwer, Polter (Auf der Heide), Hondecoeter (Hahnenkampf), Adriaen (Strand von Scheveningen) und Willem van de Velde (Stille See), Wouvermann, Retscher, Adriaen van Ostade (Land ­ volk), Antonis Moro (Wilhelm von Oranien), Jan Steen (Bohnenfest), Ruysdael (Wasserfall), Metsu (Almosen), Ter- borch (Lautenspiclerin). Von den Italienern seien Tizian (Bildnis des Acquaviva), Bafsano, Tintoretto, von den Fran ­ zosen Nicolas Poussin, von den Deutschen Albrecht Dürer (Bildnis der Elisabeth Tücher), Altdorfer (Christus am Kreuz) und Lukas Cranach d. A. (mit 6 Stücken) genannt. Von den großen Oberlichtsälen enthalten Saal 1, 2 und 4 die vlämische Schule des 17. Jahrhunderts, Saal 3 Rem- brandt, Kabinett 1—14 Deutsche und Niederländer des 16. und 18. Jahrhunderts, Kabinett 15—19 italienische Meister des 15.—18. Jahrhunderts und Spanier. Museen a) Hessisches Landesmuseum (Museum Fridericia- num) am Adolf-Hitler-Platz 5. Erbaut 1911—1913 von Th. Fischer. Landesgeschichtliche Sammlungen: Hessische Vorgeschichte, p o l i t i s ch - m i I i t ä - rische Geschichte, Hessische Kunst und hei ­ misches K u n st h a n d w e r k, Volkskunst a u s Hessen. Direktor: Professor I)r. Luthmer. Zuge- hörig: Sammlung von Gipsabgüssen antiker mittelalterlicher und neuzeitlicher Skulp- tuten im Erdgeschoß der Gemäldegalerie — Besichtigung des Landesmuseums: Im Sommer: Sonntags von 11—13 Uhr, Montags von 15—17, Dienstag bis Freitag von 9—13 und 15—17, Sonnabend von 9—13 Uhr. Im Winter: Sonntags von 11—13 Uhr, Montags geschlossen, Dienstag bis Freitag von 9—15, Sonnabend von 9—13 Uhr t-* 340 51. Schon 1779 hatte Landgraf Friedrich ll. im Museum Fridericianum das von seinen Vorfahren gegründete Rari ­ tätenkabinett der Barockzeit wieder aufleben lassen und diesem neben dem aus Goldschmiedearbeiten des 16.—18. Jahr ­ hunderts bestehenden landgräflichen Silberschatz eine Samm ­ lung antiker Marmorskulpturen und Bronzen hinzugefügt. Der Neubau des Landesmuseums hat die alte Bestimmung der Sammlung wesentlich erweitert. Bei der Neugründung des Landgrafenmuseums wurden die alten Sammlungen größtenteils dorthin überführt (f. d.) und das Landesmuseum noch ausschließlicher der Darstellung heimischer Geschichte, Kunstentwicklung und Volkskunde gewidmet. Das Erdgeschoß enthält den großen Fahnen- und Waffen ­ saal mit der Türkenbeute von 1717 und einer vollständigen Bildnisgalerie hessischer Generale und Obersten vom 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, anschließend Uniformen und Kostümsammlungen, weiter die Uhrenkammer und die astronomischen und mathematisch-physikalischen Instrumente. Der Ehrensaal im ersten Stock zeigt die Fahnen hessischer Einzelterritorien und von Bürgcrgarden und die Wappen der althessischen Ritterschaft. Es schließen sich an die Räume mit hessischer Malerei und Plastik, insbesondere Werken der „Tisch ­ beins" und kunstgewerblichen Altertümern. Weiter findet man Kunstwerke aus Glas, Elfenbein, Bernstein, Fayencen und Porzellan, Möbel der Renaissance, des Barock, Rokoko und Empire, sowie mittelalterliche Skulpturen. Der zweite Stock enthält eine umfangreiche und farbenbunte Sammlung hessi ­ scher Trachten, bäuerliche Kunst und eine große Abteilung hessischer Vorgeschichte. Das Museum besitzt einen Bortrags- saal und Räume für wechselnde Ausstellungen. L a n d g r a f e n m u s e u m, Schöne Aussicht 3 und Frank ­ furter Str. 33. Direktor: Prof. Dr. Luthmer. Besichtigung wie bei der Gemäldegalerie. »-* 336 14. Das Museum wurde 1935 neu begründet und in dem um 1720 erbauten „Palais Prinz Wilhelm" untergebracht, besser tiefer Lhrenhof von der „Schönen Aussicht" aus zugänglich ist. Die linke Hofseite wird von dem um 1750 durch Francois Luvilliez erbauten „Galerie ­ flügel" eingenommen, der Flügel zur Rechten und der vordere Ouerbau von zahlreichen Ateliers von Malern und Bild ­ hauern als Rest der später hier untergebrachten Kunstakademie — daher im Bolksmund „Alte Akademie". Im Galerieflügel hing bis zur Überführung in den benachbarten Neubau (1877) die weltberühmte Gemäldesammlung; in seinem Erdgeschoß stand die imposante „Porzellaingalcrie", eine Sammlung ost ­ asiatischer Porzellane, die jetzt z. T. wieder in das Gebäude zurückgeführt werden konnte. Das Museum vereinigt heute eine Fülle geschichtlicher Er ­ innerungen an das hessische Landgrafenhaus feit der Zeit Philipps des Großmütigen und kostbare von verschiedenen Generationen dieses Hauses zusammengebrachte Sammlungen antiker Plastik und antiken Kunsthandwerks, ostasiatischen Porzellans, von Gobelins, Gemälden und Bronzen. Im Erdgeschoß intime, den Zeitcharakter atmende Wohn- räume vom 16.—17. Jahrhundert und kleiner Brunnenhof. Im 1. Stock großer Galeriesaal von fast 40 m Länge, zwei- geschossig mit reicher und imponierender Ausstattung — Serie von 5 flämischen Gobelins der Kleopatralegende 17. Ih., großer runder Teppich mit dem hessischen Wappen — 2 lange Friese großer Gemälde der italienischen und niederländischen Schule — Bildnisse und Marmorbüsten der Landgrafen — italienische Bronzegüsse nach antiken Skulpturen — kostbare Konsoltische mit Sätzen von Imarivasen — 5 große Kron ­ leuchter. Im anschließenden Glasgang ägyptisches, griechisches und römisches Kunsthandwerk, das auch die Galerie und der Gartensaal im Erdgeschoß füllt, und ebenso wie im Raum darunter antike Marmorplastik, deren Hauptstücke den an ­ schließenden prächtigen Marmorsaal aus der Zeit König I,romes zieren. Im Hauptbau mehrere lange Festräume, darunter der reich geschnitzte und vergoldete Regencesaal mit der wiedervereinigtcn Porzellansammlung; ferner die Epät- empirewohnung der Kurfürstin Auguste. l>) K u r h e s s i s ch e s Heeresmuseum (Rotes Palais, Friedrichsplatz 19/20). Bor einigen Jahren traten in Kassel einige vaterlandsliebende Männer zusammen, um gleichsam als Protest gegen die Waffen- und ehrlose Zeit des Weimarer