Frankfurter Prunkvase Blaudekoriert« Fayence um 1650. Mit Landschaft, Figuren und Ornament ragt fernstes China nach Europa hinein. Noch andere Teile der Sammlung haben mir zu durchschreiten, in denen nicht nur geboten wird, was an Kostbarem und Gutem in Gebrauch und Nutzung des Hofes oder des Hauses stand, in denen vielmehr dem wirklichen Werkfleiß der Bevölkerung ein ehrendes Denkmal gesetzt wird, der, gespeist aus den natürlichen Schätzen der Heimat, befördert von den Fürsten ini Lande, in vielen kleinen Zellen wirkte und Blüte trug. Wir sprechen von den Waldglas- und Benezianer-Glas- hütten, von den Töpfer-Werkstätten Dreihausens, Wanfrieds, Marburgs, von den Fayencen Hanaus, Frankfurts und Kassels, dem Steingut Kassels, dem Steinzeug Nassaus und des Westerwaldes und den Porzellanen von Kassel und Fulda, von diesen viel ­ fältigen Erzeugnissen abgeschiedener und doch lebens ­ warmer, bald tastender, bald sicher voranschreitender. immer strebender Zeiten. Hier, wo wir mehr als in irgendwelchem anderen Gebiet der Sammlungen in reichen Gemächern gehen, die nicht als überkommenes Gut dem Hause von je eigneten, sind wir dem Drängen, Fehlen und Treffen unserer eigenen Zeit am nächsten. Hier dürfen wir aber zugleich dankbar gestehen, daß es der stillen unermüdlichen Arbeit noch kaum ver- gangener Jahrzehnte bedurft hat, die Schätze, deren Dichtigkeit heute fast überwältigt, erst aus dem Dunkel ans Licht zu ziehen. Damit nicht genug. Das Museum wäre mitnichten ein hessisches Landesmuseum, wenn in ihm nicht ein Platz offengehalten stünde für die Repräsentation zweier Wesenszüge hessischer Eigenart: für das Streben nach politischer Kraft und Geltung und für das Ver ­ senken in beharrliche wissenschaftliche Arbeit. Eine