4 Sehenswürdigkeiten, Theater, Konzerte. Teil I. wirtschaftlichen Unternehmungen liefert die Stadtverwaltungaus eigenen Werken Gas, elek ­ trischen Strom und Wasser; diese Anlagen werden stets den neuzeitlichen technischen und wirtschaftlichen Forderungen angepaßt. Mit der Industrie ist das Casseler Handwerk aufs engste verknüpft. Die Geschichte der Stadt wird zu allen Zeiten stark beeinflußt durch Gilden und Zünfte, die teilweise auf eine mehr als 500jährige Vergangenheit zurückblicken können. Auf die mittelalterliche Blüte folgten, wie allgemein in Deutschland, Zeiten schwerster Daseinskämpfe, als die Maschine der Handarbeit das Feld strittig machte. Dem Handwerk und Kleingewerbe unserer Stadt, das mehr als 3000 Betriebe umfaßt, muß nachgerühmt werden, daß es durch verständnisvolle Umstellung auf die veränderten Lebensbedingungen sich zu behaupten versteht. Wenn auch in anderer Form, so hat sich das Handwerk doch stoßkräftige Vertretungen zu schaffen ver ­ standen, die an der Weiterentwicklung in neuzeitlichem Sinne zu arbeiten bemüht sind. Namentlich die ständig wiederkehrenden Ausstellungen von Lehrlingsarbeiten und die ge legentlichen Fachausstellungen gewerblicher Erzeugnisse lassen erkennen, daß in unserer Stadt Qualitätsarbeit in bestem Sinne geleistet wird. Nach diesem Überblick über die Casseler groß- und kleingewerblichen Unternehmungen wenden wir uns der Bedeutung Cassels als Handelsplatz zu. Schon aus der andeutungs ­ weisen Behandlung der Fabrikationsbetriebe läßt sich erkennen, daß der Absatz der hier gefertigten Erzeugnisse ausgedehnte Handelsorganisationen voraussetzt. Neben diesem Exporthandel hat sich dank der günstigen Verkehrslage nach und nach ein ausgedehnter Großhandel in den wichtigsten Bodenschätzen und Bedarfsgegenständen entwickelt. Besonders sind zu nennen: Holz, Kohle, Getreide, Häute und Felle, Kolonial- und Manufakturwaren Düngemittel, Eisen, Papier und Lumpen. Dem Einzelhandel fällt naturgemäß in einer Stadt von der Größe Cassels, die in weitem Umkreis nur von mittleren und kleinen Landstädten und Dörfern umgeben ist, eine besondere Bedeutung zu. Schon in der Landgrafen- und Kurfürstenzeit bildete trotz der politischen Zerklüftung in Mitteldeutschland Cassel einen Haupthandelsplatz für den Bedarf in sogenannten Spezereiwaren, die hauptsächlich auf dem Schiffswege über Bremen eingeführt wurden. Innerhalb des Einzelhandels ist zunächst das allgemeine Bedarfsgeschäft zu unter ­ scheiden, daneben das Spezialgeschäft und das Warenhaus. Außerdem haben sich Organisationen herausgebildet, die nach genossenschaftlichen Grundsätzen den Warenumsatz an ihre Mitglieder vermitteln. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Geldinstitute in den letzten Jahren in unserer Stadt gewesen, die schon in den monumentalen Verwaltungsgebäuden Ausdruck findet. Schon vorhandene Banken haben an fast allen in Frage kommenden Plätzen des Casseler Wirtschaftsgebietes Zweigniederlassungen errichtet, während anderseits auswärtig« Großbanken ihre Geschäfte auf Cassel ausgedehnt haben. Cassels Verkehrs- und wirtschaftspolitische Stellung wurzelt so tief, daß auch heftige Stürme den tausendjährigen Baum nicht entwurzeln konnten. Nie sind die Belastungsproben aber stärker gewesen als in dieser Zeit erdrückendster deutscher Verkehrs- und Wirtschaftsnot Da gilt es vor allem, durch festen Zusammenschluß aller Glieder der Gemeinde und zähe Ausdauer den Baum zu stützen und ihm zu weiterer Blüte zu verhelfen zum Nutzen jedes Einzelnen und damit zum Besten der Allgemeinheit. Sehenswürdigkeiten, Theater, Ronzerte. Gemälde-Galerie, an der Schönen Aussicht, gehört ihrem Wert nach zu den bedeutendsten Sammlungen Europas. Geöffnet im Sommer: Sonntags von lO'/s—1 Uhr, Wochentags von 9—I Uhr, Montags, Mittwochs und Donnerstags 3—5 Uhr. Im Winter: Sonntags von 11 — 1 ühr, Wochentags von 9 l / 2 — 1V 2 Uhr. Außerdem zugänglich durch den Kastellan. Erbaut 1871—77. Direktor. Geh. Reg.-Rat Dr. Boehlau. Der kostbarste Schatz Cassels, die Gemälde-Galerie, ist eine Schöpfung des 18. Jahr ­ hunderts. Wenn auch schon früher am Casseler Hof planmäßig Gemälde gesammelt wurden und Landgraf Karl 1730 eine beträchtliche Sammlung von Gemälden hinter ­ ließ, so wurde die jetzige Galerie doch im wesentlichen durch Landgraf Wilhelm VIII- (t 1760) geschaffen. Dieser kunstliebende Fürst, der sich einst als Gouverneur von Breda und Maastricht zu einem tüchtigen Kenner der niederländischen Malerei aus ­ gebildet hatte, kaufte in wenigen Jahren fast alle Meisterstücke der jetzigen Galerie an. Ihm also dankt sie ihren Ruf, wenn auch in späteren Jahren noch mancherlei Neuerwerbungen hinzutraten. Einen äußerst empfindlichen Verlust erlitt die Galerie, als im Jahre 1806 ihre besten Stücke als Kriegsbeute nach Paris entführt wurden. Wenn sie auch neun Jahre später zum größten Teil wieder zurückkamen, so blieben doch überaus wertvolle Gemälde für immer verloren. Napoleon hatte sie der Kaiserin Josephine für Schloß Malmaison geschenkt, und später verkaufte sie die Familie Beauharnais an den Kaiser von Rußland. Noch heute gehören diese Gemälde, unter