8 Aus der Geschichte Cassels. — Flächenangaben. — Höhenangaben. Teil I. und Landgraf Friedrich II. mußte große Geldmittel zu ihrer Wiederherstellung aufwenden. Dieser Fürst, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen, setzte das Gigantenwerk seines Groß ­ vaters fort, er zuerst schuf eigentlich aus Wildnis und Sumpf wirkliche Parkanlagen. Er legte das chinesische Dorf Mulang, die Plutogrotte und manches andere an und ließ die große Fontäne erstehen, die selbst heute an Höhe nur noch von der mit künstlichen Maschinerien getriebenen Fontäne zu Herrenhausen um ein geringes übertroffen wird. Ferner gestaltete er das auf den Trümmern des Weißensteiner Klosters errichtete Jagdschlößchen zu einem imposanten Barockbau um, der dann unter Wilhelm IX. (als Kurfürst seit 1803 Wilhelm I.) dem 1708 vollendeten jetzigen Schloß Platz machte. Wilhelm IX., dem Künstler wie Du Ry, Jussow und Steinhofer zur Seite standen, dankt die nach ihm benannte Wilhelmshöhe ihren eigent ­ lichen Weltruhm, nachdem außer dem neuen Schloß noch die Löwenburg und die Wasser ­ fälle entstanden waren. Kurfürst Wilhelm 11. ließ durch den 83jährigen „Wassergott“ Stein ­ hofer 1828 noch den „Neuen Wasserfall“ folgen. Das französische Interregnum (1807—1813) hat auf Wilhelmshöhe eigentlich mehr zerstört als geschaffen. Nur das dem Schloß nördlich vorgelagerte Theater, ein Werk Leo von Klenzes, des Erbauers der Münchener Glyptothek, stammt aus dieser Zeit. Die Orgien, die der lebenslustige König im Schloß und Park zu Wilhelmshöhe feierte, sind hinlänglich verbürgt, während die sattsam bekannte Gespenster ­ erscheinung in der Löwenburg neuerdings eine ziemlich prosaische Erklärung gefunden hat. (Näheres darüber in meiner „Geschichte der Wilhelmshöhe“). Augenblicklich steht Wilhelmshöhe vor einem bedeutungsvollen Wendepunkt seiner Geschichte. Am 2. Oktober 1011 erfolgte „unter den Eichen“ am Fuße des Habichtswaldes der erste Spatenstich für das geplante Solbad Wilhelmshöhe. Sind die Bohrungen, was nach früheren Versuchen kaum zu bezweifeln ist, von Erfolg, so soll sofort die Anlage des heil ­ kräftigen Solbades in großem Stile beginnen. Nach der Okkupation des Kurfürstentums Hessen durch Preußen 1866 verließ Hessens letzter Kurfürst tränenden Auges die Freitreppe seines Wilhelmshöher Schlosses, das er nie Wiedersehen sollte, um als Kriegsgefangener nach Stettin abgeführt zu werden. Vier Jahre später weilte Napoleon III., nachdem er bei Sedan „den Tod gesucht, aber nicht gefunden“ hatte, als Gefangener über sechs Monate auf diesem Fürstensitz in großer Abgeschiedenheit, die nur selten, z. B. durch den Besuch der Exkaiserin Eugenie, unterbrochen wurde. Aber ­ mals acht Jahre später suchte und fand der Sieger von Sedan hier, oben in dieser Waldes ­ luft die Erholung, die ihm nach schmachvollen Attentaten noch ein Jahrzehnt an Lebens ­ jahren schenken sollte. Seit einer Reihe von Jahren ist Wilhelmshöhe Kaiserliche Sommer ­ residenz, und alljährlich im August pflegt sich Kaiser Wilhelm II? im Wilhelmshöher Schloß, das ihm seit seiner Gymnasiastenzeit in Cassel lieb geworden ist, nach der Nordlandsreise auf einige Wochen mit seiner Familie aufzuhalten. Nicht nur Schätze der Kunst, sondern auch unvergleichliche Naturschönheiten vermag Cassel, im Herzen Deutschlands gelegen, Einheimischen wie Fremden zu bieten. Zudem genießt es den Ruf, eine der gesündesten Städte zu sein. Diese und andere Vorzüge werden ihm auch weiterhin eine gedeildiche Entwickelung sichern. Paul Heidelbach. Fläehenangaben. Flächeninhalt von der Residenzstadt Cassel 2154 ha, Wahlershausen 580 ha, Kirchditmold 278 ha, Rothenditmold 806 ha, Betten hausen 597 ha. Zusammen 3921 ha. Friedrichsplatz: Länge mit den Straßen 324 m, ohne Straßen 278 m, Breite mit Str. 152 m, ohne Str. 110 m, Flächeninhalt mit Str. 492,5 ar, ohne Str. 305,8 ar. Königs platz: Durchmesser mit Str. 130 m, ohne Str. 107 m, Flächeninhalt mit Str. 132,7 ar, ohne Str. 81,7 ar. Karlsaue (einschließlich rd. 18 ha Wasserfläche) 150 ha. Höhenangaben. Fuldaspiegel 135 m, Friedrichsplatz 1(?2 m, Bahnhof 183 m, Wasser ­ behälter auf dem Kratzenberg 211 m, Wilhelmshöher Schloß 287 m, Fuß des Oktogons 525 m, Scheitel des Herkules 596 m über Normal Null, d. h. über dem Mittelwasser der Nordsee.