( 951 ) Die Zünftr zogen denselben Tag mit Musick durch die Stadt, unter beständigem Schießen und Jauch, zen verstrich dieser für Hessen unvergeßliche Tag. Des Abends waren in Melsungen nicht bloß — einige Häuser — sondern (man kannn wohl sagen) alle, auf das schönste erleuchtet. Prächtige Transparen ­ te brannten nicht nur —an allen Hausern der Haupt ­ straßen, sondern man bemerkte such r» der abgele, gendsten Straßen an den niedrigsten Hütten Trans ­ parente, wodurch die Bewohner derselben ihre ed ­ le» Gesinnungen an den Tag zu legen suchten. Die ganze Nacht hindurch hörte man dvu Bürgern auf den Strafen Lob- und Dank Lieder singen und der Ruf: Es leb/ unser Kurfürst! Es lebe unser Kurprinz! Es leben Teutfchlands.Rettcr und Befreier, — schallte aus jedem Munde. Dee im Kurfürstentum Hessen angeordnsle Lob- und Davktag, wurde ebenfalls in Melsungen den 5ten December d. I. auf felgende Arr gefeyert. Tags- zuvor wurde durch das Geläute alter Glocken die ­ ser festliche Tag, allm hiesigen Bewohner« ange ­ kündigt. Sonntags Morgens versammelten fich«,lle Zünfte auf dem Scklcßplatze, und a>s das Zeichen zum Gottesdienste gegeben wurde, riefen dieselben alle öffentliche Beamte« Hierselbst ab, und so ging dcrZug mit Vorkragung der Fahnen von jeder Zunft, in aller Ordnung in die Kirche. Hier kündigte zuerst ein vom Herrn Schullehrer Johannes Ackermann vorgetragenes intonirendes und schönes Vorspiel den feierlichen Tag an. Hierauf wurde in Wechselchören der Ambrosianische Lodgesang gesungen, worauf der hiesige Herr Metropolitan Hvzzel einen auf diese Zeit passenden Psalm verlaß. Durch ein zweites Vorspiel- wo auf ein sanftes Adagio ein lebbaftcs Allegro folgte, noch mehr zum Dank ermuntert, wurden die drei mittlern Verse vom genannten Liede gesungen, wo alsdann der Herr Metropolitan eine dem Tag angemessene Predigt hielt, worinneu er die Geschichte von Hessen kürzlich vortrug. Am Sckluß dee Gottesdienstes zogen die Zünfte in derselben Ord ­ nung ab, wobei sie durch ein angemessenes Postlu, dium begleitet wurden. Der Nachmittagsgottesdienst wurde auf die näm, liche Art gefeiert, und nachdem der zweite Prediger Herr Pfarrer Hupfeld eine sehr rührende Predigt gehalten hatte, ermunterte er seine Zuhörer, ihren Dank, den sie Gott für die Erhaltung unseres theu ­ ren Kurfürsten schuldig wären, dadurch zu bewei ­ sen , daß sie nach ihren Kräften die von allen Mit ­ teln entblößte Stadt Vach unterstützen möchkeu. In dieser Absicht sind auch schon viele gesammelte Bei, träge nach Vach gesendet worden. Möge Gott unsern theuren Kurfürsten und das ganze Kurfürstliche hohe Haus noch lange erhalten, dieses ist der Wunsch eines jeden Burgers in Mel ­ sungen. Bei der in vielen Gegenden noch fortdauernden Rlndr viehpest halten wir es für Pflicht, folgende, von einem Gutsbesitzer, der seine mir vielem Eifer ge- sammlcren Kenntnisse in der Thierarzneikunde mit eigener Erfahrung geprüft hat, bisher mit glückli ­ chem Erfolg angewandte Behandlung des kranken Viehes baldmöglichst öffentlich mitzutheilen. Nach seiner Behandlungsart, wobei er von 20 Stücken nur eine verloren hat, ziehe man jedem Stück Rind ­ vieh, es sey noch gesund oder schon krank, sobald als möglich aa der linken Seile des untern Theils des Halses nach der Brust ein fp.anylanges Haarftil mit einem fingerbreiten wollenen Band, das etwa 2 Ellen lang seyn muß, bestriche solches mit einer Mischung aus gleichen Theilen venekianifchen Ter ­ pentins und Terpentinöls, welches man bei nicht zu großer Ofenwärme untereinander rührt. Das Haor- f«U wird zugebunden, und jeden Morgen mit etwas von sbiger Mischung bestrichen, und etwas fortge, rückt. Will das Haarseil nach 8 Tagen nicht gehö ­ rig etter«, so setzt man etwas Spanischfliegcnpulver oder die reifende Salbe, unter welchem Namen diese in allen hiesigen Aporhecken zu haben ist, zu der Mi, schmig. Dann löset man 2 bis 6 Loth Glaubersalz, nach Verhältniß der Größe und des Alters des Stücks, in einem halben Maas lauwarmen Wasser auf, und giebt dies milchwarm jedem Stück auf einmal ein, welches man nach 48 Stunden wieder ­ holt. DaS Vieh, welches diese Laxtermtttel einbe ­ kommen, wird, so oft es saufen will oder der Re, ael nach saufen muß, mir abgebrühtem lauwarmen Weizenkleyen- oder Gerstenschrodwasser, worunter jedesmal so viel Küchensalz, als man mit drei Fin, gern fassen kann, gemischt wird, getränkt. Wäh ­ rend der Kur giebt man dem Thier so viel gutes Heu zu fressen als es mag. Hat das Thier aber schon wirklich die Krankheit, so ist die erste Behandlung zwar die eben beschriebene; nur muß man, wenn Zittery der Glieder, feste Haut, ein dumpfer Husten sich zeigt, ja nicht ein Aderlaß vornehmen, sondern gleich zweiHandvoll Hollunderblüte mir einem Maaß kochenden Wasser aufgießen, diesen Thee ein wenrg ziehen lassen und durchseichen, damit nichts von den Blumen beim Eingeben dem Thier in die Luftröhre komme. Dieser Thee wild ihm warm, aber nicht heiß eingeschüttet, und es alsdann mir Stroh oder Decken wohl zugedeckt. B i starker Fieberhitze, wenn die Augen aus dem Kopf hervortreten, das Maul und die Zunge sehr hcrß find, wird zu Ver ­ hütung der Entzündung sogleich eine Ader an der linken Seite des Halses geöffnet, und nach Größe und Alter des Stücks ein Vrerlel bis ganzes Maas Blut abgelassen, auch wohl nach zwei Tagen der Aderlaß wiederholt, wenn das Fieber nicht nachläßt. Gewöhnlich ist in diesem Falle auch Verstopfung und Verhaicuug des Urins vorhanden. Dagegen giebt