N” 173. Kassel, Montag den z. Dcccn ber i8i<*.' ^ M« *—* W Feuilleton d e s Westphälischen £1’ D. Kassel. 'er Courier de l’Europe, eine französische Zeitung, meldet, daß Westphalen von baarcm Gelde über- schwemmt sey, daß die Kapitalisten daselbst verlegen sind, ihre Gelder unterzubringen u. s. w. Dies ist ein in der That sehr übel angebrachter Scherz. Jedermann weiß, daß wir das Schicksal der übrigen deutschen Staaten theilen; wir bedauern, daß die fruchtbare Einbildungskraft des schlechtuntcrrichtcten Zeitungsschreibers uns nicht bereichern oder doch we ­ nigstens helfen könne, den Zustand des Zwangs zu verlassen, worin die Zettnmständc uns festhalten; im Gefühle unserer Dankbarkeit würden wir dann aus ­ rufen : esurientes impkvit bovii. Beantwortung der in unsern Zeiten wichtigen Fra ­ ge : was wurden die Folgen für Europa seyn, wenn die Anfuhr von Gold und Silber aus Amerika aufhörte. Werfen wir einen Blick ans den lebhaften Verkehr mit edlen Metallen, der zwischen Europa und Amerika zeither Statt fand, so bietet sich uns die interessante Frage rur Beantwortung dar: was wohl die Folgen seyn würden, wenn durch besondere Umstande die ame ­ rikanischen Gold- und Silbcrmärkte für die Zukunft den Europäern verschlossen würden. Wie groß oder klein auch immer die jährliche Ein ­ fuhr an Gold und Silber seyn mag, so bleibt cs doch eine ausgemachte Wahrheit, daß der jährliche Ver ­ brauch dieser Metalle sich jedesmal mit ihrer jährli ­ chen Einfuhr in Gleichgewicht ;u stellen strebt. Ist dieses Gleichgewicht einmal gegründet, und nimmt dann die jährliche Eimnhr nach und nach ab, so kann wohl eine Zeitlang der jährliche Verbrauch die jährli ­ che Einfuhr überschreiten, aber dann wird auch, so wie die Masse jener Metalle nach und nach abnimmt, ihr Tauschwertb allmählig steigen, bis der jährliche Verbrauch sich so einrichtet, wie rhn die jährliche Ein ­ fuhr unterhatten kann. Man kann demnach annehmen, daß die Quantitä ­ ten Goldes und Silbers, welche jährlich aus Südame, rika nach Epropa kommen, so ungeheuer groß sie auch seyn mögen, gerade hinreichen, um den Handel nach Ostindien, welcher größtentheile mit Silber betrieben wird» fortzusetzen und den Abgang zu ergänzen, wel ­ cher in den europäischen Vorräthcn der edlen Metalle durch die Konsumzion jährlich entsteht. Don der Wichtigkeit dieserKonsumzion aber wird man sich bald überzeugen, wenn man erwägt, daß die einzige Stadt Birmingham in England znm Versilbern, Vergolden und Platiren jährlich für 300,000 Rlhlr. Gold und Silber verbraucht. Hört nun auf einmal der Zufluß edler Metalle aus Amerika auf» (0 ist es ganz natürlich, daß dieselben mit jedem Tage seltener werden und eben dadurch im Preise steigen müssen. Hieraus werden unmittelbar folgende Wirkungen hervorgehen. Erstens: der Verbrauch der edlen Metalle wird fast in demselben Verhältniß abnehmen, als ihr Preis steigt. Zweitens: dieKapitalstoffbesitzer werden ihreFomdS der Bearbeitung von Gold - und Silbcrmiuen in Eu ­ ropa zuwenden, welche, so lauge sie mit den ameri ­ kanischen Preis halten mußten, ohne Zubuße nicht benutzt werden konnte«. Drittens: die Aufsuchung neuer Minen in Europa, wird so lange fortdauren, als die Nachfrage nach ed ­ len Metallen und der dadurch entstehende hohe Preis derselben die Kapitalisten in den Stand setzt, aus die ­ sem Bergbau höhere Gewinnste zu ziehen als bei einer andern Anwendung ihrer Fonds möglich wäre. Viertens: Cm Besitzern von Gold- und Silber- gruben in Europa, deren Reichhaltigkeit es bisher ge ­ staltete, mit D<m amerikanischen Preis zu halten, wird nun eine weil stärkere Grundrente zu Theil, als vorder. Fünftens: al'eWaarenwerden, nachMetallmünzc berechnet, wvhlftiler werden. Ee werden daher Die M tallmünzbesitzer bedeutend gewinnen, indem ste mit derselben Quantität von Metallmünze weit größere Quantitäten von Waaren als vorher umtauschen kön ­ nen, während die Waarenbesitzer noch ident' .1 dadurch verlieren müssen, daß sie für piesclv Quantität W§a rey nur eine geringere Masse «'dlcr Metaue aiv vorher, umzutauschen i.n Stande sind. -■ 330 |