N® 156 Kassel, Mitwochen den 14. November 1810* Feuilleton des Westphalischen oder Supplement Moniteurs. w K' fèSfnklht JO J 5 ./ 7 c?Tjt¿ D. Kassel. urch ein Arrêté Sr. Exzellenz des Herrn Mini ­ sters der Finanzen, des Handels Und des Schatzes von 8ten November, sind für die Harzdivision zu Unter- Ingenieure der Bergwerke ernannt: i) Bergbezirk Klausthal. Herr Wagner, bisheriger ttnteroffiziant, Gradirge- hülfe zu Neusalzwerk ; Salinenkontrolleur zu Sül ­ beck, an die Stelle des als Sicde-Jnspektor nach Iuliuehalle versetzten Herrn Bohne. Herr Schmeling, bisheriger Untcroffiziant; Regi ­ strator zu Klausthal. 2) Bergbezirk Andreasberg. Herr Dietrich, bisheriger Unteroffiziant; Buchhal ­ ter zur Königshütte. 3) Bergbezirk Blankenburg. Herr Hagemann, bisheriger Untcroffiziant; Hüt- Lenschreiber zu Sorge. Die Kolonialwaaren steigen durch die Konjunktu ­ ren der Feit so hoch im Preiße, daß man sich immer mehr daran gewöhnen wird, ihrer soviel als möglich ganz zu entbehren und zu den Feiten von Vasco de Gama, Kolumbus, Magcllan, Alvarez de Cab ral zurückzukehren, worin man in Europa alle diese Produkte beider Indien nicht kannte und doch glücklich lebte. Das geht nun sehr wohl mir den Pro ­ dukten fremder Welttheile, die der Gaumen geniest, aber weit schwerer mit solchen Erzeugnissen, welche zu Fabriken angewandt werden, und darum hat auch Se. Maj. der Kaiser so bedeutende Prämien auf die Erfindung von passenden Surrogaten gesetzt. Eins der unentbehrlichsten Stücke für Tuchmanufakturen und Färbereien ist aber ohne Zweifel der Indigo und darum sind auf die Erfindung eines Iudrgo-Surro- gats, welches den wirklichen Indigo ganz oder halb oder zum vierten Theile ersetzt, im Kaiserlichen De ­ krete so große Belohnungen bestimmt und ein Verzeich ­ nt von einheimischen Pflanzen für die, welche Ver ­ suche machen wollen, demselben beigefügt worden. Die Noth macht indessen erfinderisch und die meisten und wichtigsten Erfindungen sind, wie die Geschichte zeigt, Werke der Noth und des Zufalls gewesen. Noch vor der Bekanntmachung jenes Kaiserlichen Dekrets bat ein Sckwnfarbermeister und Bürger zu Gröninge» im Distrikt Halberstadt (Saaledcpartcmcnr) Namens Heinrich Kirchhof, der durch den Krieg beinahe Alles verloren hatte,wa6erbcfaß u. dadurchattßerStand gesetzt war, sich die theuern ausländischen Fä bemar terialien anzuschaffen, ane einem Kraut, welches er auf dem Acker bauet, ein Indig 0 - Surr 0 gat be ­ reitet, und damit gefärbt, das einen beträchtlich n Vorzug vor andern Surrogaten der Art zu haben scheint. Dieses Kraut und dessen Pflanze ist die schon in frühern Jahrhunderten bekannte und insonderheit in Thüringen zum Dlaufärben gebrauchte Isat»stincto- ria L i n. Hr. Kirchhof weist daraus ein Satzmehl zu extrahiren, welches, ohne Beimischung von Indi ­ go, eine sehr schöne blaue und grüne Farbe gibt. Der chemische Prozeß ist sehr einfach, leicht und nicht im mindesten kostspielig. Die Krauter werden drei ­ mal im Jahre geschnitten und es sind die beiden ersten Schnitte so ergiebig an Säften, daß eine ziemliche Quantität Saymehl daraus extrahirt werden kann» Man muß bedauern, daß der Erfinder kein wohlha ­ bender Mann ist, um seine Erfindung im Großen be, nutzen zu können. Ein Pfund dieses Indigo-Surro ­ gats, wozu er die Kräuter auf Pacht-Aeckern gewin ­ nen muß, kommt ihm nicht halb so theuer zu stehe», als ein Pfund wirklicher Indigo. Ein völlig richtiges Verhältniß des Pceißes wird indessen erst durch die Gewinnung einer großen Quantität dieses Surrogats zu bestimmen möglich seyn. Das Geheimniß besteht allein in der Extrakzion des Satzmehls oder Scheidung des blauen Färbematerials und der Erfinder ist be ­ reit dasselbe zum allgemeinen Besten zu entdecken, wenn jemand ihm eine mäßige Unterstützung zu Theil werden lassen will, damit er in den Stand gefetzt wer, de, seine Erfindung ins Größere zu treiben. Der Redakteur des Wcstph. Monit. hat einige Stücke von dem Satzmehl oder diesem Indigo-Surrogat znr che, mischen Untersuchung erhalten, und zugleich äuch ei ­ nige Proben von Tuch und Garn, welche in Gegen ­ wart des Hrn. Superintendenten und Obcrpredigere Dr. Hoche, des Ort5-Mairc und eines andern Schön- farbermeisters hellblau, etwas dunkeler und ganz dunkelblau, auch grün, ohne die geringste Beimischung von Indigo gefärbt worden sind. Ilö