N? izñ. Kassel, Feuilleton des Westpha lisch eil a^c Son ntag den 2 r. Oktober 1810. ei — odcr Supplement Moniteurs. Kassel. er Bau der neuen, zwischen dem Frankfurter und alten Napoleonshöher Thor auf königliche Koste» auf ­ zuführenden Straße, wodurch die Residenz eine der schönsten und zweckmäßigsten Erweiterungen erhält, wird auch den Winter hindurch mit Thätigkeit fortge ­ setzt. Die Gebäude sollen in Jahresfrist von den Un ­ ternehmern vollendet geliefert werden und im Novem ­ ber i8n im bewohnbaren Stande seyn. Die Anfertigung eines Kadastcrs! ist? eine Wohlthat die allein den Namen des Fürten unvergeßlich macht, der sie seinen Unterthanen gewährt. Unter allen Pro ­ vinzen, welche jetzt das Königreich Westphalen bilden, ist das ehemalige Hessen die einzige, in welcher sich cin Kadastcr, würdig dieses Namens, vorfindet, und welches bcweißl, daß die alten hessische» Herrscher bei Aufstellung eines gründlichen Steuersystems, weder Mühe noch Kosten gescheuct haben. Doch selbst diese größer» Arbeiten erreichten nicht ganz den wahren Zweck eines Kadasters; theils mangelt es ihnen an Vollständigkeit, theils sind sieunbecudigt und erstrecken sich über eine Menge fremdartiger Gegenstände. Eben so verhält es sich in dem ehemals Braunschweigischen, wo der, seit der letzten Hälfte des verflossenen Jahr ­ hunderts geliefertctr Arbeiten unbeachtet, zu einer aber ­ maligen Vermessung und Abschätzung der Grundstücke durch Sachverständige wird geschritten werden müssen. Das ehemals Osnabrückische Gouvernement hat, in den neuern Zeiten, der Anlegung eines richtigen Stcucr- Kadasters ebenfalls eine ganz besondere Sorgfalt gewid ­ met. Dochsind auch hier d:c gelieferten Arbeiten ungenü ­ gend und müssen von neuem vorgenommen werden. Endlich sind noch fast in jeder Provinz alte, mchrcn- rheils iin i7ten Jahrhundert verfertigte Lagerbüchcr anzutreffen, die indessen den Namen von Kadastern nur sehr unverdient führen, und die dringende Noth ­ wendigkeit desselben nur noch fühlbarer machen, und örtliche Umstände haben das Zusammentragen aller dieser zwar fehlerhaften, aber doch in mancher Hin ­ sicht interessanten Bruchstücke in ein- Ganzes bisher verhindert. Dre Ausgabe für die Anfertigung des Ka ­ dasters ist allein, in Ansehung der acht alten Departe ­ ments des Königreichs, bei etnem Flächeninhalt von i5 bis 16 Millionen Morgen, zu ungefähr fünf Mil- lronen Franken angeschlagen worden. Man weiß mit welchem bedeutenden Kostenaufwand dies große Werk, wodurch allein eine gleichförmigeBestcurung des Gruud- Eigcnchums erst möglich wird, in Frankreich zu Stande gebracht worden ist, wie viele Geometer, wie viele Jahre dazu angewandt wurden. Die Regierung hat indessen auch iu Westphalen diesen Zweck ni» ganz aus den Augen verloren, und wenn bisher noch nicht $uc Ausführung geschritten werden konnte, so ist der Grund wohl lediglich in den ungünstigen Zcitumständen auf ­ zusuchen. Gegenwärtig aber, da ein dauerhafter Frie ­ denszustand das feste band zu beglücken verspricht, wer ­ den auch schon Vorbereitungen zu den auf die Anfer ­ tigung eines allgemeinen Kadasters für das Königreich hluzielendcu Arbeiten gemacht, die unter der Leitung des besonders in dieser Rücksicht angestellten General-In ­ spektors der direkten Steuern, Herrn Ben necke, vorgcllvmmen werden sollen, und wobei eine Menge ehemaliger Landmesser wieder in Thatigkeitgcsetztwer, den können. Aus einem Schreiben aus Melsungen im Fulda- Departement, vorn 4tcn Oktober. Am Zten dieses Monats Oktober hatte unsere Stadt das Glück, durch die unvermutete Ankunft Sr. Ma ­ jestät unsers Allergnädig'sten Königs erfreuet zu werden. Allerhöchst Dieselben nahmen die Königlichen Schloß- Gebäude und Gärten in Augenschein, und rciseten nach eingenommenem Frühstück und reichlicher Bc- schenkung der hiesigen Armen linter dein lauten Vivar ­ rufen und den hcisscsten Seegens - Wünschen der hiesi ­ gen Eiliwohner nach dem Schlosse Napolconshöhe zurück. Heil dem guten Könige! Aus einem Schreiben des Hrn: Pastors Schla ­ ger in Münden, vom i2ten Oktober. Ich theile Ew. die angenehme Nachricht mit, daß am yten Oktober die hiesige Industrie-Schule, welche bisher in meinem Haufe war, wo es ihr aber bei dem Zuströmen von Kindern an gehörigem Raume fehlte, in ein großes Zimmer auf dem hiesigen Rath- 294