>533 ) V. wie das Unerwartete beinahe immer das Unerwünschte. Ganz andere aber ist es irr unserm heutigen Bericht; wir können diesesmak das Unerwartete, zum wenigsten theilweise, das Unverhoffte nenncrri Waren wir nur im Stande, alles, was die jüngst verflossenen Wo ­ chen entstehen sahen, dem glücklichen Zlnscheiu einer 'Wiedergeburt des Handels anzupassen! Wir mochten diese Aussicht gar zu gern zum Cha ­ rakter des heutigen Berichts machen, wozu auch so manches uns berechtigt; nur können wir, ohne Selbst ­ täuschung oder der Wahrheit zu nahe zu treten, oder einseitig zu seyn, diese Ansicht nicht unbedingt auf, stellen. Wir finden im Haufe der letzten Wochen die Ausführung der strengsten Beschränkung mir der Aus ­ sicht zur möglichst weiten Befreiung des Handels, und wieder mit der Betretung des dazwischen liegenden MütelwegS vereinigt. Den entgegengesetztesten Rich ­ tungen nach, sind Verfügungen und Erklärung ge ­ macht worden, und nie mar wohl der Zustand des Handels, im Ganzen sowohl als in seinen einzelnen Theilen, ungewisser als in diesem Augenblick. Zwi ­ schen den äußersten beiden Enden, zwischen Freiheit und Verbannung, schwankt der Handel jetzt, unent ­ schieden 'welches LooS von beiden ihn treffen wird- Das bestehende Prohibm», oder Blokqde-Sostem war in der Geschichte bisher beispiellos, und war, wie alle Anstrengungen undKrafläußcrungcn unserer Tage, denen der Vergangenheit überlegen. Nicht nur Ein ­ fuhr und Kommunikation von und mit England waren gehemmt, sondern auch die Aehnlichkcit, dieMöglich- keir wurde unterdrückt. Alles neutralen Handels zu entbehren, um den mit dem Feinde zu verhüten, war ein Hauptgrundsatz .in diesem System; Aufopferung, Entbehrung und Ausdauer feine Grundpfeiler. 'Der ganze Kontinent mußte daher gegen alle Schiffahrt am Ende gesperrt werben, und er ist es beinahe schon, indem nun die Amerikanische, die einzig neutrale Fahrt, in ganz Holstein, in Preußen, in Mecklenburg u-s. w. verboten ist. Die Strenge mußte, wenn auch ungern, die letzte Spur vom Handel bewache», und daher die Maasregeln, weiche in Preußen, Mecklenburg u.s.w. Statt harren. Von dieser Seite betrachtet macht der jetzige Monat die letzten Augenblicke des hinsterbenden Händel» aus, und die Agonie ist nicht die eines ent ­ kräfteten Greifes, sondern mit den Schmerzen der bre- chendenIugenbkraft verbunden. Sequester, Kondem« naiioneu, Verschließungen waren im Laufe des Augusts häufiger, als je vorher. Ohne Unterschied des Ur ­ sprungs wurde rn Stadien und Ländern Beschlag ver ­ hängt, und die Furcht ging uoch weiter als die harte Nothwendigkeit, und so ward schon aller Handel da ­ durch allem unterbrochen. Handel mir Furcht vor Unsicherheit des EigenlhnmS »st unvereinbar. Aber auch die entgegengesetzte Ursache brachte dieselbe Wir ­ kung hervor." Bevor wir aber ¿ti dieser übergeben, müssen wir bemerken, daß auch in einem unserm Zu ­ stande in vieler Hinsicht entgegenstehenden L nde, in England nämlich, theils aus Denselben, t.wils auS andern Gründen, eine Stockung des Hände e und viele fatale Folgen desselben Statt hatten. Die fast zur Unmöglichkeit gewordene Schwierigkeit des Absatzes nach dem festen Lande, die Wegnahme so vieler Schiffe in Rußland, Preußen und Dännemark, und deren schädlicher Einfluß auf das Assckuranzgeschäfl und die Assekuradäre; die Uebertreibung in den Spekulationen nach Südamerika, und daö Ausbleiben der Zahlungen von daher; der Uebcrfluß an theuern nordischen Pro ­ dukten, und der daraus rcsultircndc Schaden für die Unternehmer, so wie manche andere Lokal - und allge ­ meine Ursachen haben einen solchen Geldmangel und Mißkredit in London verursacht, daß sehr viele und bedeutende Fallisscmente, viele Verlegenheiten und ein überaus großer Druck der Preise aller Dinge, die schlimmen Folgen davon waren, und den Handel in eine Krise brachte, die noch ihrem Ende nicht nahe zu se»n scheint. Es gehört nicht zu unserm Zweck, tiefer einzugehen und für die finanzielle Lage des Staats überhaupt zu argumentiren. Wir muffen nur die je ­ tzige schlimme Lage des Englischen Handels aufstellen, um eines Theils die Kehrseite des letzigen Zustandes zu ergänzen, und dann um desto leichter die günstigere Seite auch mit Rücksicht auf England betrachten zu können. Wir haben jetzt das noch bestehende System der Ausschließung odecIsolirung in seiner Anwendung auf den Moment betrachtet. Nun wird uns plötzlich der Strahl der Hoffnung gegeben, einen ganz entge ­ gengesetzten Zustand in einigen Monaten zu erleben. Gänzliche Befreiung des Handels (soweit cinSe.krieg sie nur erlaubO von allen in den Dekreten uno Kabi» netevrdern der kriegführenden Mächte gehäuften Re ­ striktionen. Das Berliner Dekret, das Mailänder, sollen den ersten November d Z. aufgehoben seyn so, bald England seine Ordres vom Januar >807, die Fahrt von Hafen zu Hafen angehend (die vom Novem ­ ber 1807 sind schon aufgehoben), und vom April 1809, die Blockade Frankreichs betreffend, aufhebt, das heißt, so bald England sein so oft gegebenes Verspre ­ chen erfüllt, daß jene ais Medervcrgcltung nur ge ­ nommenen Maasregeln, mit der Ursache dazu, auch ihre Wirkung rerlier-n sollen. Die Ursache »oll »um aufhören, und überlaßt man sich dem Glauben an politische Treue, so hört die Wirkung gleichfälle bald auf, und wir können Meere befahr.n, Bedürfnisse nach Gefallen mit Ueber fi,,ß eintauschcn, die Ind ste.e mit den Erzeugnissen fremder Weluh ilc beleben, kurz, d.n verlornen Handel wieder von neuem beginnen. 262