( *353 ) sis anlegt, ohne die kreisförmigen Faden, wel ­ che ihr Rad ausmachen, hinzuzuthun. Dieß ist eine Vorbedeutung, daß ein heftiger Wind nimmer ferne sey, aber spätestens in iO bis 12 Stunden sich wieder legen werde. Oder 3) sie lichtet und zerreißet plötzlich ein Vier ­ tel oder ein Drittel ihres Gewebes, um dein Luftstrome freyen Durchgang zu verschaffen, und wenigstens die Grundpfeiler ihres Gewebes vor Zerstörung zu sichern, und kriecht dann in ih ­ ren Schlupfwinkel. Diese Aeußerung zeigt uus an, daß nur ein vorübergehender Sturmwind erfolgen, und die vorige heitere Witterung bald wieder zurückkehren werde. d) Von der Kälte. Wenn uns die Spinnen schönes und heite ­ res Wetter ankündigen, so zeigen sie damit zugleich an, daß es warm seyn wird. Es bleibt uns also noch übrig, zum Voraus zu wissen, ob und wann in den Wintermonaten Kalte oder Thauwctter einfallen wird. Auch in diesem Stücke dienen uns die Spinnen als _ bte besten Prophetinnen, und zwar jene, wel ­ che ich oben Wintcrspinnen genannt habe. Es giebt aber zwei Arten von Winterspinncn, oder vielmehr zwei in den Wintcrspinnen wohl zu unterscheidende Arten von Aeußerungen und Thätigkeiten. Die eine Art Spinnen beschrän ­ ket sich darauf, der, während des vorherigen Sommers vollendeten Gewebe sich zu bemäch ­ tigen; da es dann bei dem Eintritte des Win ­ ters rasende Kriege unter ihnen giebt, die keine andere Absicht haben, als die, zu entscheiden, welche aus ihnen in den: Besitze des bcstgele- genen Gewebes bleiben soll; die tapferste und stärkste erhält es. Eine andere Art, welcher ohne Zweifel die Benennung Winterspinne vor ­ zugsweise gebührt, ist diejenige, die sich nicht darauf beschränkt, sich schon fertiger Gewebe zu bemächtigen, sondern die sich selbst ein Gewebe spinnet, und zwar jedesmal ein neues, bei jedem neuen Anschuß von Kälte, wie im Som ­ mer bei jedem neuen Anstammen von Hitze: ja beim Herannahen eines beträchtlichen Ueber- gangcs von Thauwettcr zur trocknen Kälte, spinnen sie oft drei Gewebe über einander. Man merke vor allen, daß unter den'sogenann ­ ten Wintcrspinnen nur die W i n k e l sp i n n e n begriffen sind, deren einige, und zwar nur sehr- wenige, in unsern Zimmern, Kammern oder Ställen überwintern. Bei Beobachtung dersel ­ ben hat der Landwirth nur auf folgende zwei Aeußerungen zu sehen. i) Wenn die Winkelspinnen der ersten Art zur Winterszeit sehr geschäftig sind, hin und her rennen, kühn'mit einander kämpfen, und von fertigen Geweben Besitz nehmen, so nähert sich dic Kälte. L) Wenn die Winkelspinnen der zweiten Art neue Gewebe verfertigen, oder wohl gar meh ­ rere Gewebe über einander spinnen, so deuten sie uns dadurch an, daß eine heftige Kälte und Eis eintreten werde, und zwar gewöhnlich nach neun, längstens zwölf Tagen. Eine Bestätigung von der Richtigkeit dieser Ankündigung der Wintcrspinnen hat uns die im vorigen Stück erzählte Eroberung von Hol ­ land geliefert: ich will aber zur mehrer« Be ­ kräftigung noch eine andere Erfahrung Quatre- mcres von dem Winter von 1792 bis 179z an ­ führen. Den ersten Beweis, daß die Winkel ­ spinnen bei der ersten, auf Schnee und Eis zie ­ lenden Kälte- die fertigen Gewebe in Besitz nehmen, hatte Quatremcre schon zu Anfange deS Novembers, den zweiten, Anfangs deS Dezembers »1792, den dritten Beweis im Jän ­ ner 1793. Eine noch angenehmere Erfahrung machte er zu Anfange des Februars. Das Wetter war schön und warm, nicht mehr der geringste Anschein von Kälte war vorhanden; man hätte glauben sollen, sagteer, man könne nun alle Oese» entbehren. Aber am 4ten Fe ­ bruar bemerkte er drei kleine Spinnengewebe, 231