( 1042 ) verlegt ist, nimmt immer mehr an Blühte zu. Die Zahl der Schülerinnen, unter denen sich auch Auswär ­ tige befinden, beläuft sich an 4 ^. Sie sind in drei Klassen vertheilt und werden von fünf Lehrern und zwei Lehrerinnen getrennt, in drei Zimmern unterrichtet. Nur wenige Stunden, z. B. Singen, haben alle drei Klassen zusammen. Die dritte ist ganz Elementarklasse, in der die Kinder bis zum richtigen Lesen, Schreiben der Wörter, Rechnen leichter Beispiele im Kopfe rc. gebracht werden. Ausserdem erlernen sie die ersten Kenntnisse der Naturgeschichte rc. wie auch Stricken, Zeichnen und dergl. In der zweiten Klasse wird auf diesem Grunde fortgebaut und es kommt noch franzö ­ sisch, deutsche Sprache, Ausarbeitung schriftlicher Auf ­ sätze, seineres Stricken, Nähen, Zeichnen rc. hinzu. Die erste Klasse wird in allen diesen.vervollkommnet und so viel als möglich zum Höher» geführt, ausser ­ dem erhalten diese Töchter noch Unterricht in der My ­ thologie und im Sticken. Der Unterricht im Singen Zeschtcht mit Hülfe eines Forte - Piano's. Die erste Rlasse hat wöchentlich 35 Stunden, die zweite 34 und die dritte 31. Ausser den drei Klassenzimmern ist noch ein kleines zur Aufbewahrung der Bibliothek, des Kabinets rc. vorhanden. In dem Hause des Herrn Pastors S ch l a g e r s ist eine Industrieschule angelegt, an welcher, ausser einer bestimmten Lehrerin, noch viele Damen zum Vergnügen, im Stricken, Nähen, Spinnen, Sockenflechten rc. un ­ terrichten. Damit der Geist bei den weiblichen Arbei ­ ten nicht ohne Nahrung bleibe, wird gesungen, erzählt, gerechnet. Sie vermehrt sich so sehr, daß der jetzige Raum binnen Kurzem nicht mehr hinreichen wird, sondern daß auch diese Schule bald in ein größeres Ge ­ bäude verlegt werden muß. Kinder bemittelter Eltern geben jährlich 2 Rthlr. unbemittelte 4 Ggr. Der Un ­ terricht fängt erst nach Endigung der gewöhnlichen. Schulen an; übrigens hängt diese Schule mir der hö- hern Mädchenschule gar nicht zusammen. M. Magdeburg, den 26ten Iunius. Ueber da6 Pädagogium zu Liebensranen. Die so sehr befürchteten Folgen des Krieges sind nun ohne Ruin dieser Anstalt überstanden; sie haben, so hart sie dieselbe auch trafen, doch nicht das Maas der Unerträglichkeit und die ««gemessene Fortdauer be ­ halten, welche man eine Zeitlang fürchten mußte. Freilich gaben dre Preußischen Besitzungen jenseits der Elbe feit geraumer Zeit nicht den geringsten reinen Er ­ trag, da das Unglück der Blokade Magdeburgs und eine unsäglich kostbare Einquartirung wahrend der Fortdauer der Okkupazivn dieser Gegend durch Kaiser!, französische Truppen die Nutzungen garnlich wegnah ­ men. Doch Ersparungen aller Art halfen anet) durch dieses Zeitunglück hindurch. Die Abbezahluug der Kriegskontribuzion und die Realisirung enormer Re ­ quisizione» erforderten Beitrage des in dem Westpha- ' lifchen und in dem Preußischen Antheilen der allen Provinz Magdeburg angesehenen Klosters, welche nur durch sehr bedeutende Anleihen herbeigeschafft wrrden konnten. Aber doch wurde noch zur rechten Zeit die Unmöglichkeit der Aufbringung unerschwinglicher Sum ­ men durch die Vereinigung aller Theile des Königreichs Westphalen zu einer gemeinschaftlichen Reichsschuld, in die Gränzen der Möglichkeit zurückgeführt und so' drückend dann auch für unsere Anstalt auf eine Reihe von Jahren die neuentstandcne Schuldenlast werden und bleiben muß, so kann man cs nun doch übersehen, daß ohne Nachtheil für die Forterhaltung des Instituts ein hinlänglicher Fonds' zur Verzinsung und zurAmor- tisazion der entstandenen Schulden bleibt, und man jetzt nur die weggeschwundene Hoffnung weiterer Mer tlörazionen und fernerer Vervollkommnung der Schul- einrichtnngen aus eigenem Vermögen zu bedauern hat. Bei der Abmessung der Fonds unserer Anstalt darf man aber den jetzt fast zur Gewißheit gewordene Ge ­ danken nicht aus den Augen verlieren, daß nach einiger Zeit die Frequenz auf unserer Schule nach Maasgabe dessen, was dieZeirumstäride unabänderlich herbeifüh ­ ren, nothwendig abnehmen müsse, obgleich diese Fre ­ quenz bis jetzt immer noch im Steigen war. Die Gründe sind folgende. Bisher studirte eine große Menge von jungen Leuten, um in die Kammeralistische Geschäftskarnere mit desto mehrerer Erwartung einzutreten und sich in der Maaße wie man cs wenigstens bei der Prüfung und ersten Ansetzung von einem Preußischen Kammeralisten verlangt, einige Kenntniß ane der wissenschaftlichen Jurisprudenz anzueignen. Die sich zu solchen Ge ­ schäften vorbereitenden Jünglinge wurden daher ver ­ anlaßt, weil sie sich glaubten, den Namen studirter Männer erwerben zu müssen, längere Zeit aus Schu ­ len zu bleiben, bis^ zu dem gewöhnlichen Aller eines Studenten ihren Schulfleis fortzusetzen und sich das Zeugniß der Reife für die Universität zu verdienen, wodurch dann mehr Auöbildnug der Kräfte und mehr Gewöhnung zum Fleiß bewirkt wurde. Von der sehr bedeutenden Anzahl der jungen Leute, welche derselbe» Bestimnrung sich widmen, wird künftig vielleicht nur der kleinere Theil sieh durch Beendigung der Schulkar-