§¿¡3 C 493 ) Nachdem ich in Ueberlegung gcomttmet»; daß aus Hochfürstlichen Landen, besonders hiesi ­ gem Fürstenthum Herßfeld und benachbarten Aemtern, alljährlich eine grosse MengeLei ­ nen Garn (welches zu verarbeiten die im Lande wohnhaffce viele Leineweber gleichwol nicht anreichend sind) durch Hausiren gehende Aufkauffer, mchrenrherls Juden, bekein- zelen Stücken zur Spinne-Zeit alltäglich eingehandelt und zusammen gebracht- nach die ­ sem aber bei vielen Wagens und Rarren voll ausser Landes verführet wird; Eitie solche Ausführe aber dem gemeiner» Wesen, sonderlich den Zünften, am weiften nachtheilig ist. Als habe bey Unsers gnädigsten Fürste,» und Herrn Hochfürstlichen Durchlaucht, wegen Anlegung einer Linnen-Manufaccur allhier in der Stadt Herßfeld, und zwar unter meiner Aufsicht, unterthä»»»gfte Vorstellung und Vorschläge gethan; welche nichts an ­ ders als die Beförderung Ihro Durchlaucht, höchsten Interesse, und damit verknüpftem Wohl Ihro getreuen Unterthanen zum Grunde und wahren Absicht haben, mithin Die Sache so ausgesonnen und eingerichtet, daß niemand im Lande an bisherigen» Gewerbe und viahrung der geringste Abbruch geschiehet, Die Zünfte und Handlung dadurch auch selbst weit mehr wie zuvor in Aufnahme kommen , furnemlich aber dem Armut und vie ­ len VlahrungS - losen Menschen geholfen werde; wie dieses mein gemachter,Entwurf zeiget, und ich hiermit öffentlich versichere. Gleichwie ich nun zu erwünschter gnädigsten Resolution Hoffnung habe, und derselben in tiefster Unterthänigreit entgegen sehe; die schon eingetretene Spinne-Zeit und andere Umstande »nich aber jeno schon nöthigen, auf den Anfang der Garn Herbeischaffung zu Denken; (als in soweit nach Masgabe gnädigster Landes - Ordnung und Zunft-Arti ­ kels-Briefen, mir und jedermann der Handel des Garns auch ohne weiteres Privilegi ­ um oder Dispensation vor der Hand erlaubet und zugestanden ist.) So habe nöthig ge ­ funden , dieses mein Vorhaben urn so getroster hierdurch zur allgemeinen Wissenjchafft zu bringen, als »nich kein Zweifel die Abjagung der Gnade des Landes-Fürsten bei einer so augenscheinlich guten Sache fürchten lässet. Ich bitte und ersuche dannenhero jedermanniglich nach Standes-Gebühr respective hier- ~ mit geziemend: Zu Beförderung dieser Sache gute Hand zu bieten. Und mache anbei bekannt: Daß ich denen Spinnern, u»»d andern, welche Garn verkauffen, das bei den Zünften nicht brauchbar oder überflüssig ist, und doch sonst ausser La;»des gehen würde, solches gegen baare Zahlung m lauffendern Preis, wie es a»»dere bezahlen, und in An ­ sehung, daß sie es hierher in die Scadc bringen, noch etwas theuer abnehmen; Denen Armen, welchen es an Brod fehlet, recht gutes Rorn ( das von erlaubten Green be ­ komme ) um »nöglichft billigen Preis und ohne weiteren Gewinn, als die Unkosten be ­ tragen, davor vertauschen ; Die feiner, vester und gleicher wie gemeines Rauf-Garn gesponnene Gar»»e, auch nicht nur nach ihrer Güte besser und recht wohl bezahlen, son ­ dern auch noch darüber einen guten Willen »nachen, und a!le,»!denen, so sich verfemen Spin ­ nerei befleiffigen, und vorzügliches Garn zum Rauf liefern werden, neben der Bezah ­ lung des Werths noch eewas schenken; Denenjenigen aber, welche vo»» wohl ausgehe ­ cheltem guten weichen Flachs das mehreste und feinste beste Garn spinnen und einbrin ­ gen, zur Ergötzlichkeit vor ihren ausserordentlichen Fleis bis zehn Rthlr. auch noch ein »nehreres geben will. was die Zünfte selbst an feinem Garn, so Sie zur Arbeit, des groben sogenannten Rauf- Tuchs nicht wohl brauchen können, vorräthig oder de,.«nächst übrig haben, davor will ihnei» gröberes, zu ihrer Arbeit besser brauchbares Garn so billig umtausche«», daß sie wohl zufrieden seyn sollen; So könne«» auch die Weber-Meistere, welche Lust haben für »nich um einen billigen Lohn zu arbeiten, sich bei mir melden, und das dazu nöthi ­ ge Garn abholen. Herßfeld, den 9. December, 176z. H. Bilstein. Le-