Herkunft: Die Bruchstücke wurden 1839 durch Zufall im Kurhessischen Archiv entdeckt, das sich damals noch im alten Museumsgebäude in Kassel befand, durch den Archivar Dr. Landau, der sie durch den Bibliothekar Schubart an Jakob Grimm sandte, der als einer der aus Göttingen verbannten verfassungstreuen Sieben sich gerade wieder in Kassel auf- hielt. Grimm stellte fest, daß es sich um eine „in Hessen 1515 jämmerlich zerschnittene" altdeutsche Handschrift handelte. Auf der letzten Seite des zweiten vollständigen Blattes war ein kleiner viereckiger Raum ausgekratzt, in dem Grimm noch die Worte lesen konnte: s Mel singen de Anno S 14 Beredient vff frietag nach triü regün Anno HXVC XVH nÖ ac15O C sdlültll. Heute ist diese Stelle zum großen Teil durch Gallustinktur unlesbar geworden. Die Hand- schrift befand sich also in der Benterei in Melsungen, wo sie im Anfang des 16. Jahrhun- derts zum Einbinden von Rechnungen benutzt wurde. Grimm gab 1840 im Sendschreiben den Text mit 1 Faksimile-Seite, einer Erläuterung der textlichen Herstellung, Erklärun- gen und einem neugriechischen Gedicht heraus, wobei er allerdings Dr. Landau als Ent- decker nicht nennen durfte. Die Landau betreffende Notiz findet sich in dem Sendschrei- ben-Exemplar der Landesbibliothek, in dem auch die Bruchstücke mit eingebunden wurden, auf Seite 6 mit Bleistift von der Hand Direktor Lohmeyers (offenbar nach Aktenkenntnis) ohne Datum hinzugefü-gt. Literatur: Grimm, Jacob: Sendschreiben an Karl Lachmann. Über Reinhard Fuchs. Leipzig: 1840. [Hier der genaue Textabdruck] Heinrichs des Glichezares Beinhart Fuchs, hrsg. von Georg Baesecke. Mit einem Beitrage von Karl Voretzsch. Halle: 1925. (Altdeutsche Textbibl. Nr. 7, 3. AufL}; hier S. XXVIII, Anm. 3. alle weitere einschlägige Einzelliteratur zusammengestellt, 2. Disticha Catonis (mhd) u. a. [Didaktische Sammelhandschrift]: s" M55. philos. s. Beschreibung: Pergt. Hs. Ende des 14. J ahrh. 222 Blätter (13 Lagen zu 5 Bogen mit 9 Schlußblättern und 8 weitere Lagen mit 3 Schlußblättern). Kustoden am Ende der Lagen, zum Teil weg- geschnitten. Blattgröße: 13X9cm, Schriftspiegel: 8,5)(5,5 cm. Durchschnittlich 13 Zei- len. Die Seiten sind einspaltig und rubriziert. Einfache blaue und rote Initialen am An- fange von vier Verszeilen, die fortlaufend wie Prosa geschrieben sind; beim zweiten Vers- paar ist der Anfang nur durch einen roten Strich in der Majuskel gekennzeichnet. Keine Kapitelüberschriften. Mit Filigranstrichelung typisch ornamentierte Initialen mit einfachen Randleisten nur am Anfang der einzelnen Bestandteile der Sammelhandschrift. Einheit- liche, gleichmäßige, sorgfältige Schreiberhand. Schöne große Schrift: gotische Bücher- minuskel des strengen Stiles. Text: Bl.1P beginnt eine mittelhochdeutsch-niederrheinische (mittelfränkische) freie Be- arbeitung des im Mittelalter sehr beliebten und unzählige Male übersetzten spätlateinischen apokryphen Lehrgcdichtes: Disticha Catonis, das man fälschlich einem Dionysius Cato zuschrieb und gelegentlich auch an den Uticensis oder Censorius anknüpfte. Durch den Mönch Columban kam es gegen Ende des 6. Jahrhunderts nach Deutschland. Der vor- liegende Text entspricht im allgemeinen (abgesehen von mancherlei sprachlichen Lesarten- Abweichungen) dem von Graffunder 1897 nach einer Wolfenbütteler und zwei Berliner