reichte. Wenn Duncker (a. a. O. 1881, S. 29) die Richtigkeit der Angaben in dem Epigramm bezweifelte und meinte, daß nach der Form der Buchstaben der Codex eher dem Ende des 11. Jahrh. oder dem Anfange des 12. Jahrh. angehöre, so fehlt zu diesem Mißtrauen jeder Anlaß. Jedenfalls kann er sich nicht auf den dem Codex auf dem vorderen Innendeckel eingeklebten Papierzettel mit einer Notiz aus dem 17. Jahrh. stützen, wonach die Hand- Schrift 1064 geschrieben sei. Diese Angabe beruhte offenbar, wie schon Brunner vermutete, auf einem Irrtum. Der späte Interpret hatte falsch addiert und das „Bis trino" als zwei- mal dreißig gezählt. Das zweite Epigramm: Sigfridus Nlonachus, Äbbas dehinc Prazsul et Exul. Bis quafer Vndenis: quatuor minus, addifo mille Cazsaribus lenis rszlegatur Episcopus ille. Fulda docet: Celebrat Moguntina: claudit Hasunga. ist vielleicht ein Epitaphium für den zweiten Gründer des Benediktinerklosters Hasungen, für Siegfried von Eppenstein (T 1084), der es 1074 nach der in Hofgeismar ausgestellten Urkunde im Clugnyschen Geiste erneuerte und mit den nötigen Gütern ausstattete (vgl. Böhmer-Will, Regesta archiepisc. Maguntinensium 1877. XXII. 107). Er war Mönch, Abt zu Fulda, dann Fürst und Entthronter, königliche Gunst verlor er eine nach der andern allmählich, so ist er 1084 in Erfurt gestorben und in Heimerads Gruft zu Hasungen bei- gesetzt. Fulda hat ihn erzogen, Mainz ihn zum Erzbischof erhöht, in Hasungen fand er letzte Ruhe. (Vgl. Schlereth, Kloster Hasungen in: Zeitschr. f. hess. Gesch. 3 (1843) S. 137 ff., insbesondere S. 153.) Geschichte und philologische Bedeutung: Das Manuskript wurde 1767 bei F. Chr. Schmincke (Versuch S. 208) mit Zitat der Schlußverse und Datierung auf 1064 erwähnt und ähnlich bei Hirsching (Bibliotheken 2, 2. S. 246) mit aufgezählt. Sonst hat unter den zahlreichen vorhandenen Statius-Handschriften die Kasseler nur eine bescheidene Rolle bei der Textgestaltung gespielt, wenn auch K. Friedr. Weber, der sie als erster 1853 in einer akademischen Festschrift eingehend behandelte, meinte: „liber Hasungensis, in optimos Thebaidos manuscriptos referendus" (8.21). Die spätere Forschung hat diese Begeisterung nicht geteilt. Die Ausgabe von O. Müller (1870) zählt den Codex nur unter den andern S. X einfach mit auf und benutzte ihn mit für die Lesarten. Genauer befaßte sich mit ihm Klotz (1908) S. XXV und LXXVIII, der das Ver- hältnis der Handschriften zu einander auch im Einzelnen zu klären suchte. Herkunft: Das für die Entstehung herangezogene Epigramm wies nach Kloster Hasungen. Nach Weber (5.4 Anm. 28) und Duncker (a. a. O. S. 29) gibt es im Marburger Archiv (früher in Kassel) ein Verzeichnis, nach dem die Hasunger Klosterbibliothek einige hun- dert Bände enthielt. Weber meinte, daß von Kasseler Codices auch noch eine Rhetorica Ciceros und eine Ausgabe des Donat dazu gehörten, die aber Duncker überzeugend als Fuldenses nachweisen konnte. (Vgl. Rhein. Museum f. Philol. N. F. 36. 1881. S. 155.) 1528 hat Landgraf Philipp Kloster Hasungen, von dem heute nur noch ein paar Ruinenreste stehen, säkularisiert. Damals kam der Statius-Band wohl in die fürstlich-hessische Privat- bibliothek, aus der er dann nach Gründung der Landesbibliothek dieser überwiesen wurde. Wie der weiße Schweinsledereinband mit Rollenpressung und grünem Schnitt (mit Auf-