Herkunft: Kopp (g 331) und Sickel (Sitzungsber.) vermuteten, daß das Manuskript wahrschein- lich aus der Fuldaer Klosterbibliothek der Benediktiner stamme. Schmitz (Beitr. S. 183 und Comment. S. 5) nahm diese Herkunft „vielmehr als sicher" an. Sickel führte in einer Anmerkung für Fulda ein immerhin beachtliches, wenn auch nicht Ausschlag gehendes Moment an. Er machte auf eine von Kopp nicht erwähnte schwer lesbare Notiz in angel- sächsischer Minuskel aufmerksam, bei der es sich nach Schmitz (S. 182) um eine Auslassung über den Ursprung der Noten handelt, und fügte hinzu: „Solche Notizen in ags. Minuskel haben nun auf den Vorblättern die meisten der Handschriften, welche schon im 9. Jahrhun- dert der Fuldaer Bibliothek gehörten und speziell scheint es mir ein und dieselbe Hand zu sein, welche dem Lexicon Tironianum diese Bemerkung vorgeschrieben hat und welche andere entschieden aus Fulda stammende Codices in ähnlicher Weise bezeichnet hat." Demgegenüber verfocht A. Duncker (a. a. O. S. 222 f.) die These, daß die Handschrift mit den Beständen der jüngeren Palatina, der pfälzischen Erbschaft 1686 von Heidelberg nach Kassel gekommen sei. Er stützt sich offenbar dabei auf Lorenz Begers Verzeichnis, das unter lit. Z in 2 o Nr. 32 Notae Senecae aufführt. Wenn diese Behauptung bei der Flüchtig- keit und Unvollständigkeit der Begerschen Angaben auch nicht ohne weiteres überzeugt, hat sie doch die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Literatur: Kopp, Ulrich Friedr.: Palaeographia critica Bd.1 (Mannheim: 1817) ä 330 ff.p.294 sqq. Sickel, Th.: in Sitzungsberichte d. Wiener Akademie d. Wiss. phiL-hist. Klasse 38 (1861), S.6ff. Sickel, Th.: Acta reg. et imper. Karol. Urkunden der Karolinger Th. 1 (1867), 8.329 bis 339. Schmitz, Wilh.: Beiträge zur latein. Sprach- und Literaturkunde. 1877. S. 181 ff. Schmitz, Wilh.: Studien zu den Tironischen Noten (in Festschrift 34. Versammlung dt.Philol0gen und Schulmänner zu Trier). 1879. S. 53-68. Zangemeister, Karl: in Neue Heidelberger Jahrbiicher 2. (1892) S.2. Commentarii notarum Tironiarum ed Guil. Schmitz. 1893. Die Kasseler Handschrift der Tironischen Noten samt Ergänzung aus der Wolfenbütteler Handschrift, hrsg. von Ferd.Rueß [Faksimile]. Leipzig und Berlin 1914. Vgl. dazu die Besprechung von W.Wein- berger in: Philol. Wochenschrift 1915, Nr. 29. Rueß, Ferd.: Ausführungen zum Tironischen Schriftwesen. (Beigabe z. Jahresbericht des K. Luitpoldgym. München 1916[17.) 1917. Außerdem vgl. für die weiteren allgemeinen Literaturnachweise: M. Schanz, Gesch, d. röm. Lit. T1. 1. 4. Aufl. von Carl Hosius 1927. S. 590 H. (Handb. d. klass.Altertumswiss. 8.) 5. Flavius Iosephus De bello Judaico (lat): 20 Mss. theol.65. Beschreibung: Pergt. Hs. 6. Jahrh. 158 Blätter. Blattgröße: 27,5 X 20,5 cm, Schriftspiegel: 23,5 X 16,5 cm. Durchschnittlich 36 Zeilen auf der Seite. Die Schrift ist (nach P. Lehmann) eine wunderschöne Halbunciale der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts mit Korrekturen in früher festländischer und in angelsächsischer Kursive, welch letztere von Bonifatius selbst oder aus seiner Sphäre stammt. Die kursiven Notizen hat Lehmann später dann noch ge- nauer auf 617. Jahrhundert und die insularen Korrekturen auf 819. Jahrhundert datiert. Das Pergament ist sehr dünn und teilweise bereits schon einmal benutzt. Die frühere Schrift ist vollständig entfernt. Eine Reihe von Blättern zeigt geringen Substanzverlust.