winnen, so daß in diesem Kreis nur die Universitäten Heidelberg und München - bis heute - fehlen. Von den übrigen bekommt die Landesbibliothek seitdem die -in ihr Arbeitsgebiet fallenden Dissertationen, Habilitationsschriften usw. - sie liefert ihnen da- für die Veröffentlichungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, sowie des Vereins für Naturkunde, die diese als Gegenleistung für die Überlassung der Räume in der erforderlichen Anzahl bereitstellen. ' Diese besonderen Erwerbungen, denen sich zahlreiche kleinere ähnlicher Art an- schließen, haben in Verbindung mit dem regelmäßigen Zuwachs der Landesbibliothek gerade in den letzten eineinhalb Jahrzehnten der Not eine beachtliche Vergrößerung ge- bracht: bei Ausbruch des Krieges enthielt die Bibliothek rund 260 000 Bände - am 20. November 1930 ist deren Zahl auf rund 337 000 gewachsen. Daß die von der Neueinrichtung erwartete Hebung des Besuchs und der Benutzung tatsächlich eintreten würde, zeigten schon die beiden Jahre 1913 und 1914. Wenn sich auch der Verkehr des Jahres 1913 z. T. noch in den alten Räumen abspielte und außerdem die Bibliothek des Umbaues wegen 8 NVochen geschlossen war, so muß für 1914 der Rück- gang durch den Kriegsausbruch in wohl annähernd gleichem Umfang in Ansatz gebracht werden - es stehen also den 12 600 Personen, die 1913 rund 14 200 Bände benutzten, in 1914 rund 19 200 Personen mit einer Benutzung von 9600 Bänden gegenüber. Für die Nachkriegszeit lassen sich infolge einer Veränderung der statistischen Grundlagen erst die seit 1926 festgestellten Zahlen miteinander vergleichen. Die 27 260 Besucher, die im Jahr 1926 17 500 Bände benutzten, wurden nach regelmäßiger Steigerung im Jahre 1929 zu 35 583 Besuchern mit einer Gesamtbenutzung von 36 900 Bänden. Besonders bemerkens- wert und erfreulich ist es, daß die in der Ausleihe - nur da ist es aus technischen Gründen möglich - aus der Gesamtzahl der Benutzer herausgeschälte Zahl der physischen Per- sonen in stetigem Wachsen begriffen ist- den 1374 physischen Personen des Jahres 1926 stehen 1697 für 1929 gegenüber. Eine aus der Not der Zeit geborene, aber in ihrer Auswirkung stark überschätzte Neuerung ist die Einführung von Leih- und Benutzungsgebühren, die im Jahre 1920 vom Magistrat der Stadt Kassel angeregt, nach Gewinnung der für die Beurteilung notwendigen statistischen Unterlagen am 1. Oktober 1922 in Kraft gesetzt wurden. Sie haben zwar den zunächst erwarteten Rückgang in der Benutzung nicht gebracht, haben aber auch infolge der in steigendem Maß aus allgemeinen wie aus persönlichen Gründen vorzunehmenden Befreiungen das erstrebte Ergebnis - einen namhaften Zuschuß zu den Unterhaltskosten zu liefern -- nicht herbeiführen können. So vermag die Landesbibliothek am Ende einer 350jährigen Entwicklung die ihr gestellte Aufgabe in erfreulichem Umfang zu erfüllen; beachtenswerte, auf dreieinhalb Jahrhunderten stetiger Arbeit beruhende innere Kraft ermöglicht in wachsendem Maß gedeihliche Auswirkung nicht nur für die Stadt Kassel, sondern für das gesamte Gebiet des ehemaligen Kurhessens, dem sie als einer der Brennpunkte ernster wissenschaftlicher Bildungs- und Forschungsarbeit zu dienen berufen und in der Lage ist. Gewollte Grund- legung und geschichtliche Entwicklung hat ihr einen scharf ausgeprägten Charakter ge- geben; ehrwürdig, aber keineswegs gealtert ist sie innerlich beweglich genug, die geistigen Wandlungen der Zeit zu erfassen und ihnen vorarbeitend und stützend das literarische Rüstzeug zu bieten. So wird sie, wenn ihr die äußeren Voraussetzungen nicht versagt werden, in Zukunft bleiben, was sie in der Vergangenheit gewesen ist: der Ausgangspunkt heimatkundlicher Forschungsarbeit, ein Mittelpunkt wissenschaftlichen Strebens im ehe- mal-igen Kurhessen. 104