5. Geographie, Ethnographie und wissenschaftliche Reisebeschreibungen; 6. Naturwissen- schaften; 7. Nationalökonomie und Statistik, Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Literatur m). Dieser Bibliotheks-Ordnung folgte am 29. Dezember 1888 eine Dienstanweisung für die Beamten, die am 1.Januar 1889 in Kraft trat und den Bibliothekaren insofern entgegenkam, als sie ihre Dienststunden auf vormittags 10-1 Uhr beschränkte; am Nach- mittag hatten während der Öffnungsstunden des Lesesaals der Sekretär und der Assistent anwesend zu sein. Neu und begrüßenswert war die Einführung der jährlichen Revision, die auf Schubarts Betreiben wohl schon seit Jahren vorgenommen wurde, aber nicht als Pflicht festgelegt war. Daß sie nun regelmäßig durchgeführt werden mußte, war ein bedeutsamer Vorteil für die Bibliothek wie für ihre Beamten - denn „nur dadurch erlangt man die Gewißheit über die Integrität der Bibliothek, und, was ich fast noch höher an- schlage, es ist das beste Mittel, mit den Büchern selbst Bekanntschaft zu machen" (Schu- bart)163). Die Anschaffungen waren nun auf Grund gemeinsamer Beratung der beiden Bibliothekare vorzunehmen; ergaben sich dabei nicht auszugleichende Meinungsverschie- denheiten, so war der Landes-Direktor zur Entscheidung berufen. Die Leitung der Bibliothek wies diese Dienstanweisung der „Direktion" zu, der die beiden Bibliothekare angehörte-n und zu der der Sekretär zur Führung der Sekretariats- geschäfte mit beratender Stimme hinzutrat. Die Geschäftsführung der Direktion war Sache des 1. Bibliothekars, der gegebenen Falls durch den 2. Bibliothekar vertreten wurde 1'"). In dieser Bestimmung lag eine einschneidende Änderung. Wenn auch die bisherige Ordnung von einer „Direktion" sprach, so wurde diese aber stets „dem 1. Bibliothekar über- tragen", der also bisher selbständig zu handeln befugt, nun aber in jedem Fall an die Zustimmung seines Amtsgenossen gebunden war. Die damit ausgesprochene Teilung der Leitung war schon einmal, von 1875 bis 1881, geltendes Recht gewesen; mit Ausnahme dieser wenigen Jahre war die Bibliothek stets von ein e m verantwortlichen Bibliothekar geleitet worden. Daß Schubart 1851 zum „Mitglied der Direktion" ernannt wurde, hatte in den besonderen Verhältnissen jener Zeit seinen Grund: die Oberleitung hatte als Direk- tor im Nebenamt Rommel; Bernhardi war durch seine parlamentarische Tätigkeit monate- lang behindert, und so hatte man, um dieiGeschäftsführun-g sicherzustellen, zu diesem Aus- hilfsmittel gegriffen. Nach Bernhardis Tod war die tatsächliche Leitung der Bibliothek, da Schubart in hohem Grad schwerhörig war, dem neuernannten Bibliothekar Groß zugefallen, und es war allein die Rücksicht auf den im Amte bewährten und ergrauten Schubart, die diese Teilung der Direktion bis zu Schubarts Rücktritt fortbestehen ließ. Am 2. November 1881 hatte dann der Landesaussehuß die Direktion wieder ausschließlich dem 1. Bibliothekar übertragen. Durch die nun festgelegte Neuordnung wurde diesem die selbsttätige und verantwortliche Leitung genommen; es kam dadurch eine höchst bedenk- liche Schwerfälligkeit in die Führung der Geschäfte, da der 1.Bibliothekar bei mangeln- der Zustimmung des 2. nicht handeln konnte, sondern den Landes-Direktor um Entschei- dung angehen mußte. Es war also durchaus berechtigt, daß der dz. 1. Bibliothekar Loh- meyer am 30. Januar 1889 die Aufhebung dieser Bestimmung beantragte 165); Erfolg hat er damit nicht gehabt - die aus den beiden Bibliothekaren bestehende Direktion blieb für die nächsten 21k Jahrzehnte in Kraft und hat sich - im ganzen gesehen - tatsächlich als eine Hemmung für eine gedeihliche Führung der Geschäfte erwiesen. 162) A. L. B. Die Bibliotheks-Ordnung. I, 2. 163) A. L. B. II, 17. 164) A. L. B. A 1. XIII. 165) A. L. B. A 1 XIV. 13 97