Diese Vorschriften sind von Bernhardi offensichtlich auf Grund der Instruktionen früherer Jahrzehnte und der Verwaltungspraxis, die sich allmählich herausgebildet hatte, zusammengestellt worden; das Ministerium hatte nichts zu erinnern, und so sind sie durch diese Vorlage in dieser Form Gesetz geworden, obwohl sie an mehreren Punkten hätten bestimmter gefaßt werden können. Mit den recht dehnbaren Vorschriften über das Ent- leihen und Zurückgeben der Bücher ist denn offenbar auch Mißbrauch getrieben worden. Die Bibliothek dachte deshalb an die Einführung eines Mahnverfahrens in der Weise, daß dem Pedell für Übermittlung der Mahnung eine Gebühr von etwa einem Groschen zuge- billigt werden könnte. Das Ministerium war aber für schärfere Maßnahmen und verfügte am 10. März 1837: „In den Fällen, wo die Herausgabe eines ausgeliehenen Buches der Mah- nung ungeachtet nicht erfolgt, ist sofort der Staatsanwalt zur Anstellung gerichtlicher Klage gegen den Inhaber des Buches zu instruiren, wofür das im Gesetz vom 18. Oktober 1834 für minderwichtige Rechtsstreite vorgeschriebene abgekürzte Verfahren eintritt." Die Bibliothek hat aber von dieser Ermächtigung offenbar jahrelang keinen Gebrauch gemacht; denn erst am 16. Oktober 1848 wird sie vom Staatsanwalt, d. h. von dem Rechtsan- walt, den der Staat dauernd mit der Führung seiner Prozesse beauftragt hatte, darüber aufgeklärt, daß nur sehr wenige der Quittungen, die von den Benutzern ohne vorge- schriebene Formel ausgestellt wurden, zur Erhebung einer Klage ausreichten. Nun ging die Bibliothek dazu über, den Wortlaut der Quittungen den Benutzern in Vordrucken zur Verfügung zu stellen. Die Erweiterung des Kreises der zur Benutzung Berechtigten und die entgegen- kommende Handhabung der Vorschriften brachte der Bibliothek Besucher, denen es weni- ger um ernsthafte wissenschaftliche Arbeit als um Befriedigung des primitivsten Lese- bedürfnisses zu tun war. Dabei verfuhren diese Benutzer nach einem Bericht Schubarts vom 23. August 1848 derart rücksichtslos, daß sie mehrere gewünschte Bücher nicht auf einmal, sondern nach und nach verlangten und somit die Beamten zwangen, unausgesetzt zwischen der Ausleihestelle und dem Büchersaal unterwegs zu sein. Dazu paßte, daß zahl- reiche Benutzer das Arbeitszimmer zur Unterhaltung mißbrauchten und die wissenschaft- lich Arbeitenden störten. Abhilfe sah Schubart in der Einführung der Vorausbestellung, wobei die Möglichkeit, zugunsten ernsthafter Benutzer Ausnahmen zu machen, offen bleiben konnte. Das unnötige Sprechen im Lesesaal mußte durch ein entsprechendes Verbot abgestellt werden 145). Diese Klagen Schubarts sind ganz allgemein gehalten und machen den Eindruck, als ob sie auf längerer Erfahrung beruhten und nicht etwa in der Unruhe des Jahres 1848 ihre Begründung hätten. Jedenfalls erkannte sie Rommel als berechtigt an und stimmte der Einführung der vorgeschlagenen schärferen Bestimmungen zu. Dazu gehörte auch die Erschwerung des Zutritts zum Büchersaal, um auch hierdurch die Kräfte der Beamten für ihre eigentlichen Aufgaben freizumachen und die Aufrechterhaltung der Ordnung zu erleichtern. Die Übernahme der Bibliothek in das Eigentum des Staates veranlaßte Rommel, am 19.0ktober 1831 die Regelung der Besoldung der Bibliotheksbeamten anzuregen und deren Einreihung in die allgemeinen Grundsätze zu beantragen. Er hatte dazu um so mehr Ver- anlassung, als die Gehälter zunächst herabgesetzt worden waren - während der Hofetat zuletzt den Direktor mit 1000 Rthlr., den Bibliothekar mit 700 Rthlr. und den Sekretär mit 400 Rthlr. bedacht hatte, sah der Staats-Haushalt für 1831 entsprechend nur 100, 600 und 250 Rthlr. vor. Die Erläuterungen stellten fest, daß durch die Vereinigung der Leitung von 145) A. L. B. 11,2. 88