meinen vier Wänden. Trauer über das so große menschliche Elend -- Trauer über Für- sten und Vaterland will mich nicht verlassen. Wahrscheinlich erliege ich darunter, bei allem philosophischen und religiösen Sinne, wo auch mich Dunkelheit der fürchterlichsten Verwirrungen umgibt und stutzig macht; l- man lese doch Spaltings Bestimmung des Menschen, Lpz. 1768, S. 49 u. ff); aber dann wird es mir jedoch jenseits auch klar Werden, wie es möglich ist, daß so ganz unbedingt Satan unter der Menschheit hier auf Erden wüthet." m) 8. Die Fremdherrschaft. Mit der Errichtung des Königreichs Westfalen begann auch für die Bibliothek eine Zeit schwerer Bedrängnis, die sich nicht etwa darin erschöpfte, daß die Bibliothek die finanzielle Not, an der diese willkürliche Schöpfung Napoleons zeit ihres Bestehens litt, in ihrem ganzen Umfang mitzutragen gezwungen war. Immerhin lastete als schwerer Druck auf der Bibliothek, daß sie nach zweieinhalb Jahrzehnten ruhiger, stetiger Ent- wicklung, in denen ein sichergestellter, wiederholt erhöhter Anschaffungsfonds eine ziel- bewußte Fortführung der Bestände ermöglicht hatte, sich nun wieder ganz ins Ungewisse gestellt sah, daß sie alle Anstrengungen machen mußte, um wenigstens den Bezug der Fortsetzungen zu ermöglichen und nicht auch hier wie in den Neuerscheinungen empfind- liche Lücken entstehen zu lassen. Daß im Übergangsjahr 1807, in dem die staatliche Verwaltung nur notdürftig aufrechterhalten wurde, der Bibliothek keine Mittel für Bücher- kauf bewilligt wurden, war unvermeidlich und mußte hingenommen werden. Die 50 Rthlr., die Strieder nach wiederholtem Drängen als Abschlagszahlung verwilligt worden waren, hatten nicht einmal ausgereicht, um den Lohn des Aufwärters zu bezahlen. Erst im Juni 1808 wurde erstmalig wieder eine Summe von 287 Rthlr. 1 alb 4 hlr. angewiesen, um die unabweisbaren Fortsetzungen zweier Jahre zu bezahlen. Mit dem Jahre 1809 setzte eine Besserung insofern ein, als nun wenigstens halbjährlich auf Grund der eingereichten Rech- nungen Zahlungen geleistet wurden; die Anforderungen für Bücherankäufe beliefen sich in dem noch folgenden J ahrfünft auf durchschnittlich 1200 Fr. im Jahr - es bedarf kaum der Durchsicht der Rechnungen, um zu erkennen, daß für einen solchen Betrag nur das Allernotwendigste beschafft werden, und daß von einer Fortführung der Bibliothek auf der aus hessischen Zeiten gewohnten Linie keine Rede sein konnte. Die darin liegende, nach Lage der Dinge unvermeidliche Schädigung der Buchhändler und Buchbinder der Stadt wurde dadurch noch gesteigert, daß Neuerscheinungen, soweit solche überhaupt angeschafft wurden, meist durch den französischen Buchhandel, besonders in Straßburg, bezogen werden mußten. Von einem festen Jahresverlag, in dem allein die Stetigkeit der Entwicklung ruht, wurde gar nicht gesprochen; Völkel, der nach Strieders Abgang die Leitung der Bibliothek und des Museums übernommen hatte, hat - soweit die Akten darüber Auskunft geben - gar keinen Versuch gemacht, wieder zu einem festen An- schaffungsfonds zu kommen. Ein solcher Antrag wäre bei der finanziellen Unsicherheit des Staates, dessen knappe Mittel zudem für andere Zwecke übermäßig in Anspruch ge- nommen wurden, auch vollkommen aussichtslos gewesen. Empfindlicher noch war es für die Bibliothek, daß sie durch die Maßnahmen der neuen Machthaber um jede Wirkungsmöglichkeit, die eben erst erkämpft worden war, gebracht wurde. Die von Napoleon ernannten vorläufigen Regenten Beugnot und Sime'on, 103) Zeitschrift für hessische Geschichte, Bd. 5, 1850, 8.343. 59