stieg, lag hier eine Ungleichmäßigkeit in der tatsächlichen Besoldung vor, die von den wissenschaftlichen Beamten nur schwer ertragen werden konnte. Sie wandten sich daher in einer gemeinsamen Eingabe - von der Bibliothek waren Strieder und Völkel beteiligt - durch Vermittlung von Veltheim an den Landgrafen und baten um anderweitige Regelung. Diese wurde von Veltheim auf Grund landgräflicher Ermächtigung am 5. November dahin getroffen, daß zunächst 60 Rthlr. zugunsten der Bibliotheks-Kasse abgezogen, der Rest nach einem sorgsam ausgeklügelten Schlüssel unter die sämtlichen Beamten verteilt wer- den sollte: der höchste Anteil mit "im fiel dem Pedell des Museums zu, die übrigen schwank- ten zwischen ßlwo für die Leiter der verschiedenen Sammlungen bis 31100 für den Aufwärter der Bibliothek. Verschiedene Versuche des dz. Pedellen, Inspektor Döring, zu einer Wie- derherstellung der ursprünglichen, ihm so günstigen Verhältnisse zu gelangen, blieben ohne Erfolg - er mußte sich damit abfinden, daß er diese Nebeneinnahmen mit den übrigen Beamten zu teilen hatte. Diese Regelung blieb bis zum Jahre 1824 bestehen; von da an wurden zunächst je V4 für die Hofkasse und die Bibliothek, die verbleibende Hälfte für das Personal des Museums festgelegt. Erneute Vorstellungen führten dazu, daß dieser im Grunde unwürdige Zustand aufgehoben und auch diese Hälfte bei Neuanstellungen nach und nach eingezogen wurde. Schmerzlich war, daß die 60 Rthlr., die der Bibliothek zugewiesen und bis dahin als Sondereinnahme zugunsten des Anschaffungsfonds verbucht worden waren, vom 14. April 1827 an in diesen verrechnet werden mußten, da sie „nur mit zur Deckung des Bibliotheks-Verlags, aber nicht zur Erhöhung desselben bestimmt" seienmß). Die Katastrophe vom November 1806 brachte auch die Bibliothek in eine höchst schwierige Lage, zunächst freilich nur dadurch, daß in der allgemeinen Unruhe niemand daran dachte, der Bibliothek die Mittel zukommen zu lassen, deren sie bedurfte, um wenig- stens den laufenden Verpflichtungen zu genügen. Strieder erbat am 1. Mai 1807 von der Oberrentkammer die Auszahlung eines Vorschusses von 400 Rthlr., um wenigstens die Fortsetzungen beschaffen und bezahlen zu können; auch ihm erschien es selbstverständ- lieh, daß man in dieser Zeit nicht daran denken könne, neue Bücher zu kaufen. Die Ober- rentkammer war aber nicht geneigt, in diesem Augenblick überhaupt noch Zahlungsan- weisungen zu geben, und stellte Strieder anheim, weiter zu „sollicitiren" - bei wem, sollte sich bald zeigen, als wenige Tage später die französische Regierung eingerichtet wurde. Sofort, schon am 19.Mai, richtete Strieder dasselbe Ansuchen an das französiche Gouvernement, bekam aber am 23. Mai den lakonischen Bescheid: „Beruhetß Am 16. Juni wiederholte er in dringlicher Form sein Verlangen, da Buchhändler und Buchbinder be- zahlt werden mußten, außerdem die Vergütung des Aufwärters wöchentlich zu zahlen war und er sie bisher aus eigener Tasche vorgelegt hatte - eine Abschlagszahlung von 50 Rthlr., die nach 3 Wochen, am 4. Juli bewilligt wurde, war der ganze Erfolg 102). Strieder, der ohnehin eine tiefe Abneigung gegen alles französische Wesen - nicht zuletzt wohl auch als Folge seiner Erfahrungen mit Luchet - im Herzen trug, ließ sich an diesem Vorgang genügen; er war sich klar darüber, daß ihm für die nächste Zukunft eine Möglichkeit zum ersprießlichen Wirken nicht gegeben sei, und kam deshalb Ende 1807 um seinen Abschied ein, der ihm unter Zubilligung einer Pension von 600 Rthlr. genehmigt wurde. Er zog sich in seine Wohnung zurück, die er, um keinem Franzosen in Kassels Straßen begegnen zu müssen, erst nach deren endgültigem Abzug wieder verließ. Wie es ihm in dieser seiner freiwilligen Abgeschlossenheit zu Mute war, zeigen einige Sätze, die er damals schrieb: „Da sitze ich dann nun in regno vegetabili, und halte mich stets in 101a) A. L. B. m, 10. 102) A. L. B. I ,ll. 58