Die sich häufig wiederholende und mehrfach recht beträchtliche Vermehrung der Doppelstücke hatte schon wiederholt die Aufmerksamkeit der Universitätsbibliotheken in Marburg und Rinteln erregt und sie veranlaßt, um deren Überlassung nachzusuchen. Dieses Verlangen war für die Marburger Bibliothek letztmalig am 30. Januar 1772 durch den Deputierten der Universität bei den Landständen, den Professor der Rechte Aemilius Ludwig Hombergk erhoben, aber mit der Entscheidung „Beruhet biß die neue Bibliothec eingerichtet ist" erledigt worden. Zwei Jahrzehnte später, Ende 1792, kam der Professor der Philosophie und Bibliothekar Johannes Bering erneut um „Verabfolgung der Doublet- tenm ein und fand diesmal bereitwilliges Entgegenkommen sowohl bei den Bibliothekaren, vor allem bei Strieder, als auch bei dem Landgrafen selbst. Strieder machte freilich in seiner gutachtlichen Äußerung insofern eine Einschränkung, als er sich gegen die Abgabe aller vorhandenen Doppelstücke aussprach und nur die zu überlassen empfahl, die in Mar- burg wirklich fehlten. Dies konnte um so leichter geschehen, als Bering bei seiner letzten Anwesenheit in Kassel (wann das war, wird nicht gesagt) den Dubletten-Katalog durch- gearbeitet und sich vor allem diejenigen Werke angemerkt hatte, die in Marburg nicht vorhanden waren. So wurde denn auch verfahren; nachdem der Landgraf am 17. Januar 1793 die Überlassung genehmigt hatte, wurden vom 23. März bis 5. September nach und nach in 13 großen Kisten insgesamt 1100 Werke mit 1500 Bänden nach Marburg verbracht. Es war ein recht bedeutsamer Zuwachs, den die Marburger Universitätsbibliothek damit erfuhr - bedeutsam nicht nur wegen der hohen Zahl der überlassenen Werke, sondern vor allem wegen ihres Wertes. Befanden sich doch unter ihnen Werke aus der Fuldaer Jesuitenbibliothek wie aus der Pfälzer Erbschaft, und wiederholt findet sich schon in dem Verzeichnis der Vermerk: liber rarus! 1"") , Wenn Veltheim übrigens in den Verhandlungen über das Marburger Ansuchen, die zwischen ihm und den Bibliothekaren wie immer schriftlich geführt wurden, Bericht darüber verlangt, „wie weit das bereits vorlängst angefangene Aussuchen und genaues Bestimmen der würklichen Doubletten gediehen sey, ob ein richtiger Catalogus darüber aufgestellt sey", und wenn er sich weiter darauf bezieht, daß an Strieder „schon vor ge- raumer Zeit der Befehl zur Absonderung der Doubletten ergangen" sei, so konnte ihm Strieder entgegenhalten, daß ihm von einem solchen Befehl nichts bekannt sei, daß aber eine weitere Aussonderung von Doppelstücken gar nicht in Betracht komme, da dies schon immer von Fall zu Fall geschehen und auch ein vollständiger Katalog darüber vorhan- den war. Sehr viel bescheidener -- sowohl nach der Zahl der überlassenen Bände als nach deren Wert - fiel die auf Schminckes Anregung nun auch nach Rinteln erfolgte Über- Weisung von Doppelstücken aus: am 9. September 1795 wurden 60 Werke mit 77 Bänden dorthin abgeschickt 1'"). In den Instruktionen für die Bibliothekare wurde regelmäßig darauf hingewiesen, daß sie den Fremden, die das Museum und die Bibliothek zu besichtigen wünschten, in jeder Weise entgegenzukommen verpflichtet waren. Daß deren Zahl recht b'edeutend gewesen sein muß, ergibt sich auch aus einer Berechnung der „Praesente", die für diese Besichtigungen gezahlt und zunächst ausschließlich von dem Inspektor persönlich ver- einnahmt wurden: in dem Jahrzehnt von 1796-4806 belief sich ihr durchschnittlicher Jahresbetrag auf 700 Rthlr. Da das Gehalt der in den verschiedenen Abteilungen des Museums tätigen wissenschaftlichen Beamten durchschnittlich diesen Betrag nicht über- 100) A. L. B. XIV, 10. 101) A. L. B. XIV, 1. Zedler, a. a. O. S. 70.