Bänden meist älterer Drucke, unter denen sich auch 22 Inkunabeln befanden; sie enthielt vor allem juristische, daneben aber auch theologische, medizinische und astronomische Werke, auch Ausgaben klassischer Autoren. Durch die Einverleibung von so vielen privaten und Behörden-Bibliotheken mußte die Zahl der in der Fürstlichen Bibliothek vorhandenen Doppelstücke erheblich steigen; man kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß der Eifer, mit dem diese Sammlung be- trieben wurde, nicht zuletzt dem Wunsch entsprang, die Zahl der Doppelstücke möglichst in die Höhe zu treiben, um wieder eine Versteigerung abhalten zu können. Dies Ziel wurde im Jahre 1776 erreicht, und am 22. August wurden 1330 doppelt vorhandene Werke, deren Wert auf 588 Rthlr. 15 alb. 10 hlr. geschätzt wurde, zum Verkauf gestellt. Die Ver- steigerung verursachte durch den Druck der Kataloge, den Transport der Bücher, die Ent- lohnung der beteiligten Helfer usw. an Unkosten 30 Rthlr. 3 alb. Der Wert der unverkauft gebliebenen Bücher wurde mit 199 Rthlr. 31 alb. 10 hlr. angesetzt, sodaß ein Reingewinn von 358 Rthlr. 13 alb. verblieb 88). Eine derartige außerordentliche Einnahme mußte der Bibliothek, die dauernd unter dem Mangel an Mitteln litt, höchst willkommen sein. Ihre finanzielle Lage hatte sich allerdings insofern gebessert, als seit Schminckes Amtsantritt - obwohl auch in seiner Bestallung nur von „einem gewissen" die Rede war, das zur Fortführung der Bibliothek verordnet sei - die wiederholt zugesicherten 200 Rthlr. jährlich und pünktlich gezahlt wurden. Die Bibliotheksrechnungen, die seit 1748 alljährlich aufgestellt wurden, lassen übrigens erkennen, daß sich Schmincke diese Seite seiner Verantwortung nicht sehr an- gelegen sein ließ. Entgegen dem bisherigen Brauche ließ er zuerst vier, darnach sogar acht Jahre verstreichen, bis er sich - im zweiten Fall erst nach wiederholter und zuletzt sehr dringlicher Mahnung - zur Rechnungslegung entschloß. Seine Abrechnungen sind denn auch recht summarisch gehalten, lassen Einzelheiten kaum erfassen, zeigen aber doch, daß die Ausgaben in den einzelnen Jahren stark schwankten, daß es also an einem festen Plan fehlte, nach dem gearbeitet wurde. Immerhin wurde erreicht, daß der Jahresbetrag im allgemeinen eingehalten wurde. Dabei ist übrigens der von Arckenholtz eingeführte und regelmäßig in Ansatz gebrachte Rabatt -in aller Stille wieder weggefallen! Ob die geringe Sorgfalt, die Schmincke auf die Rechnungslegung verwandte, den An- stoß gab, ihm einen 2. Bibliothekar in Rudolf Erich Raspe an die Seite zu geben, läßt sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls war Raspe bei Landgraf Friedrich II., der ihn am 31. August 1767 als Professor der Altertümer am Collegium Carolinum, sowie Aufseher des Fürstlichen Antiquitäten- und Münzkabinetts nach Kassel berufen hatte, sehr angesehen; er erwies sich aber als des Vertrauens, das ihm der leicht einzunehmende Fürst entge-gen- brachte, unwürdig - seine Flucht aus Kassel und Hessen im Jahre 1775 setzte auch seinem Wirken an der Bibliothek ein Ziel. Welchen Anteil er tatsächlich an der Leitung der Ge- Schäfte gehabt hat, ist nicht zu erkennen; eine Arbeitsteilung hat unter den beiden Biblio- thekaren nicht stattgefunden, und wenn die Eingaben, Berichte usw. in den Jahren 1771-1775 von beiden unterschrieben werden, so bleibt doch die Frage offen, von wem jeweils die Anregung ausgegangen ist. An dem ersten gemeinsamen Antrag vom März 1771 hat Raspe jedenfalls gestaltend nicht mitgewirkt. Er war gerade 2 Monate im Dienst und nicht in der Lage, aus eigener Erfahrung festzustellen, daß die jährlich zur Verfügung stehenden 200 Rthlr. eben dazu ausreichten, die unabW-eisbaren Fortsetzungen zu beziehen und die Bindekosten zu bezahlen, daß mit dieser Summe wirkliche Neuanschaffungen nicht möglich waren. Dabei zeigten die Bestände vor allem in der neueren deutschen, eng- es) A. L. B. XIV, 20. 42