die seine Witwe für den nach dem Gutachten von Arckenholtz mäßigen Preis von 65 Rthlr. anbot. Obwohl Arckenholtz für den Ankauf eintrat, sich auch der Genehmigung offenbar so sicher wähnte, daß er die Karten bereits zur Bibliothek hatte bringen lassen, lehnte Landgraf Wilhelm nach zweimonatlichem Zögern ohne Angabe von Gründen ab 67). Ebenso wenig konnte er sich, wie aus dem gänzlichen Schweigen der Akten ange- nommen werden muß, entschließen, der Erwerbung der Frh.Zochaischen Bibliothek in Ansbach näherzutreten 68). Da es sich um eine Bibliothek von 14 000 Bänden, eine alle Wissensgebiete in wertvollen Werken erfassende Sammlung handelte, wird man ohne weiteres vermuten dürfen, daß der zu erwartende hohe Preis von der Verfolgung des Vor- schlags abschreckte. Dasselbe wird zutreffen für das Angebot, das der Inspektor der Kasseler französischen Gemeinde, de Rochemont, am 31. März 1756 wegen seiner Bibliothek machte. Er besaß eine Sammlung von mehr als 3000 Bänden, vor allem theologischer, juristischer und philosophi- scher Werke, außerdem eine Anzahl von größeren Encyklopädien, deren Wert er auf ins- gesamt 2235 Rthlr. errechnete. Da seine voraussichtlichen Erben kein Interesse an einer solchen Bibliothek bezeigten, bot er sie dem Landgrafen an gegen die Verpflichtung, daß seiner Frau vom Tage seines Todes an eine jährliche Rente von 200 Rthlr. gezahlt werde; falls sie vor ihm stürbe, sollten die Kinder mit einer einmaligen Zahlung von 1000 Rthlr. abgefunden werden. Die hier gebotene Grundlage für die Übernahme einer offensichtlich wertvollen Bibliothek scheint nach dem Gutachten von Arckenholtz durchaus angemessen gewesen zu sein 69) - die Höhe und gegebenenfalls Unsicherheit der zu übernehmenden Verpflichtung mag aber auch hier hindernd gewirkt haben, zumal der Ausbruch des siebenjährigen Krieges zur Zurückhaltung mahnte. In einer anderen Lage befand man sich der Anfrage gegenüber, die Adam Christoph Kalckhoff am 19. April 1753 an Landgraf Wilhelm richtete wegen Übernahme der von seinem Vater hinterlassenen Bücher und Handschriften"). Dieser, der Rotenburgische Kanzleidirektor Johann Christoph Kalckhoff (T 1752) hatte die Herausgabe einer „Hassia literata" vorbereitet und umfangreiche Sammlungen angelegt nicht nur zur hessischen Familien- und Gelehrtengeschichte, sondern auch zur allgemeinen hessischen, zur Orts- geschichte, zum hessischen Recht u. a. m. Der Katalog umfaßt, einschließlich eines Nach- trags, 184 Nummern, die z. T. eine große Anzahl von Dissertationen, Leichenpredigten, Gedichten usw. umfassen. Es handelte sich also um eine Sammlung von Quellenmaterial zur hessischen Geschichte, die festzuhalten alle Veranlassung vorlag. Landgraf Wilhelm beauftragte denn auch den Bibliothekar Arckenholtz und die Archivare Heymell und Friedrich Christoph Schmincke mit der Durchprüfung des gesamten Nachlasses und der Erstattung eines Gutachtens über den Preis, der den Kalckhoffschen Erben geboten werden könnte. Diese drei Sachverständigen sprachen sich in eingehender Begründung für die Er- werbung des Nachlasses aus und errechneten als Gegenwert eine Gesamtsumme von 694 Rthlr. 18 alb. 8 hlr., darunter fast 100 Rthlr. für die vorhandenen Druckschriften -- „so halten wir ohnmaßgeblig dafür, daß denen Erben die ausgeworfene Summe wohl köne gebotten und disselbe villeicht noch etwas weniges daran abgehen zu lassen disponirt werden" 71). Die Regierung wies daraufhin am 13. Oktober 1753 die Kommission an, mit den Kalckhoffschen Erben auf 700 Rthlr. abzuschließen. Sie sollte aber bald erkennen, a7) A. L. B. Xa, 14. es) A. L. B. Xa, 13. 69) A. L. B. Xa, 17. 10) A. L. B. Xa, 15. 11) A. L. B. Xa, 15. 35