drucken, sowie die „in ziemlicher anzahl vorhandene, obwohl defecte, Exemplaria der Winckelmannischen Hessischen Chronik" zum Besten der Bibliothek zu verkaufen. Die Er- mächtigung dazu wurde ihm gern erteilt, der Erfolg war aber höchst unbefriedigend. Nach der Winckelmannschen Chronik scheint überhaupt keine Nachfrage gewesen zu sein; der Preis der ausgedruckten Kupferplatten war mit 5 Rthlr. entschieden zu hoch, um so mehr, als die Platten schon recht abgenutzt waren - der Verkauf blieb daher weit hinter den Erwartungen zurück. Von erheblich größerer Bedeutung war der Vorschlag, die Universitäten und Gym- nasien des Landes, sowie alle Drucker anzuweisen, daß „sie die von ihnen schon ausge- gebenen und noch bey der hand seyende, nicht weniger als von allen künfftighin heraus- kommenden Büchern und Speciminibus, ein oder par Exemplaria an hiesige Königl. Fürstl. ßibliothec einsenden müssen: als wodurch auch die ausgabe einer hessischen gelahrten Zeitung veranlaßt werden könte". Er regte damit von neuem die Einführung des Rechtes auf Pflichtexemplare an, das schon Scholasticus 1654 in Vorschlag gebracht hatte. Die Re- gierung stimmte zu, und am 10. Februar 1748 erging nach Marburg, am 12. Februar nach Rinteln die Weisung an die Professoren, „ein oder ein paar Exemplaria" der von ihnen herausgegebenen Bücher an die Kasseler Bibliothek abzuliefern, damit diese aufweisen könne, „was auf denen Universitäten dieser Lande durch den Druck publiciret würde" 65). Wenn auch eine Reihe von Professoren aus beiden Universitäten ihre Bereitwilligkeit er- klärten, und einige auch die erhaltene Weisung tatsächlich befolgten, so blieb der Erfolg im ganzen doch so unbefriedigend, daß die Weisung am 5. November 1767 erneut hinaus- gehen mußte. Als auch sie unbeachtet blieb, griff Friedrich Christoph Schmincke, der 1766 die Leitung der Bibliothek übernommen hatte, auf den Vorschlag seines Vaters vom Jahre 1731 zurück und beantragte, die Pflicht der Ablieferung den Buchhändlern und Buch- druckern aufzuerlegen; auch diesmal folgte die Regierung und ließ am 21. Dezember 1770 entsprechende Befehle an die Regierungen zu Marburg und Rinteln ergehen; es blieb aber auch diesmal - abweichend von Johann Hermann Schminckes Vorschlag, der auch die Bibliotheken in Marburg und Rinteln hatte beteiligen wollen - bei der Verpflichtung zur Lieferung allein nach Kassel. Arckenholtz war mit besonderem Eifer darauf bedacht, Gelegenheiten zur Er- werbung ganzer Büchersammlungen, wie sie sich durch den Tod ihrer Eigentümer boten, ausfindig und nutzbar zu machen; er wurde nicht nur rasch unterrichtet, wenn sich im Lande selbst solche Möglichkeiten ergaben, sondern sah auch die ihm auf seinen Antrag bewilligten Zeitungen und Zeitschriften sorgsam durch, um möglichst keine derartige Ge- legenheit zu versäumen. Im Januar 1752 war in Kassel die Witwe des Geheimen Rats und Präsidenten von Stein verstorben und hatte in etwa 50 Bänden aus dem Nachlaß ihres 1735 verstorbenen Mannes handschriftliche Auszüge aus selteneren Druckschriften, Sammlungen zur Zeit- geschichte u. a. m. hinterlassen. Es gelang Arckenholtz, die Erben für eine Herabsetzung des Preises von 100 auf 60 Rthlr. zu gewinnen und den Ankauf für die Bibliothek zu erreichen m) . Dagegen konnte er von einer recht seltenen Möglichkeit, eine größere Anzahl von Karten zu erwerben, infolge der Ablehnung durch den Statthalter selbst keinen Ge- brauch machen. Es handelte sich um eine Sammlung von 797, meist Homannschen und holländischen Karten, die der Bauschreiber Renner in Kassel zusammengebracht hatte, und 65) Rescript der Fürst]. Regierung, d. d. Cassel, 7. Februar 1748. A. L. B. Xc, 1. 66) A. L. B. Xa, 12. 34