stellt worden, und der in der Festsetzung von 1672 gegebene Jahresdurchschnitt ist im großen und ganzen eingehalten worden. Die Landgrafen und ihre Regierung hatten aber bis dahin nie Neigung gezeigt, auf die Möglichkeit, über jede einzelne Anschaffung un- mittelbar zu entscheiden, zu verzichten, den Bibliothekaren größere Bewegungsfreiheit zuzugestehen und durch die Bewilligung fester Jahreszahlungen eine gewisse Stetigkeit in die Fortführung der Bibliothek zu bringen. Auch jetzt mußte Arckenholtz feststellen, daß nicht der allergeringste Fonds vorhanden war, mit dem er hätte arbeiten können. Auch er wies nachdrücklich darauf hin, wie nötig es sei, durch ein „jährlich zu verordnendes, und von dem Bibliothecario zu berechnendes mäßiges Einkommen" die vorhandenen Schwierigkeiten zu beheben - auch dann freilich sei zur Ausfüllung der entstandenen Lücken „ein mildes Königliches present von einigen tausend Rthlrn." unbedingt nötig. Aber auch er predigte tauben Ohren. Gewiß stellte die Verfügung, daß die gewünschten Zeitschriften und Zeitungen einzeln angegeben, daß die fälligen Forsetzungen und Ver- vollständigungen unter Angabe der Kosten nachgewiesen werden sollten, die entsprechen- den Bewilligungen in Aussicht - zur Haupfrage aber hieß es: „Ist ein fond hierzu auszu- finden." Es bedurfte keiner großen Sehergabe um zu erkennen, daß dieser Fonds min- destens nicht sehr bald ausfindig gemacht, daß also das bisherige Verfahren vorläufig beibehalten werden würde. Darauf hat sich Arckenholtz denn auch eingerichtet, und er konnte mit den tatsächlichen Ergebnissen zufrieden sein. Ausweislich der „Bibliotheks- Rechnungen", die seit 1748 vorliegen, sind _ in abgerundeten Summen - bezahlt wor- den für 1748: 850 Rthln, 1749: 860 Rthlr., 1750: 380 Rthlr., 1751: 940 Rthlr., 1752: 670 Rthlr., 1753: 300 Rthlr., 1754: 100 Rthlr., 1755: 520 Rthlr., 1756: 520 Rthlr., 1757: 320 Rthlr., 1758: 75 Rthlr., 1759: 100 Rthlr., 1760: 70 Rthlr., 1761: 25 Rthlr., 1762: --, 1763: 400 Rthlr., 1764: 180 Rthlr. und 1765: 300 Rthlr. Trotz der Not der Kriegsjahre, die sich in diesen Zahlen deutlich spiegelt und zeitweise die Anschaffung neuer Bücher gänzlich unterband, sind in diesen 18 Jahren doch durchschnittlich 367 Rthlr. im Jahr für Bücherkauf ausge- geben worden! Von nun an sollen nach landgräflicher Entscheidung regelmäßig 200 Rthlr. im Jahr für die Fortführung der Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Diese Auswirkung des Krieges mußte natürlich auch die Lieferanten der Bibliothek schwer treffen - so klagte der Buchhändler Cramer am 19. April 1763 sehr darüber, daß er in dieser Zeit nicht einmal „vor seinem Nöthigen Unterhalt hat sorgen können". Und es vermittelt einen Einblick in die Verhältnisse jener Zeit, wenn Arckenholtz am 6. Mai 1763 berichtet, daß er, nachdem „das Porto auf den fahrenden Posten" ziemlich hoch aufge- stiegen", zur Ersparung von Unkosten „die von fernen und weitentlegenen Orten her zu verschreibenden Bücher und Werke von deren Verlegern selbst, oder deren ncchsten Abnehmern, sowohl -in Deutschland als andern Landen, mithin direct und mit geringeren Kosten" bezogen habe '54). Bemerkenswert ist, daß Arckenholtz bei den Abrechnungen mit den Buchhändlern regelmäßig einen Rabatt von 10 Prozent in Abzug brachte - es war ein bis dahin nie geübtes Verfahren, als erstmalig von der Bücherrechnung vom 23. November 1748 dem Frankfurter Buchhändler Johann Benjamin Andrea „zehn pro Cento zum besten der Königl. Bibliothec abgezogen" wurden 64). Daneben wußte Arckenholtz auch den Unterschied der Währungen geschickt auszunutzen und bei der Umrechnung einen „ebenmäßigen profit" für die Bibliothek zu erzielen. Zur Vermehrung der Mittel schlug Arckenholtz weiterhin vor, die im Kunsthaus aufbewahrten Kupferplatten von dem „prächtigen Gebäude des Winterkastens" abzu- 64) A. L. B. XII, l--XI, 3. 33