wohl nach dem entschieden ablehnenden Bericht Schminckes 53) '-- die Entscheidung der Regierung ist nicht erhalten, aber ebenso wenig eine Nachricht, daß Bücher überführt worden seien -- auf die Verwirklichung ihres WVunsches verzichten müssen. Schmincke gab in seinem Bericht wohl zu, daß Doppelstücke vorhanden seien, betonte aber, daß sie nach einer Entscheidung des Landgrafen Karl bestimmt seien, „zu anschaffung derer Supplementen so von Zeiten zu Zeiten zu den bereits vorhandenen operibus heraus- kommen"; diese hat der Buchhändler Cramer bisher besorgt, und schon im Vorjahr wurde der Antrag gestellt, bisher aber nicht verabschiedet, wieder eine Auktion zu veranstalten, um die fällige Bezahlung leisten zu können. Diese Auktion scheint nun genehmigt und vorbereitet worden zu sein -- eine Rechnung über den Druck von 400 Stück des Kata- logsäßa) weist deutlich darauf hin. Daß sie erst am 31. Dezember 1735 beglichen wurde, ohne daß - wie bei den vorausgegangenen Versteigerungen - irgendwelche Aufrechnung oder sonstige allgemeine Rechnungslegung erfolgt wäre, läßt darauf schließen, daß die Versteigerung tatsächlich nicht abgehalten worden ist. Schmincke schließt übrigens auch diesen Bericht mit dem A und O aller derartigen Berichte, mit dem „ohnmaßgeblichen Vorschlag, wie etwa ein fond zu continuation dero Königl.Bibliothec könte nach dem exempel benachbarter Fürsten und Bepubliquen ausfündig gemacht werden, wobey zu- gleich auch mit auf die beyden mir wohl bekanten Universitäts-Bibliotheken respicirt habe, welchen auf diesem Fuß unter der Hand ebenfalls ein Zuwachs angedeyen könte. Dann es wäre zu bedauern, wann dieser König]. Vorrath nicht solte von Zeit zu Zeit fortgesetzt werden, allermaßen diese die einzige Haubt Bibliothec im Lande, worzu die Gelehrte in Hessen ihren recours nehmen können." Es war ein empfindlicher Verlust für die Bibliothek, daß Schmincke, der durch seine zwei Jahrzehnte umfassende rastlose Tätigkeit vor allem die Ergänzung und Fortführung der Bestände bedeutsam gefördert hatte, schon am 18. Juli 1743 kurz vor Vollendung seines 59. Lebensjahres starb. Er scheint freilich schon geraume Zeit leidend gewesen zu sein, so daß man wohl mit seinem baldigen Ableben rechnete -- bereits zu Anfang des Jahres 1743 wurde dem Sohn Simon Kuchenbeckers, Johann Philipp Kuchenbecker, der seit 1735 als Regierungs-Archivar tätig war, die Anwartschaft auf die Bibliothekarstelle zugesichert; am 20. April 1743 wurde er zum zweiten Bibliothekar ernannt 54). Da diese Stelle bisher nicht vorhanden war, auch mit der Ernennung Kuchenbeckers zum Bibliothekar und Nachfolger Schminckes (6. September 1743) wieder einging, sollte damit offenbar nur die Stellver- tung und Fortführung der Arbeit auch während Schminckes Erkrankung sichergestellt werden. Schmincke hatte eine größere Anzahl von Büchern und Handschriften, die er für seine wissenschatfliche Arbeit brauchte, in einem neben der Bibliothek gelegenen beson- deren Raum aufbewahrt; um hier amtliches von persönlichem Eigentum zu scheiden, wurde eine Kommission eingesetzt, die aus seinem Nachfolger Kuchenbecker - an dessen Stelle dann der nachfolgende Bibliothekar Arckenholtz trat -, dem Kriegsrat Murhard und dem Bibliotheks-Registrator Böber bestand; der letztere war am 29. August 1738 an Kurtze's Stelle in dieses Amt berufen worden 55'). Schon am 12. August konnte diese Kom- mission berichten, daß die Durchsicht des Nachlasses beendet und die der Bibliothek ge- hörenden 11 Stücke, ebenso wie 7 dem Archiv entstammende, an ihre Stelle zurückgebracht 53) d. d. 19. Juli 1732. A. L. B. 53a) d. d. 17. Juli 1734. A. L. B. 54) Marburger Staats-Archiv. Casseler Geh-Rats-Akten. O. St. S. 7314. Nr. 9677. 55) M. St. A. Casseler Geh-Rats-Akten. O. St. S. 7314. Nr. 9675, 29