10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. . Von jedem Buch ist ein Freiexemplar im Niederfürstentum nach Kassel, im Ober- fürstentum nach Marburg und in der Grafschaft Schaumburg nach Binteln abzuliefern. Die Bibliothekare entscheiden, 0b das Buch angenommen wird oder nicht. Jedes Buch ist zu einem Viertel der Auflage auf gutem Schreibpapier, zur Hälfte auf gutem Druckpapier und zum letzten Viertel auf minder gutem Papier zu drucken. Strafe: Verlust der Exemplare und 20 Rthlr. Wer eine Anzeige über Verstöße gegen diese Bestimmungen einreicht, erhält ein Viertel der verwirkten Strafe. Regierung und Bibliothekare haben über die Beachtung dieser Bestimmungen zu wachen. Der Verkaufspreis der Bücher wird unter Zuziehung der Bibliothekare festgesetzt. Alle Bücher, die außer Landes gedruckt sind und eingeführt werden, sind innerhalb eines Vierteljahres den Bibliothekaren anzuzeigen und bei Versäumnis der Anzeige zu konfiszieren. Alle eingehenden Strafgelder sind zu gunsten der Bibliotheken zu verwenden. Niemand darf - bei Verlust der Exemplare -- außer Landes drucken lassen. Es sind außerordentlich weitgehende, tief einschneidende, z. T. ganz modern an- mutende Vorschläge, die Schmincke ausgearbeitet hat. Ob er sie wirklich Friedrich I. vor- gelegt hat, ist nicht festzustellen. Jedenfalls hat er auch mit ihnen das erstrebte Ziel nicht erreicht - auch diese Pläne verschwinden, bis sie 31]: Jahrzehnte später von seinem Sohn wiederaufgenommen werden; sie fanden aber auch dann kein anderes Schicksal als bei ihrem ersten Auftauchen -- die ebenso knappe wie deutliche Entscheidung erging dahin: „Beruhetß In seiner Sorge für die Vermehrung der Bibliothek übersah Schmincke auch nicht, welche Bedeutung Geschenke für eine derartige Anstalt haben können. In einer un- datierten, aber noch vor 1726 aufgestellten Liste zählt er 77 Werke auf, die seit Landgraf Philipps Tagen den hessischen Fürsten oder Familienangehörigen, vereinzelt auch Privat- personen zum Geschenk gemacht und von den Beschenkten der Bibliothek überlassen wor- den waren. Leider fehlen in dieser Liste, die wohl kaum Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, die Namen der Schenker. Die Königin Ulrike Eleonore von Schweden hatte bald nach der Thronbesteigung ihres Gatten der Kasseler Bibliothek mehrere Werke, darunter vor allem zwei schwedische Bibeln zum Geschenk gemacht. In seinem Dankschreiben läßt Schmincke die Erinnerung daran wieder aufleben, daß gerade 100 Jahre zuvor Gustav Adolf der Bibliothek die erste gedruckte Muscovitische Bibel als Geschenk überwiesen hat 51). Ein neuer, sachlich durchaus wohlbegründeter Weg zur Vermehrung der Bibliothek wurde beschritten, als das Reg-ierungs-Archiv 1739 den für die Unterbringung von Akten verfügbaren Raum aufgebraucht sah und Abhilfe nur durch Ausscheiden eines Teils der Bücherbestände geschaffen werden konnte. Es war durchaus richtig, daß man diese nicht einfach beseitigte, sondern der Bibliothek überwies - 82 Werke älterer juristischer Litera- tur mit 99 Bänden kamen damit ins Eigentum der Bibliothek 52). Die Versteigerungen der Doppelstücke hatten wohl die Aufmerksamkeit vor allem der Bibliothek in Rinteln, deren Zuwachsmöiglichkeiten recht begrenzt waren, auf diese Bestände gelenkt. Die Universität stellte daher im Juli 1732 den Antrag, ihr zur Ver- mehrung ihrer Bibliothek die in Kassel vorhandenen Doppelstücke zu überweisen, hat aber 51) Entwurf 1734. A. L.B Xb, l. 52) d. d. 14. November 1739. A. L. B. 28