wer bucher auß der Fürstl. Bibliothek entlehnen werde, das er solche innerhalb vier Wochen wider gantz vndt unbefleckt wider einliefferen, vndt nicht jahr vndt tag bey sich behalten müssen". Und am 10. April 1665 wird diese Anordnung dahin erweitert, daß der Bibliothekar „hinfuhro niemandem einig buch ohne schriftliche einschickende vndt bey- legende vhrkundt - auch länger nicht alß vier Wochen, lehnen, vndt sofort nach deren verfliessung sich solche gantz ohnbefleckt, sauber und rein gegen zurück-gebung der vhr- kunde ohnwieder lieffern lassen soll". Am 11.April 1672 wurde Angelocrator angewiesen, die Bibliothek dem neu ernannten Bibliothekar Johann Philipp Heppe zu übergeben 31). Der Grund zu diesem Wechsel ist nicht bekannt, dürfte aber wohl -in dem vorgerückten Alter Angelocrators zu suchen sein. Die beiden Jahrzehnte, in denen Scholasticus und Angelocrator die Bibliothek verwalteten, waren für diese besonders fruchtbar: ihren einander verständnisvoll ergänzenden Bemühun- gen ist es gelungen, die Bibliothek aus vollständiger Verwahrlosung in gute Ordnung zu bringen - sogar ein Katalog war hergestellt, aber leider verloren gegangen; vor allem Angelocrator hat erkannt, daß die Benutzung der Bibliothek ohne ein festes Mindestmaß von Ordnungsbestimmungen unmöglich sei, und hat damit die Aufstellung einer Bibliotheks- ordnung vorbereitet; und schließlich hat es Angelocrator nach Vorgang des Scholasticus er- reicht, daß Wege zur festen dauernden Vermehrung der Bücherbestände gefunden wurden! 3. Der Bibliothekar Johann Sebastian Haas. Die Pi älzer Erbschaft. Nachdem Scholasticus und Angelocrator die verwaltungsmäßigen Grundlagen für eine gedeihliche Fortentwicklung der Bibliothek gelegt hatten, konnten sich ihre Nach- folger in größerem Umfang der Ausgestaltung der Bibliothek widmen, was sich ihnen um so mehr aufdrängte, als die Vorbedingungen auf dem Buchmarkt günstigere geworden waren. Bisher hatte man sich für den Ankauf von Büchern im wesentlichen auswärtiger Drucker und Buchführer, vor allem Matthäus Merians und Jakob Gottfried Seylers, bedienen müssen; einheimische Buchhändler -- wir kennen die Name-n von Johann Schütze und Johann Ingebrand - kamen nur selten in Betracht, obwohl Wilhelm VI. ihnen am 29. Mai 1652 das Vorrecht eingeräumt hatte, neben Kalendern auch andere gebundene oder unge- bundene Bücher zum Kauf anzubieten 32). Voll ausnutzen konnten sie dieses Vorrecht frei- lieh nur außerhalb der Jahrmärkte, zu denen auch die auswärtigen Buchführer erscheinen durften. Seyler hat wohl regelmäßig davon Gebrauch gemacht, bis er 1674 von der Land- gräfin Hedwig Sophie gegen eine feste Gebühr das Zugeständnis erlangte, daß er auch außerhalb der Märkte Bücher anbieten durfte. Die damit gegebene Erleichterung des Ein- kaufs wurde auch von der Bibliothek ausgenutzt; wurden doch die in langen Jahren auf- gesparten Summen in 3Jahren verausgabt! Das kam natürlich auch den Buchbindern zu gute; neben Strasser und Meyer, die für Wilhelm IV. gearbeitet hatten, sehen wir jetzt Gerhard Henckel und Johann Dieterich Abel für die Bibliothek beschäftigt, vor allem aber Johann Georg Striegel, von dem aus den Jahren 1673-1680 zahlreiche Rechnungen erhal- ten sind. Abel war es, der im Jahre 1672 die Lufftsche Pergamentbibel von 1561, die noch heute unter den Schätzen der Landesbibliothek gezeigt wird, für 2 Bthlr. neu gebunden hat. 31) Duncker, Die Erwerbung der Pfälzer Hofbibliothek in: Centralblatt für Bibliothekswesen, II, 1885, S.214. 32) Sammlung Fürst]. Hessischer Landesordnungen. Teil III, S. 401. 11'"