der ältere Katalog der Bibliothek und der Kunstkammer! 2") Am 15. Januar 1672 erklärte die Witwe des Scholasticus, Elisabeth Christine, daß sie diese nicht mehr zu beschaffen vermöge, und b'at unter Hinweis auf die „vielen Schulden" ihres Ehemannes, die sie be- zahlen müsse, ihr die Ersetzung der fehlenden Werke zu erlassen - ein Ansuchen, dem (ein aktenmäßiger Bescheid ist nicht erhalten) zweifellos entsprochen worden ist. Wenn sie in diesem Gesuch die Möglichkeit andeutet, die Bücher möchten ausgeliehen und nicht zurückgeliefert worden sein, so hat solche Vermutung angesichts der ganzen Sachlage wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Daß die Bibliothek den Oberstock des Marstallgebäudes mit einer Reihe anderer, recht verschiedenartiger, z. T. fürstlicher Liebhaberei entspringender Sammlungen u. dergl. - ein Inventar von 1612 nennt u. a. eine Kunstkammer, eine Schneiderei, eine große In- ventions-(Erfindungs-)Kammer, eine Buchdruckerei, eine „alte Münze" und ein Labora- torium 21) - teilen mußte, führte zu besonders auch für die Bibliothek recht unerquick- lichen Reibungen. Nicht genug damit, daß die bauliche Instandhaltung zu wünschen übrig ließ und Angelocrator im April 1661 ernste Klage darüber führen mußte, daß der Regen in die Bibliotheksräume durchschlug und die Bücher dadurch Schaden litten, daß vor allem durch die Schneiderei Kalk und Staub von den Wänden fiel und die Bücher beschädigte 22), nicht genug damit, daß unmittelbar neben der Bibliothek Getreide aufgespeiche-rt und auf dem Gang, der zu den Bibliotheksräumen, aber auch zur Rüst- und Geschirrkammer führte, getrockneter Flachs gelagert wurde und die Mäuse anzog23) - der im Hause offenbar in erster Linie maßgebende Stallmeister suchte sich auch dadurch an dem Bibliothekar zu reiben, daß er den Zugang zur Bibliothek wiederholt verriegeln ließ 24). Es bedurfte erst einer ent- schiedenen Beschwerde Angelocrators, um die Abstellung dieser Mißstände zu erreichen: ein besonderer Schlüssel ermöglichte ihm den nun jederzeit freien Zugang zur Bibliothek, deren Umgebung nunmehr sauber und von allen fremdartigen Einlagerungen frei gehalten werden sollte 25). Auch Angelocrator mußte, ebenso wie Scholasticus, immer wieder darauf hinweisen, daß die Bibliothek erst durch Sicherstellung ihrer Vermehrung zur Entfaltung kommen könne. Auf die Einführung von Pflichtexemplaren, die schon Scholasticus angeregt hatte, wollte man sich auch jetzt nicht einlassen; ein dahin zielender Vorschlag Angelocrators wurde mit der Bemerkung abgelehnt, hierüber werde besondere Verfügung ergehen, die aber ausblieb. Hatte Scholasticus, da Barmittel für den Ankauf neuer Werke nur von Fall zu Fall zur Verfügung gestellt wurden, den durchaus richtigen Gedanken _ wenn auch ohne Erfolg -_ vertreten, durch Veräußerung der zahlreichen Doppelstücke Neu- erwerbungen zu ermöglichen, so war der Vorschlag Angelocrators, „theils die überflüssige Bücher theils die opera imperfecta" 26) wieder zu verkaufen oder zu vertauschen, doch recht bedenklich, und die Randbemerkung „Dieser Posten fällt" kann - auch im Hinblick auf die Verluste, die die Bibliothek bisher schon erlitten hatte - nur befriedigen. Von besonde- rer Bedeutung aber war es, daß er „dieweilen auch die Bibliothec in allen faculteten Mangel- hafftig", anregte, „ob nicht autores celebres alle Frankfurter Messen möchten eingekaufft werden". Daß er sich dabei auf eine - sonst nicht belegte - Erklärung Wilhelms V., der 20) Verzeichnis Angelocrators, d. d. 20. Juni 1670, A. L. B. III, 2. 21) Die Bau- u. Kunstdenkmäler im Reg-Bez. Kassel, hrsg. von A. Holtmeyer. Bd. VI. Kassel 1923. S. 304. 22) Memorial Angelocrators, prs. 6. April 1661. A. L. B. II, 1. 23) Memorial Angelocrators, d. d. 27. Sept. 1666. A. L. B. IV, 1. 24) Memorial Angelocrators, d. d. 12. Nov. 1666. A. L. B. IV, 1. 25) Verfügung d. d. 12. November 1666. A. L. B. IV, 1. 26) Memorial Angelocrators, prs. 6. April 1661. A. L. B. II, 1.