forderte nicht nur dringend deren Abstellung, sondern machte auch im einzelnen Vor- schläge, wie die dringend nötigen Neuanschaffungen ermöglicht werden könnten. S0 besaß die Bibliothek eine erhebliche Anzahl von Doppelstücken, die vertauscht und verkauft wer- den konnten; dadurch könnte erreicht werden, daß die zahlreichen ungebundenen Werke, die sonst dem Verderben ausgesetzt oder in Gefahr waren, „von den Meusen zerschnitten" zu werden, gebunden würden. Es geschah wohl auch nur zu seiner Sicherung, daß er angesichts der vielfachen Beanstandungen, die er selbst erheben mußte, schon wenige Jahre nach seinem Amtsantritt, jedenfalls noch zur Regierungszeit der Landgräfin Amalie Elisabeth die Bestellung einer Kommission anregte, die Bibliothek und Kunstkammer, die ihm auch unterstellt war, besichtigen sollten. Das war durch die Kammerräte Dauber und Koster geschehen; sie hatten über ihre Wahrnehmungen berichtet, ohne daß darauf eine Ver- fügung ergangen war - schuldhafte, Scholasticus zur Last fallende Mängel sind also nicht festgestellt worden. Und doch nimmt er Veranlassung, sich gegen die angebliche Absicht, ihm die Leitung der Kunstkammer abzunehmen, zu wehren, „weil solche amotion mir den großesten Schimpff, als ob ich etwa bey meinem Dienste nicht treulich gehandelt, oder denselben, wie sichs gebühret, versehen hätte" 17). Eine Entscheidung auf diese Vorstel- lungen ist offenbar nicht ergangen. Die Gerüchte wollten aber nicht verstummen, und schon ein Jahr später wendet sich Scholasticus erneut an den Landgrafen, da man ihm nun auch die Leitung der Bibliothek abnehmen wolle -- man hat ihm auch schon seinen Nachfolger, Michael Angelocrator, genannt 18). Ob die Befürchtungen, denen Scholasticus hier Ausdruck gibt, schon jetzt berechtigt waren, und ob sein Rechtfertigungs- versuch die tatsächlich geplante Entfernung hinausgeschoben hat, läßt sich nicht entschei- den. Jedenfalls erhielt der fürstliche Leibarzt Dr. Michael Angelocrator (Engelhard) am 25. März 1657 die Weisung, Bibliothek und Kilnstkammer von Scholasticus zu übernehmen. Zum ersten Mal wird hier eine förmliche Übergabe verlangt - wie berechtigt diese Forde- rung war, sollte sich bald herausstellen: Scholasticus hat offenbar in seinen wirtschaft- liehen Verhältnissen keine Ordnung zu halten gewußt und seiner Frau bei seinem Tod zahlreiche Schulden hinterlassen. Er scheint dabei ihm anvertrautes Gut zu seinem Nutzen verwendet zu haben und hat dadurch offenbar sich und seinen Landesherrn in peinliche Lage gebracht. Zunächst suchte sich Scholasticus der angeordneten Übergabe zu entziehen; am 8. November 1658, d. h. volle anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt, muß Angelo- crator berichten, daß die befohlene Übergabe der Bibliothek und der Kunstkammer noch immer nicht erfolgt sei; um sich selbst zu sichern, schlägt er vor, die Übergabe durch einen landgräflichen Bat durchführen zu lassen. Landgraf Wilhelm scheint davon unterrichtet gewesen zu sein, daß diese Übergabe ein wenig erfreuliches Ergebnis zeitigen müsse; er wollte daher Scholasticus Zeit lassen, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Nur so läßt es sich erklären, daß er erst am 16. Juni 1659 auf den Bericht Angelocrators verfügt, daß, nachdem die Kataloge „gehörig collationirt" und von dem bisherigen Bibliothekar Scholasticus unterschrieben seien, der Land-Sekretär Eulalius als sein Beauftragter die Übergabe an Angelocrator vornehmen solle 19). All diese Nachsicht erwies sich aber als vergeblich: bei der Übergabe stellte sich heraus, daß in der Kunstkammer 36 Instrumente und in der Bibliothek zahlreiche Werke fehlten, von denen Scholasticus bei seinem Tode (4. Dezember 1669) noch nichts zurückgeliefert hatte. Am 20. Juni 1670 lieferte die Witwe des Scholasticus die Instrumente und den größten Teil der Bücher ab; nach einem von Angelocrator aufgestellten Verzeichnis fehlten immer noch 15 Werke, daneben aber auch 17) Memorial des Scholasticus, prs. 19.Mai 1654. A. L. B. III, 2, 18) Schreiben des Scholasticus, prs. 20. Juni 1655. A. L. B. III, 2. 19) A. L. B. V, 1.