handlungen vollkommen in Anspruch genommen war. Deshalb ist aber die Tatsache nicht minder beklagenswert, daß die Bibliothek durch den in solcher Zeit ausgeführten Umzug schweren, Nunersetzlichen Schaden erlitten hat. Nicht genug, daß - wie Scholasticus be- richtet - jfviel Bücher abhanden kommen" sind, es sind „auch viel Bücher Nass worden, vnd weil sie so bald nicht wider getrocknet, nunmehr gantz vermodert vnd verfaulet sind; also daß man sie nicht mehr gebrauchen kann. S0 wehre wohl gut, weil sie ohne das nichts nutze sein, daß sie gar von fürstl. Bibliothec abgeschaffet würden." Der Schaden, der hier angerichtet worden ist, läßt sich kaum ermessen! Immerhin wurde im Jahre 1633 wenigstens der Versuch gemacht, die Verwaltung der Bibliothek wieder in geordnete Bahnen zu lenken durch Ernennung eines Bibliothekars: Nicolaus Crugius (Krug), der seit dem 1.0ktober 1599 als Rektor an der Stadtschule wirkte und bei Eröffnung der Universität mit der Abhaltung von Vorlesungen über Logik beauftragt worden war, wurde der 4. in der Reihe der Kasseler Bibliothekare. Ein volles Jahrzehnt, 1633-1644, hat er dieses Amt innegehabt, das in dieser Zeit erstmalig von der Verwaltung der Kunstkammer abgetrennt war. Nachhaltige Spuren hat seine Tätigkeit nicht hinterlassen, sei es, daß er durch seine anderen Ämter zu sehr in Anspruch genommen war, sei es, daß der vollkommene Mangel an Mitteln ihm die Möglichkeit nahm, eine wirkliche Förderung der Bibliothek zu unternehmen. Er scheint aber auch die in diesem Augen- blick dringlichstc Aufgabe, die seit dem Umzug vollkommen verwahrloste und „gantz con- fuse vber einem hauffen gelegene" 11) Bibliothek neu zu ordnen, gar nicht in Angriff ge- nommen zu haben. Er mag freilich keinen großen Antrieb dazu verspürt haben, nachdem der Landgraf - offenbar um den Wünschen der Universität auf Benutzung auch der fürstlichen Bibliothek einen Riegel vorzuschieben - ihm befohlen hatte, „keinem kein Buch ohne Ihrer Fürstlichen Gnaden special befehl aussfolgen zu lassen" 12), ein Befehl, der einer Sperrung der vorher wohl leichter zugänglichen Bibliothek gleichkam. Crugius stand unmittelbar vor der Vollendung des 70. Lebensjahres, als ihm am 1. Juli 1644 in der Person des Rudolphus Scholasticus der Nachfolger bestellt wurde; der Stadtschule hat er noch bis zum 12.Mai 1647 vorgestanden - am 26. März 1648 ist er gestorben. 2. Die Bibliothekare Rudolphus Seholasticus und Michael Angelocrator. Rudolphus Scholasticus (Schüler) war 1617 zu Marburg geboren, dann in Kassel auf- gewachsen und hatte bis zu seiner Ernennung zum Bibliothekar hauptsächlich mathemati- schen Studien obgelegen. Mit ihm übernimmt ein Mann die Leitung der Bibliothek, der sich - als erster unter den bisherigen Bibliothekaren - nicht mehr nur als ausführendes Organ des Landesherrn auffaßt, sondern sich mit voller Kraft seines Amtes annimmt und seine Meinung klar und entschieden zum Ausdruck zu bringen weiß. Die Aufgabe, die ihm zugewiesen wurde, war nicht leicht. Sein Vorgänger Crulgius hatte keinen ernsthaften Versuch gemacht, die durch den Umzug in den Marstall in völlige Unordnung geratene Bibliothek wieder zu ordnen. Scholasticus hat nach seinem eigenen Bericht 13) „länger als 4 Jahr mit separirn, collocirn Vnd Stellung der Bücher zugebracht, ehe ich die Bibliothec in dem stand, darin sie itzo begriffen, bringen können". Wenn diese 11) Schreiben des Scholasticus, pr. 20. Juni 1650. A. L. B. III, 2. 12) Memorial des Scholasticus d. d. 4. Januar 1653. A. L. B. I, 1. 13) Schreiben des Scholasticus, prs. 20. Juni 1655. A. L. B. III, 2.