Matthäus unmittelbar neben der Marburger Universitätsbibliothek nennt, wird vermutlich auf derselben Grundlage aufgebaut worden sein wie diese, auf der Säkularisation der Klöster und geistlichen Stifter, deren Bücherschätze in Marburg wie in Kassel wenigstens zum Teil heute noch nachweisbar sind. Diese überkommenen Bestände zu vermehren, war Wilhelm unablässig bemüht. S0 wird von Bücherkäufen berichtet, die er 1575 durch Vermittlung von Martin Fugger in Augsburg, in Venedig, Lissabon und Kairo vornehmen ließ; auch Heidelberg und Wien werden als Bezugsstätten vor allem theologischer, mathematischer und botanischer Werke genannt, und in Köln und Altorf ist der spätere Bibliothekar Johann Buch um Vermehrung der fürstlichen Bücherbestände bemüht. Aus den Jahren 1577_-1582 wissen wir von wiederholten Bücherkäufen, die Wilhelm durch den Theologen Cassiodorus Reinius in Frankfurt a. M. vornehmen ließ. Am 29. März 1580 quittiert dessen Frau Anne über 49 Rthlr. 12 Gr., die Reinius für 49 Werke aus verschiedenen Wissensgebieten im Auftrag des Landgrafen auf der Herbstmesse 1579 und der Frühjahrsmesse 1580 verausgabt hat. Von der Herbstmesse 1582 wird eine Kiste mit Büchern im Gewicht von 6V2 Zentnern nach Kassel geschickt. Leider sind alle diese Aufträge ganz allgemein gehalten -- sie verzeich- nen nur die Wissensgebiete, nennen aber keine Einzeltitel. Als besonders wertvoll für die Ergänzung der Bücherbestände erwies sich der Ver- kehr, den Wilhelm mit dem Professor der Rechte in Basel Francois Hotman (Franciscus Hotomanus), einem um seines reformierten Glaubens willen aus Frankreich Vertriebenen, pflog - neben allgemeinen, wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen spielt das Verlangen des Landgrafen nach Beschaffung ihm geeignet scheinender Werke in diesem Briefwechsel eine große Rolle. So nennt er in einem Brief vom 10. Juni 1580 eine ganze Reihe reformierter Theologen, deren Werke ihm fehlen, die Hotman beschaffen soll: Zwingli, Bucer, Petrus Martyr, Wolfgang Musculus, Calvin, Bullinger, Petrus Viretus „et aliorum neotericorum Reformatae Religionis monumenta"; ein weiteres Schreiben vom 19.0ktober desselben Jahres fügt noch hinzu die Namen Capito und Marlorat und erweitert den Auftrag ganz allgemein „vel aliorum quorundam neotericorum Theologiae doctorum opera"; auch Beza, Aretius, Walther und andere Schweizer Theologen vermißt er nur ungern in seiner Sammlung. Und im Oktober 1581 - die genaue Bezeichnung des Tages fehlt - beauftragt er Hotman mit dem Ankauf griechischer Schriftsteller, die in einem - leider nicht erhaltenen - beigefügten Verzeichnis aufgeführt werden. Sein Vertrauen in die Zuverlässigkeit Hotmans ist so groß, daß er ihn ermächtigt, diese griechischen Schriftsteller in Frankreich oder Italien zu erwerben, wenn -- wie die Drucker behaupten - in Deutschland hergestellte Ausgaben nicht vorhanden sind. Die Bezahlung erfolgt in allen Fällen durch den landgräflichen Kammerschreiber Otto Gleim. Wilhelm wünscht aber alle diese Werke nicht nur zu erwerben - er legt auch Wert auf gute Ausstattung, die der beabsichtigten Einreihung der Bücher in eine fürstliche Bibliothek würdig sein soll: Folio-Ausgaben sollen es sein, -in Holz gebunden, das mit weißem Leder überzogen ist. Und als die erste Sendung seinen Erwartungen nicht ent- spricht, will er am 19. Oktober 1580 lieber ungebundene haben: „Curabimus enim illa pro nostro arbitrio ligaril" In der Tat arbeitet in den Jahren 1576-1589 ein Buchbinder Martin Strasser für die fürstliche Bibliothek, für die er offenbar stark beschäftigt wurde: 1576 werden ihm am 4. April 16 fl. 26 alb. ausgezahlt, am 6. September 1578 25 fl. 9alb. 6gr., 1584 am 2. April 35 fl. 6alb., zur Fastenmesse 1588 in 3 Teilzahlungen 27 fl. 8 alb., 26 fl. 17 alb. und 4 fl. 16 alb., 1589 ebenso 1 fl. 16 alb. und 66 fl. 19 alb. 8 gr.l Der Landgraf ver- zichtete aber nicht ganz auf den Bezug gebundener Bücher; am 28. Dezember 1580 verlangt er von Hotman wiederum gut gebundene - probe ligati - Ausgaben. 1591 wird von einem