Vorwort. „Die Quellen zur Geschichte der Kasseler Bibliothek fließen nicht reichlich." S0 hat schon Albert Duncker geklagt, als er 1881 seine Arbeit über „Landgraf Wilhelm IV. von Hessen, genannt der Weise, und die Begründung der Bibliothek zu Kassel im Jahre 1580" veröffentlichte. Diese Feststellung gilt im wesentlichen auch heute noch, soweit das 16. und auch das 17. Jahrhundert in Betracht kommen; denn eine gründliche Durchforschung der Bestände des Staatsarchivs zu Marburg -- durch M. St. A. gekennzeichnet - hat wohl manches zu dem damals bekannten Material hinzugefügt, läßt aber doch noch Lücken offen, die wohl nie werden geschlossen werden können. Auch die Akten der Landesbiblio- thek selbst (A. L. B.), die erstmalig von Carl Scherer herangezogen wurden, geben vor allem für die Frühzeit der Bibliothek nicht das geschlossene Bild, in dem man die Ent- wicklung der Bibliothek während des 1. Jahrhunderts ihres Bestehens restlos deutlich ab- lesen könnte. Mit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wird der Grund, auf dem die ge- schichtliche Darstellung aufgebaut werden kann, fester - für das 18. Jahrhundert und die Folgezeit steht ausreichendes Quellenmaterial zur Verfügung, um die Entwicklung der Bibliothek in ihren charakteristischen Zügen verfolgen zu können. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der B i b l i o - th ek - verzichtet wird bewußt auf deren Umrahmung durch die Geistesgeschichte der Zeit, sowie auf Mitteilungen über die Lebensarbeit und Lebensschicksale der jeweiligen Bibliothekare; außer der in den Einzelnachweisen genannten Literatur ist neben den übrigen biographischen Quellenwerken vor allem Strieders Hessische Gelehrtengeschichte mit ihren Fortsetzungen zu vergleichen. Daß außerdem die „Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde" zahlreiche hierher gehörende Aufsätze enthält, be- darf kaum eines besonderen Hinweises; die wichtigsten hier veröffentlichten Arbeiten werden im einzelnen angeführt. Bei der Sammlung des Materials haben mich bereitwilligst unterstützt die Beamten des Marburger Staatsarchivs, vor allem Herr Archivdirektor Dr. Knetsch, sowie die Herren Staatsarchivrat Dr. Gutbier und Archivassistent Dr. Hörger. Wertvolle Hinweise besonders für die Zeit Wilhelms IV. verdanke ich Herrn Studienrat Dr. Zimmermann-Marburg. Ihnen allen sci auch an dieser Stelle aufrichtig gedankt. Dank schulde ich auch meinem Amtsgenossen, Herrn Hilfsbibliothekar Dr. Grothe, für seine Mitwirkung beim Lesen der Korrektur.