Mit großer Mehrheit war dieser wenig zweckmäßige Vorschlag von der Ständeversammlung abgelehnt worden. Nachdem schon die Entwurfsarbeit für das Haus am Wilhelmshöher Platz vorgeschritten war, nahm der Kurprinz und Mitregent Friedrich Wilhelm den alten Plan wieder auf. Von der Absicht getragen, an dieser bevorzugten Stelle ein Schloß für seine Gemahlin, die Gräfin von Schaumburg, zu bauen} stellte er den Ständen einen Teil der Grundmauern der Chattenburg als Unterbau für das Ständehaus zur Verfügung! Allein die Ständeversammlung lehnte am 9. Juni 1832 das Angebot ab und sprach sich dahin aus, an der Wahl des Grundstückes am Wilhelmshöher Platz festzuhalten, den „letzten, von der Mehrheit der hiesigen Architekten entworfenen Bauplan" anzunehmen und für die Ausführung den Betrag von 120000 Talern auszuwerfen. Für die Vermeidung der Überschreitung dieser Bausumme wurden die Mitglieder der Baubehörde, welche den Bau leitete, persönlich verantwortlich gemacht. Für den Fall, daß sich noch Bedenken technischer Art ergeben sollten, war man auch mit der Ausarbeitung eines neuen, einwandfreien Planes einverstanden. Statt der erwarteten höheren Genehmigung trat indessen eine neue Verzögerung ein. Der Kurprinz hielt an dem Gedanken, das Grundstück am Wilhelmshöher Platz wieder in seinen Besitz zu bringen, festß Soweit hatte er sich in den Plan des Schloßbaues schon hineingelebt, daß er Entwürfe hatte aufstellen lassen. Von Ruhl sind Risse, drei Varianten, überkommen} die erkennen lassen, daß nicht nur die Südwest-, sondern auch die Südseite des Wilhelmshöher Platzes, also die ganze Strecke vom Wilhelmshöher Tor bis an die Arnold'sche Tapetenfabrik bebaut werden sollte. Der Hauptflügel sollte freilich der der Königsstraße gegenüber gelegene bleiben und nur von diesem Bauteil sind Aufrisse vorhanden, dreigeschossige Fronten von fünfzehn Fensterachsen mit Betonung des Mittelteils durch Vorfahrten, Pilaster, Säulen, Giebel oder Kuppel, akademische . Palastfassaden italienischen Stiles. lm Vergleich zur Länge bot sowohl der Hauptbau als auch der siebzehn- achsige Nebenflügel geringe Tiefe; die Zimmer reihten sich zu beiden Seiten eines schmalen Mittelflurs flucht- recht aneinander; etwas manigfaltiger im Grundriß sind die Säle gebildet, die ohne Korridor aneinander stoßen. Wenn es auch nicht wahrscheinlich ist, daß dieser Plan, der den Wilhelmshöher Platz ziemlich unglücklich verbaute, für die Ausführung in Frage kam, ist doch ersichtlich, daß eine große Anlage beabsichtigt war. Um den Ständen einen anderen geeigneten Bauplatz zu verschaffen, griff der Kurprinz den Plan jener Stadterweiterung auf, den schon Kurfürst Wilhelm ll. gefaßt hatte, aber auszuführen nicht mehr in der Lage war, da er die Regierung niederlegteß Als Gelände dieser Erweiterung war die Gegend zwischen der Cölnischen Straße und der Wilhelmshöher Allee in Aussicht genommen. Am 3. Juli 1832 wurde, wie es in einem Schreiben des Ministeriums des Innern heißt, der „anderweite, der höchsten Intention Sr. Hoheit des Kurprinzen und Mitregenten entsprechende Plan zur Bildung eines Platzes für das zu erbauende Ständehaus mit gleich- zeitiger Erweiterung der Residenzstadt Cassel" dem landständischen Ausschüsse mitgeteilt. Gleichzeitig erhielt Ruhl Auftrag, Entwürfe auszuarbeiten. Seitens der Stände wurde am 7. Juli Bromeis zur Berichterstattung über die Platz- und Hausfrage aufgefordertß Ein Gesuch Engelhards auf Einsichtnahme des vom Kurprinzen genehmigten Planes zur Stadterweiterung wurde am 17. Oktober von der Oberbaudirektion abschläglich beschieden. Vermutlich hatte Engelhard die Absicht, Gegenvorschläge zu machen, die man vermeiden wollte. Die Schwierigkeiten wurden inzwischen eher größer als geringer. Eine vom 15. August 1832 datierte Eingabe der Bauhandwerker schilderte deren Notlage in den düstersten Farben und veranlaßte die Regierung, durch den Oberfinanzkammerdirektor Meisterlin in erneute Verhandlung mit den Ständen einzutreten. Allein die Beratungen zogen sich hin, ohne daß ein Ergebnis zu sehen war. Der Schreinergildemeister Eckell und der 1 Müller, Kassel II S. 90: „Vielleicht wurde es auch nicht gern gesehen, wenn auf dieser, die ganze Stadt dominirenden Stelle ein landständischer Prachtbau das kurfürstliche Residenzschloß in Schatten gestellt hätte". 2 Woringer, in Mitt. d. Ver. f. hess. Gesch. 1909110 S. 78, erwähnt, daß den Ständen auch das Grundstück am Königsplatz, das jetzt das ScholPsche Kaufhaus einnimmt, angeboten sei. ß Weiß, Briefe s. 194. 4 Handzeichnungen, Bibliothek d. Ver. f. hess. Gesch. Cassel. ' Vgl. S. 59 f. ' Staatsarchiv Marburg. M. St. S. 5185. äää ääägä 452 aaaaaaaaaaagaaaaa