liche Hofmann bei der Ölmühle an der Ahna seinen Sitz hatte, ist zutreffend, dagegen, wie Brunner nach- gewiesen, der Schluß nicht statthaft, daß diese Ölmühle an der Mündung des Flusses lag. Der Sitz des Hof- manns, der in der Gegend. des heutigen Töpfenmarktes zu suchen ist und nichts anderes darstellt, als die Wohnung des Beamten, kann in einer so späten Zeit nicht mehr als maßgebend für die Lage des Amtshauses angesehen werden. Zudem wird er im Häuserverzeichnis von 1605 1 nicht etwa als Hof bezeichnet, sondern nur als „Unsers gn. Fürsten und Herrn behausung, darin seiner fürstl. Gn. Hohmann." Wie das Häuser- verzeichnis und ein Vergleich mit den älteren Stadtplänen ergibt, handelte es sich bei dem Quartier, in dem das Wohnhaus des Hofmannes lag, um Grundstücke von ganz beschränkter Fläche, die das Vorhandensein eines Hofes von vornherein ausschließen. Auch das Kaufunger Haus kann nicht in Frage kommen, noch weniger der gesamte Bezirk zwischen diesem Hause und dem jetzigen Renthof. Diese Gegend bildete einen Teil der Markt- siedelung. Sie war von den Straßenzügen durchschnitten, die von der Brücke zum Markt führten, und von den Häusern und Höfen der Ansiedler besetzt. Insbesondere stand das Kaufunger Haus an der Stelle, die ursprünglich der alte Hof Am Markte-der spätere Sitz der Herren von Meisenbug, eingenommen hatte? Es wäre zu verwundern, wenn eine Anlage von der Bedeutung des Casseler Fronhofes bis zur Vernichtung jeder Spur in dem verhältnismäßig unberührten Lagepläne der Altstadt verschwunden sein sollte. Will man den Platz der Anlage suchen, so wird man gut tun, von den Bedingungen auszugehen, die für die Wahl des Platzes maßgebend sein mußten. Der Hof mußte den Anschluß an die Marktsiedelung wahren. Der Marktplatz mußte von ihm aus bequem zu erreichen sein. Noch wichtiger war die unmittelbare Nähe des Flußufers, der Schlagd. Hier kamen von Alters her die Güter an, von denen der landesherrliche Zoll zu erheben war. Von allen Zollarten in Cassel ist der Schiffszoll der älteste? Auch als in der Folgezeit die ausgebauten Landstraßen den Flußverkehr entlasteten, blieb der Fuldazoll bestehen. Hieran änderte auch der Umstand nichts, daß mit der Zeit das Zollrecht aus der Hand des Königs in die Hand des Landgrafen überging. Wie der Königshof auch in der Gestalt der Burg nie ganz seine Eigenschaft als Frankenveste an der Sachsengrenze verlor, so und in noch höherem Grade hielt der Fronhof seine Bedeutung als Kontrollstation des Handels mit dem Nachbarlande fest. Es sei nur an den oft recht unerquicklichen Verkehr mit Münden erinnert. An der Schlagd fand der Umschlag der Güter von Schiff zu Wagen statt. Von hier aus nahmen die Waren ihren Weg auf den Markt. Erhöhte Bedeutung besaßen für die Schlagd die Salzladungen aus den Sooden bei Allendorf. Wo von der Schlagd der Weg zum Markte einbog, am Ende der Straße Vor der Schlagd, entstand das Salzhaus, in dem das wichtige Erz stapelte. Der Platz des Zollhofes kann nur in seiner Nähe gesucht werden. Noch ein anderes Merkmal muß sich im Stadtplan für die Stelle des Fronhofes finden lassen. Bildete sich der Hof in unmittel- barem Anschlüsse an die bestehende Marktsiedelung, so muß er als Außenkörper des ältesten Stadtkernes auch heute noch sich herausheben. Des Weiteren ist zu beachten, daß das Vorhandensein des Hofes sich störend bemerkbar machen mußte, als der Gedanke auftauchte, die unregelmäßige Marktsiedelung planmäßig zur Stadt zu erweitern. Der Hof griff als Königsgut in das Gebiet ein, das für die neuen Bürgerhäuser bestimmt wurde. Seine Grenze mußte gewahrt werden. Lag er am Flusse, so mußte das Häusergebiet, das dem Ahnaberger Kloster zugesprochen wurde, da aufhören, wo der Hof anfing.- Die Fläche des Hofes, die gewiß nicht unbe- deutend war, muß auch heute noch als Fremdkörper im ältesten Erweiterungsgebiet der Marktsiedelung, im Plane der Altstadt, erkennbar sein. Es gibt in Cassel nur eine Hofanlage, welche die genannten Eigenschaften in sich vereinigt. Sie liegt an der Grenze der Marktsiedelung, nicht weit vom Marktplatz, am Ufer der Fulda, dort, wo die Schlagd die größte Breite erreicht, am Ende der Straße Vor der Schlagd, dem Salzhaus gegenüber. Deutlich gibt sie sich im Stadtplan als Außenkörper der Marktsiedelung zu erkennen. Keilförmig springt ihre Fläche vor. Ihre Fluß- seite setzt gegen die geschwungene Grenzlinie der Marktsiedelung hakenförmig ab. Auch im Erweiterungs- 1 Handschrift. Stadtarchiv Cassel. ' Vgl. Abschnitte „Hof Am Markt" und „Kaufunger Hof". 3 Woringer, Zoll S. 2. Tafel 3 gäßä ägä 431 QQQQQ Q