Amtsgebäude. Fronhof. Daß der Königshof Cassel einen Nebenhof besaß, welcher der Regelung der wirtschaftlichen und recht- lichen Verhältnisse der villa diente, ist eine ebenso verbreitete wie begründete Annahme. Wenngleich in den Urkunden an keiner Stelle eindeutig genannt, spielt dieser Hof, für den die verschiedensten Bezeichnungen angenommen werden, in der geschichtlichen Literatur der Landeshauptstadt eine fast ebenso große Rolle wie der Herrenhof selbst. Mehr oder weniger klar wird auf ihn die Bezeichnung curtis bezogen, mit welcher der Name Cassela verbunden ist. Mit Vorliebe erblickt man in ihm jenen Hof Cassel, den Kaiser Heinrich cum omnibus pertinentiis 1008 seiner Gemahlin, der späteren Gründerin des Klosters Kaufungen, übereignete. Wiewohl diese Auffassung sicher falsch ist, da die Pertinenzien am Königshofe selber hingen, muß es doch einen Hof gegeben haben, an dem der Vogt des Grundherrn seinen Sitz hatte. Daß dieser Fronhof mit dem Königshof gleichaltrig ist, ist nicht anzunehmen. Er wurde erst nötig, als sich die Marktsiedelung in der Nähe des Herrschaftshauses gebildet hatte, deren Abhängigkeitsverhältnis zum Grundherrn zu überwachen dem Fronbeamten oblag. Über die Art und Lage des Hofes gehen die Ansichten auseinander. Pideritl sucht den „Güterhof" vor der alten Stadt „in der Gegend, welche jetzt die holländische Straße durchschneidet, denn hier lag ein Theil der Curtis, welcher den Namen Mühlenhausen - wegen der Mühlen an der Ahna - führte. Zwischen dieser curtis und der Burg lagen ungeordnet und nach jedesmaliger Bequemlichkeit die Hütten und Wohnungen der Meier und der Dienstleute." Hoffmeister? der Herausgeber der zweiten Auflage von Piderits Werk, möchte den Königshof nur als ein Gut aufgefaßt wissen, „dessen Einkünfte zur Hofhaltung des Kaisers verwandt werden, und das er bei Gelegenheit als sein Eigentum besucht." Der von ihm gebrachte Plan „Festung Cassel Anno 131123 .eine Rekonstruktion der Stadt, zeichnet die „Villa", unter der offenbar ein Landgut verstanden wird, an Stelle des Ahnaberger Klosters. Stölzel sieht die curtis als Sitz des villicus an. „A-us dem Villicus entwickelte sich der Schultheiß, der Amtmann und der Rentmeister. Der Hof des Villicus wird daher mit dem späteren Schultheißen- und Renthof oder Amthaus identisch gewesen und somit ein Rückschluß aus der Lage letzterer Gebäulichkeiten auf die Lage des ältesten Meierhofes gestattet sein. Der Platz dieses alten Meier-, Schultheißen- und Renthofs ist ein anderer als der des jetzigen Renthofes." Nach dem Häuserverzeichnis vom Jahre 1605 soll er bei der „alten Oelmühle" und der „Löwer Zunfthaus" und zwar an der Ahnamündung beim jetzigen Salzhaus zu suchen sein} 1 Ortsnamen S. 308 u. Cassel S. 10. 2 Cassel S. 166. 5 Nachbildung der Nebenkarte auf dem Stadtplan v. Schirmer 1817. 4 Stölzel, Anl. d. St. Kassel S. 94 f.: „Die Oelmühle verweist an die Ahne und der Löwer Zunfthaus in die Löwer- oder Fliegengasse unfern der Ahnemündung; in dieser Gegend lag daher 1605 die herrschaftliche Behausung des Hofmanns. Der Hofmann ist aber niemand Anderes als der vielfach in den Stadtrechnungen genannte im Schultheißenhofe angesessene Hofmann des Schultheißen. Im Jahre 1605 waren der Schultheiß und der Rentmeister selbst längst aus dem alten zum Abbruch reifen Hofe hinweg gezogen, wahrscheinlich in den neuen Rent- hof; nur ihren Hofmann hatten sie dort zurückgelassen. Die herrschaftliche Behausung, in welcher er 1605 wohnte, halte ich für ein Stück des alten herrschaftlichen Hofes. Seitdem der Villicus zum Schultheißen und damit zum Gerichtsvorsitzenden bestellt war, bildete sein Hof zugleich den Sitz des Gerichtes oder Amtes, d. h. nicht des Kasseler Stadtgerichtes - dessen Abhaltung mußte den Rechten der Bürgerschaft gemäß auf dem Rathause stattfinden - woh.l aber des Kasseler Landgerichts, welches allmählich an Stelle des Dietmeller Landgerichts trat. Schon 1247 wird bezeugt, daß die Schultheißen in' Kassel eine Reihe umliegender Centen verwalten, demnach scheint damals bereits das Haupt- gericht in Dietmelle wesentlich von seiner Bedeutung eingebüßt zu haben. Im Jahre 1484 Enden wir das Landgericht zu Kassel als ,Gericht im Renthofe zu Kassel'. Der Rechtsvorgänger dieses Gerichts im Renthof ist das Gericht im Schultheißenhof, sein Rechtsnachfolger das Gericht im ,Amtshaus', und das Amtshaus stand bis in dies Jahrhundert auf der Stelle der jetzigen Berningerschen Zuckerfabrik [des Salzhauses] und der alten Ahnemündung. Dieser Platz des Amtshauses rechtfertigt den Rückschluß auf den gleichen Platz des Schultheißenhofes." Qäääääää Qää